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Politik

Entführte Bergsteiger zurück in der Heimat

Knapp zwei Wochen nach ihrer Geiselnahme in der Osttürkei sind die drei Bergsteiger aus Bayern wieder glücklich in Deutschland gelandet.

Der Bergsteiger Lars Reime auf dem Flughafen in München nach seiner Rückkehr aus der Türkei, zusammen mit dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (r.), Foto: AP

Zurück in der Heimat: Der Bergsteiger Lars Reime

Blass sieht er aus, doch er spricht ruhig und gefasst: Physisch gehe es ihm und seinen Kameraden gut, sagt Lars Holger Reime. Aber psychisch sei einiges zu verarbeiten. "Jetzt müssen wir das Ganze erst einmal ein bisschen sacken lassen." Zwölf Tage war der 33-Jährige aus dem oberbayerischen Laufen zusammen mit zwei Bergsteiger-Kameraden in der Hand von bewaffneten Angehörigen der PKK. Im roten Bergsteiger-Flies, Jeans und Sportschuhen tritt der Ingenieur am Montagabend (21.07.2008) nach der Landung am Münchner Flughafen als "Sprecher" der Entführten vor die Presse. Er sagt nur wenige Sätze, bittet, auf Fragen zu verzichten.

Die entführten Bergsteiger nach ihrer Befreiung, Foto: AP

Bereits am Sonntag waren die Deutschen befreit worden

Das Drama begann am 8. Juli. Die Gruppe aus insgesamt zehn Männern und drei Frauen wurde in der Nacht, bevor sie den 5165 Meter hohen Gipfel des biblischen Berges Ararat im Südosten der Türkei besteigen wollte, in ihrem Camp auf 3200 Metern Höhe überfallen. Terroristen der in Deutschland verbotenen, militanten kurdischen Arbeiterpartei PKK hatten Reime, den 47 Jahre alten Martin S. aus Ingolstadt und den 65 Jahre alten Helmut H. aus Abensberg als Leiter der Gruppe vor knapp zwei Wochen verschleppt. Alle drei sind Ingenieure.

Angst vor Gefechten

Sie seien froh, heil und gesund wieder zu Hause zu sein, sagt Reime nach der Landung in München. "Es war für uns eine schwierige Zeit. Aber Schluss endlich haben wir sie relativ gut überstanden." Sie seien von den Entführern relativ gut behandelt worden. Auch im Namen seiner Kameraden bedankte er sich bei den deutschen sowie den türkischen Behörden. Die türkischen Behörden hätten dafür gesorgt, dass es in dem Gebiet zu keinen militärischen Operationen gekommen sei. "Denn eine der größten Sorgen von uns war, dass wir in irgendwelche Gefechte oder ähnliches verwickelt werden. Und das ist Gott sei Dank nicht passiert." So habe die Entführung "ein sehr gutes Ende" nehmen können.

Falggen der in Deutschland verbotenen, militanten kurdische Arbeiterpartei PKK, Foto: AP

In Deutschland ist die PKK militante kurdische Arbeiterpartei verboten

Am Sonntag (20.07.2008) waren die drei Geiseln freigekommen - die genauen Umstände der Freilassung und die Frage möglicher Lösegeldzahlungen an die Rebellenorganisation lagen unterdessen weiter im Dunkeln. Die Bundesregierung gab keine Informationen über die Hintergründe der Freilassung preis. Außenamtssprecher Jens Plötner sagte in Berlin, man wolle dadurch auch in möglichen künftigen Fällen handlungsfähig bleiben. Berichten über Schwierigkeiten zwischen deutschen und türkischen Stellen widersprach er. Außenminister Frank-Walter Steinmeier habe sich vielmehr ausdrücklich bei der türkischen Seite für gute Zusammenarbeit bedankt. Die PKK hatte die Bundesregierung als Bedingung für die Freilassung der Geiseln aufgefordert, ihre "feindliche Politik gegenüber dem kurdischen Volk und der PKK" zu beenden.

Unterdessen forderten deutsche Politiker die türkische Regierung zu mehr Engagement für die im Osten des Landes lebende kurdische Bevölkerung auf. Der SPD-Fraktionschef Walter Kolbow kritisierte, an den Lebensverhältnissen der kurdischen Bevölkerung habe sich bislang wenig geändert. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir forderte die Türkei im Deutschlandradio Kultur zu einer "Kurskorrektur in der Kurdenfrage" auf. (ina)

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