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Pakistan

Entführte pakistanische Blogger wieder aufgetaucht

Wer das Militär oder die Islamisten kritisiert, lebt gefährlich in Pakistan. Das bekamen fünf Blogger zu spüren, die entführt wurden. Vier sind nun wieder aufgetaucht, einer der Aktivisten bleibt verschwunden.

Demonstration für die Freilassung der Blogger am 12. Januar (Getty Images/AFP/A. Ali)

Demonstration für die Freilassung der Blogger am 12. Januar

Vier der fünf im Januar entführten pakistanischen Blogger und Aktivisten sind am Wochenende wieder aufgetaucht. Das bestätigten Familienmitglieder. Zum Gesundheitszustand der Männer oder der Identität der Entführer wollten sie nichts sagen. Der Aktivist Samar Abbas bleibt verschwunden.

Alle Männer hatten im Internet oder in Magazinen die Islamisierung der Gesellschaft zu politischen Zwecke oder das mächtige Militär Pakistans kritisiert. Menschenrechtsorganisationen hatten angedeutet, staatliche Akteure könnten am Verschwinden der Männer beteiligt gewesen sein. Die Fälle hatten international Empörung ausgelöst.

Liberale Blogger werden oft von Islamisten angefeindet - hier eine islamistische Demonstration gegen die Hinrichtung eines Attentäters (Archivbild) (Reuters/F. Aziz)

Liberale Blogger werden oft von Islamisten angefeindet - hier eine islamistische Demonstration gegen die Hinrichtung eines Attentäters (Archivbild)

Der Dichter und Universitätsdozent Salman Haider war bereits Freitagnacht in sein Haus in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad zurückgekehrt, berichteten pakistanische Medien. Nach Aussagen seines Bruders ist Haider in guter Verfassung.

Haider, Dozent an einer Hochschule in Rawalpindi war am 6. Januar auf dem Heimweg verschwunden, sein Auto wurde später gefunden. Ein Fahrzeug, das Haider folgte und auf Überwachungskameras zu sehen ist, hatte ein nicht registriertes Nummernschild, was die Verwicklung des pakistanischen Geheimdienstes nahe legte.

Wo die Männer nun sind, blieb zunächst unklar. Familienmitglieder von dreien der Männer sagten, sie seien in Pakistan. Einer der Aktivisten, Asim Saeed, arbeitet seiner Familie zufolge bei dem deutschen Pharmaziekonzern Merck in Singapur und sei nun wieder dort oder in Deutschland. Merck wollte sich dazu nicht äußern.  Der Leiter der pakistanischen Datenschutzorganisation "Bytes For All", Shirzad Ahmad, sagte jedoch, alle vier Männer seien ins Ausland geflohen, um sich in Sicherheit zu bringen.

Als Gotteslästerer beschimpft

Zwischen dem 4. und 7. Januar waren neben Haider und Abbas auch Asim Said, Ahmad Waqas Goraya und Ahmad Raza Nasir spurlos verschwunden. Alle vier Männer waren in den sozialen Medien aktiv. Said und Goraya sind für ihre kritische Haltung zum mächtigen pakistanischen Militär bekannt. Said wurde offenbar von seinem Haus in Lahore verschleppt. Goraya, der in den Niederlanden lebt, verschwand am gleichen Tag. Nasi, der sich für Poliokranke einsetzt, wurde aus dem Laden seiner Eltern in der Punjab-Provinz verschleppt. Samar Abbas leitete in Karatschi eine Gruppe von Aktivisten, die sich gegen Extremisten wendet.

Sie und ihre Familien werden in sozialen Medien als Gotteslästerer beschimpft. Solche Vorwürfe werden nach Angaben von Kritikern der scharfen Blasphemiegesetze des Landes oft missbraucht, um unliebsame Menschen ruhigzustellen. Blasphemie kann in Pakistan vom Staat mit dem Tod bestraft werden. Extremisten exekutieren Gotteslästerer oft in Selbstjustiz. Mindestens ein Verwandter eines der Entführten hat nach Angaben von Shirzad Ahmad Droh-SMS der Islamistengruppe Lashkar-e Jangvi al Almi erhalten. Pakistan ist eines der gefährlichsten Länder für Journalisten und liberale Aktivisten, die sowohl vom mächtigen Militär als auch von den aufständischen Islamisten angefeindet werden

stu/uh (dpa, epd)

 

 

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