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Aktuell Afrika

Entführungsdrama: Alle Hoffnung richten sich nun auf die USA

Nigerias Regierung wirkt völlig hilflos im Kampf gegen die Moslem-Extremisten. Sie musste zugeben, bisher keine Spur von den verschleppten Schülerinnen zu haben. Nun sicherten die USA Unterstützung bei der Suche zu.

Die öffentlichen Forderungen an die Verantwortlichen in Washington waren nicht mehr zu überhören: Nachdem sich die Islamistengruppe Boko Haram zu der Entführung von mehr als 200 Schülerinnen in Nigeria bekannte und zudem drohte, die Mädchen als "Sklaven zu verkaufen", musste man handeln. US-Behördenvertreter berichteten dem Fernsehsender CNN, man werde der Regierung in Abuja vor allem mit relevanten Geheimdienstinformationen bei der Fahndung nach den Terroristen helfen.

Man werde sich auch auf diplomatischer und militärischer Ebene damit befassen, auf keinen Fall aber Truppen schicken, heißt es unter Berufung auf die Obama-Administration. Ein Beamter ließ durchblicken, denkbar sei etwa die Unterstützung der nigerianischen Armee bei einem eventuellen Rettungseinsatz.

Zuvor hatte schon eine Sprecherin des Außenministeriums die Entführung verurteilt und Hilfe avisiert, "in jeder Weise, die wir für angemessen halten". Auch sie wies Spekulationen über die Entsendung von Bodentruppen entschieden zurück. Staatssekretärin Sarah Sawell sei auf dem Weg nach Nigeria, um dort mit Behördenvertretern über die Krise zu sprechen.

Auch der britische Außenminister William Hague bot Nigeria "praktische" Hilfe an, nannte aber ebenfalls keine Details.

Am Montag - rund drei Wochen nach dem Kidnapping - hatte sich die radikalislamische Sekte Boko Haram zu der Aktion bekannt. Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau drohte in einem Video mit dem "Verkauf", der "Versklavung" oder "Zwangsverheiratung" der 15 bis 18 Jahre alten Schülerinnen: "Ich habe gesagt, dass die westliche Bildung aufhören muss, Mädchen, ihr müsst die Schule verlassen und euch verheiraten".

Shekau sprach von den 276 Jugendlichen, die aus ihrer Schule in Chibok im Nordosten des Landes verschleppt worden waren. Von den Geiseln konnten bislang 53 Mädchen fliehen. Nach Angaben der Polizei sind noch 223 in Gefangenschaft.

Sorge lösten international Berichte aus, wonach einige der Entführten über die Grenze zum Tschad und nach Kamerun zwangsverheiratet wurden, für jeweils zwölf Dollar (knapp neun Euro). Auch das US-Außenministerium teilte mit, vermutlich seien viele der Mädchen außer Landes gebracht worden.

Boko Haram kämpft seit fünf Jahren für einen islamistischen Staat und die Scharia im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias und verübt regelmäßig Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Schulen und Kirchen. Etwa 1500 Menschen wurden bei Angriffen allein in diesem Jahr getötet.

Die in Bonn lebende 23-jährige nigerianische Studentin Ify Elueze startete eine Onlinepetition, die unter www.change.org/saveourgirls binnen wenigen Tagen knapp 250.000 Menschen aus aller Welt unterstützten. Sie forderte Staatschef Goodluck Jonathan auf, "sicherzustellen, dass alle Schulen ein sicherer Ort des Lernens sind, geschützt vor Attacken"...

SC/wl (afpe, dpa, CNN-online)