1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fußball

Enke-Trikot auf der Bank

Nach dem schockierenden Selbstmord Robert Enkes versucht die Fußball-Nationalmannschaft, den Weg zurück in die Normalität zu finden. Bei Hannover 96 wussten ein Mitspieler und zwei Betreuer von Enkes Depressionen.

Bundestrainer Joachim Löw bei der Pressekonferenz des DFB mit nachdenklicher Miene. Foto: AP

Nachdenklicher Bundestrainer Löw

Fußball ist nach dem tragischen Tod Robert Enkes immer noch Nebensache. Und doch wird der Ball am Mittwoch (18.10.2009) in Gelsenkirchen rollen, beim Testländerspiel gegen die Elfenbeinküste. Nach der Trauerfeier für den Nationaltorwart am Sonntag in Hannover trainierten die Nationalspieler am Montag in Düsseldorf erstmals gemeinsam für die Partie gegen die Afrikaner. "Wir müssen es schaffen, wieder in den normalen Rhythmus zu kommen und nach vorne zu schauen", sagte Bundestrainer Joachim Löw. "Das Training hilft uns dabei."

Bundestrainer Löw steht mit Spielern und Betreuern auf im Halbkreis auf dem Rasen des Düsseldorfer Stadions. Foto: AP

Miteinander sprechen und trainieren: Nationalmannschaft auf der Suche nach Normalität

Keine Selbstvorwürfe

Doch der Bundestrainer legte den Spielern auch nahe, das Gespräch mit Hans-Dieter Herrmann zu suchen, dem Psychologen der Nationalmannschaft. "Wir wissen ganz einfach, dass jemand da ist, der immer auch positive Lösungen an uns weitergibt und das ist für uns alle sehr, sehr wichtig."

Enkes Grabstein: ein Kreuz, darin eingeritzt Lara Enke, der Name seiner Tochter, darunter Robert Enke. Foto: AP

Enkes Grabstein

Löw hatte sich – mit Ausnahme einer Erklärung im Internet – bisher nicht öffentlich zu Enkes Selbstmord geäußert. Jetzt erzählte der Bundestrainer, dass er am Samstag mit Robert Enkes Vater Dirk telefoniert habe. Das habe beiden geholfen, so Löw. "Selbstverständlich fragt man sich, wie man den Selbstmord hätte verhindern können. Aber ich denke, wir hatten in diesem Moment alle keine Chance, ihn von diesem Vorhaben abzubringen. So traurig das auch ist, aber wir dürfen uns keine Vorwürfe machen."

Auf der Ersatzbank der deutschen Mannschaft soll am Mittwoch ein Torwarttrikot von Robert Enke zwischen den Spielern liegen. Vor dem Anpfiff wird mit einem kurzen Film an Enke erinnert. Die deutsche Mannschaft spielt mit Trauerflor.

Konkurrenzkampf wie bisher

Einfach zur Tagesordnung übergehen kann und will der Bundestrainer nicht. Auch im beinharten Fußballgeschäft dürfe die Menschlichkeit nicht auf der Strecke bleiben, sagt Löw. Schwäche müsse toleriert werden. Der Bundestrainer machte jedoch klar, dass der Leistungsgedanke in der Nationalmannschaft weiter vorherrschen werde. "Der Konkurrenzkampf wird so sein wie bisher." Gegen die Elfenbeinküste wird Kapitän Michael Ballack wegen Beschwerden im Knie nicht spielen. Bayer Leverkusens Torjäger Stefan Kießling, der bisher erfolgreichste Stürmer der Bundesliga-Saison, soll in der Startelf stehen.

"Einsame Entscheidung"

Die Hannoveraner Spieler Jensen, Enke und Balitsch beim Laktattest. Foto: dpa

Enke (Mitte) und Balitsch (r.) waren befeundet (l. Jensen)

Auch Bundesligist Hannover 96, bei dem Robert Enke zwischen den Pfosten gestanden hatte, nahm das Training wieder auf. Robert Enke sei in der Mannschaft keineswegs alleine gewesen, sagte Vereinskollege Hanno Balitsch. Der Mittelfeldspieler wusste von Enkes Depressionen. Der Torwart habe ihn und zwei Physiotherapeuten vor etlichen Monaten eingeweiht. "Wenn wir alleine waren", so Balitsch, "hat er sich häufig etwas von der Seele gesprochen. Leider hat er gegen Ende auch uns gegenüber nicht mehr diese Offenheit gehabt und dann leider seine einsame Entscheidung getroffen."

Die Niedersachsen wollen am Samstag zum Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 antreten. Besonders schwer dürfte es für Florian Fromlowitz werden. Der 23 Jahre alte Torwart wird Enkes Platz zwischen den Pfosten einnehmen.

Autor: Stefan Nestler
Redaktion: Joachim Falkenhagen

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema