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Kultur

Entenhausens First Lady wird 65

Die Sprechblasenfamilie aus Entenhausen feiert Geburtstag: Daisy Duck, Donalds große Hassliebe und unantastbare Schönheit der Comicwelt, kommt ins Rentenalter.

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Daisy Duck beim Flamenco

Vor 65 Jahren, am 9. Januar 1937, tauchte sie erstmals als schnatternde Ente an der Seite des bis zu diesem Zeitpunkt einsamen Junggesellen Donald Duck auf. Unzählige Male durfte Daisy dem glücklosen Enterich seither mit der Handtasche über den Schnabel fahren, durfte verführen, enttäuschen und Donalds Eifersucht auf den gescheitelten Glückspilz Gustav Gans ins Unermessliche steigern.

Daisy Duck in Sportkleidung

Unter dem Namen "Donna Duck" und an der Seite der drei Neffen Tick, Trick und Track tauchte die weibliche Ente im Film "Don Donald" erstmals auf der Leinwand auf. Kokett klimpert Donalds Cousine mit ihren langen Wimpern. Es dauert nur wenige Minuten, bis sie "Don Donald" ohrfeigt, eine Gitarre auf seinem Kopf zerschlägt, den schnatternden Matrosen in einen Teich schubst und einen furiosen mexikanischen Tanz auf seinem Konterfei stampft. Donnas Stimme wurde wie die Donalds von Clarence Nash gesprochen, der seine Tonlage lediglich eine "weibliche" Oktave nach oben quakte.

Mit Picknick-Korb und Schleifchen

Daisy Duck - Portrait

Drei Jahre später tritt das flirtende Federvieh Daisy für immer in Donalds Leben. Den Anfang macht der Streifen "Mr. Duck Steps Out" (1940), in dem sie Donald mit schmachtendem Blick und ein paar gehauchten Nichtigkeiten um die Sinne bringt. Seither versammelt sie so ziemlich alle Klischees des amerikanischen Frauenbilds der 50er Jahre. Innerhalb von wenigen Sprechblasen kann sich das brave Vorstadtmädchen mit dem niedlichen Schleifchen in einen rachsüchtigen Drachen verwandeln, ist eifersüchtig und besitzergreifend auf der einen, liebe- und verständnisvoll auf der anderen Seite. Kennzeichnend für Daisy sind allerdings auch ihr soziales Engagement, ihre Koch- und Backkünste und ihre Vorliebe für Picknicks.

Mit großer Vorliebe spielt die Entendame in faltenfreiem Federkleid zudem ihre beiden Verehrer gegeneinander aus. Wenn es in der Beziehung kriselt - also eigentlich ständig - muss der gelockt-geleckte Gustav Gans immer wieder herhalten. Zu gerne stachelt Entenhausens First Lady die beiden Kontrahenten immer wieder an, an Wettkämpfen teilzunehmen. Als Preis lockt die Verheißung: "Der Sieger darf mit mir ausgehen."

Daisy und das Frauenbild

Daisy im spanischen Kleid

"Daisys Problem war, dass man ihr in den frühen Jahren ihrer Karriere wenig Entwicklungsmöglichkeiten eingestand", erklärt Marion Egenberger vom Berliner Ehapa-Verlag, in dem die deutschen Disney-Abenteuer erscheinen. "Sie und ihre Freundin Minni Maus zeigten auf geradezu entlarvende Weise das Welt- und Frauenbild ihrer durchweg männlichen Zeichner und Szenaristen im Amerika der 40er und 50er Jahre." In den moderneren Geschichten habe Daisy jedoch einen großen Teil der schnabelschnatternden Agressivität abgelegt.

Auch im Rentenalter und trotz ihrer jugendlichen Entenschönheit hat es Daisy dennoch nicht geschafft, die Hauptrolle in einem der Comic-Taschenbücher oder gar Filme zu übernehmen. Mal verkörpert sie zumindest bei den europäischen Zeichnern die "Phantomime", den weiblichen Gegenspieler von Phantomias. Mal arbeitet sie als Reporterin für eine von Onkel Dagoberts Zeitungen. Doch auf den zahlreichen Abenteuerreisen von Dagobert und Donald ist sie - ganz im Gegensatz zu Tick, Trick und Track - nach wie vor nicht gern gesehen.

Die Chancen, dass die platonische Hassliebe zwischen Donald und Daisy nach mittlerweile 65 Jahren Kleinkrieg in Entenhausen vor dem Traualtar enden, sind gering: Eine Ehe zwischen dem wohl bekanntesten Enterich der Welt und seiner verehrten Entendame passt einfach nicht in die Disney-Comics.

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