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Politik

Entführung in Afghanistan: Hintergründe weiter unklar

Von wem und warum der Deutsche Harald K. in Afghanistan entführt wurde, ist weiter unklar. Der afghanische Geheimdienst schaltet sich ein, einen Krisenstab nimmt in Berlin die Arbeit auf.

Harald K. (Mitte) auf einem undatierten Foto der Organisation

Harald K. auf einem undatierten Foto der Organisation "Grünhelme"

Zwei Tage nach der Entführung bleibt das Schicksal des deutschen Schreinermeisters ungewiss. In den Fall Harald Kleber (42) hat sich am Dienstag (18.12.2007) der afghanische Geheimdienst NDS eingeschaltet. In Berlin nahm der Krisenstab des Auswärtigen Amtes (AA) seine Arbeit auf. Eine AA-Sprecherin sagte, man bemühe sich gemeinsam mit der Botschaft in Kabul um Aufklärung.

Keine Bekenner, keine Forderungen

Auch am Dienstag bekannte sich niemand zu der Tat. Lösegeld- oder politische Forderungen wurden nicht bekannt. Ein NDS-Sprecher sagte, er wolle sich erst äußern, wenn es Ergebnisse gebe. Die afghanische Polizei setzte ihre Suche nach Kleber fort und warf ihm unvorsichtiges Verhalten vor. Der Polizeichef der Provinz Herat, Mohammad Juma Adeel, sagte: „Es war seine Schuld, dass er in ein abgelegenes Dorf ging, ohne die Sicherheitskräfte zu informieren.»

Kleber lebte seit mehreren Jahren in der westafghanischen Stadt Herat, war zum Islam konvertiert und hatte eine Afghanin geheiratet. Nach Polizeiangaben war er am Sonntag auf dem Rückweg von seinen Schwiegereltern im Dorf Toteschi nach Herat- Stadt entführt worden. Kleber stammt aus Amberg in der Oberpfalz.

Karte von Afghanistan (Quelle: AP)

Das Entführungsopfer Harald K. arbeitete in Herat als Schreiner

Der Vorsitzende der Organisation "Grünhelme", Rupert Neudeck, sagte im Deutschlandfunk, der Tischlermeister habe vorübergehend für die "Grünhelme" gearbeitet. Neudeck bestätigte, dass seine Organisation dem Schreiner Betrug vorwerfe und von ihm die Rückzahlung einer größeren Geldsumme fordere. Nach Angaben der Bonner Staatsanwaltschaft läuft ein Verfahren gegen K., der deshalb auch gesucht werde.

Mehrfach auffällig

K. wollte 2003 für die Grünen in den bayerischen Landtag einziehen. Er sei damals als Kandidat in seiner Heimatstadt Amberg vorgesehen gewesen, habe die Kandidatur aber kurz vor der Wahl zurückgezogen, sagten Vertreter der Partei. Grund für den Rückzug sei ein laufendes Strafverfahren gegen K. gewesen. Kurz darauf sei er nach Afghanistan ausgewandert.

Seit Anfang Juli dieses Jahres wurden damit insgesamt vier Männer und eine Frau in Afghanistan verschleppt. Erst am 10. Oktober war der deutsche Bauingenieur Rudolf Blechschmidt nach fast dreimonatiger Geiselhaft frei gelassen worden. Seinen Kollegen Rüdiger D. hatten die Geiselnehmer nach einem Kreislaufkollaps erschossen. Alle anderen Entführungsopfer kamen nach teils kurzer Zeit wieder frei. (mas/sams)

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