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Wirtschaft

Engpässe bei High-Tech aus Japan

Knapp drei Monate nach der verheerenden Naturkatastrophe in Japan machen sich die wirtschaftlichen Folgen zunehmend auch bei Technologie-Unternehmen in Deutschland bemerkbar.

Japan Ausstellung in Lübeck (Foto: dapd)

Ein Techniker präsentiert einen Wafer (Foto: dapd)

Die Chip-Produktion - hier bei AMD in Dresden - braucht Reinstraum-Bedingungen

Ob Digitalkameras, Flachbildschirme, Notebooks oder Autos - Japan ist in aller Welt für seine Hightech-Produkte bekannt. Auch Unternehmen in Deutschland gehören zu den Abnehmern elektronischer Bauteile, Halbleiter, Chips und Festplatten "Made in Japan". Nach den Daten der Marktforscher iSuppli und TrendForce hat das asiatische Land einen Anteil von rund 17 Prozent an der gesamten Konsumelektronik. Insbesondere in der Chipherstellung nimmt es eine bedeutende Stellung ein - jeder fünfte Chip auf der Welt stammt mittlerweile aus Japan. Doch das Erdbeben am 11. März 2011 hat den Elektroriesen aus Fernost ins Wanken gebracht. Einige Hersteller elektronischer Bauteile haben Schwierigkeiten, mit ihren Lieferungen nachzukommen.

Laut einer Umfrage des deutschen IT-Branchenverbandes BITKOM registrieren rund 42 Prozent der Hersteller und Händler von Elektronikgeräten in Deutschland Lieferengpässe. Weitere 21 Prozent erwarten Einschränkungen in den kommenden Wochen und Monaten. In der letzten BITKOM-Umfrage im April gaben nur 17 Prozent der Firmen Lieferschwierigkeiten an. Fast ein Fünftel der Unternehmen stellt außerdem Preissteigerungen bei Produkten, Komponenten oder Bauteilen fest.

Neue Modelle verzögern sich

Fukushima, beschädigter Reaktorblock (Foto: dapd)

Erdbeben und Tsunami haben nicht nur in Fukushima Schäden angerichtet

Vor allem im Bereich Foto- und Multimediatechnik kommt es schon zu Lieferengpässen und Wartezeiten, "speziell bei einigen neuen Produkten", sagte ein Sprecher der Handelskooperation Electronic Partner der "Wirtschaftswoche". Der Kamera-Spezialist Nikon zum Beispiel musste seinen deutschen Händlern mitteilen, dass zwei neue Kameras derzeit nicht angeboten werden könnten. Kunden, die sich für die im Januar angekündigten Video-Camcorder von Canon interessieren, warten bis heute vergeblich - es gibt sie weder im Handel noch in Online-Shops.

Auch aus der Deutschland-Zentrale von Sony Ericsson hieß es, dass die Einführung des neuen Smartphones Xperia Neo verschoben werden müsse. Der finnische Handyhersteller Nokia erwartet, dass Engpässe bei den japanischen Zulieferern den Gewinn im zweiten und dritten Quartal drücken werden. Die Elektronik-Fachmarktkette Media-Saturn hingegen verzeichne bisher keine Lieferprobleme, sagte eine Sprecherin. Auch der größte europäische Autobauer Volkswagen und die Ford-Werke in Köln ließen auf Anfrage von DW-WORLD.DE verlauten, die Produktion an ihren Standorten sei derzeit nicht beeinträchtigt.

Von Zulieferern abhängig

Bitkom-Sprecher Maurice Shahd (Foto: BITKOM)

Bitkom-Sprcher Shahd: Die richtigen Lehren ziehen

Wie sich die Situation in den nächsten Monaten entwickeln wird, hängt maßgeblich von den Aufräum- und Untersuchungsarbeiten in Japan ab. Abgesehen von den Firmen, die durch das Beben oder die Tsunami-Welle direkt beschädigt wurden, sind auch Produktionsstandorte in anderen Landesteilen betroffen. Japanische Chiphersteller haben ihre Produktion während des Erdbebens im ganzen Land heruntergefahren. Laut Frankfurter Allgemeine Zeitung müssen die Fabriken nun erstmal auf Schäden untersucht werden. Da für die Chipherstellung so sterile Bedingungen wie in einem OP-Saal notwendig sind, können die Untersuchungen aber noch ein paar Monate andauern.

BITKOM-Sprecher Maurice Shahd geht davon aus, dass sich die Lage in den nächsten zwei bis drei Monaten allmählich stabilisieren wird. Deutsche Unternehmen betrachten die Entwicklung in Japan derweil mit Argusaugen. Volkswagen hat sogar eine eigene Task Force gebildet, um die neuesten Entwicklungen auf dem japanischen Markt zu beobachten. Laut Shahd haben außerdem immer mehr Unternehmen aus der Japan-Katastrophe die Lehre gezogen, nicht von einem einzigen Lieferanten abhängig zu sein, sondern auch auf andere Lieferanten auszuweichen. Allerdings können die Konkurrenten anderswo auf der Welt die Ausfälle in Japan nur teilweise ausgleichen. "Insbesondere komplexere technische Produkte sind nicht so einfach zu ersetzen", so Shahd.

Autorin: Mareike Theisling (dpa, dapd, rtr, ots)
Redaktion: Rolf Wenkel