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Bildung

Englischbedarf bei Wissenschaftlern

Ohne Englisch haben Wissenschaftler heute kaum große internationale Karrierechancen mehr. Für Publikationen, E-Mails, Vorlesungen ist Englisch Lingua franca. Dafür sollte man es aber auch beherrschen.

Mann mit einem Oxford Dictionary of English (Foto: dpa)

"If you’re talking to non-native speakers, you have to be a lot clearer!" Anne Wegner bringt auf den Punkt, wie man Studierenden am besten etwas auf Englisch beibringt, die keine englischen Muttersprachler sind. Laut und langsam sprechen zum Beispiel, und die Infos auf Pinnwänden und Flipcharts präsentieren.

Die Britin hat zwölf Zuhörer vor sich in dem schmalen Seminarraum im Zentrum Berlins. Alles erfahrene Hochschuldozenten, Professoren und Doktoranden. Sie wollen ihre Fähigkeit verbessern, auf Englisch zu unterrichten. Und das ist nicht nur eine Frage des Vokabulars. "Es geht um Kommunikation und nicht um sprachliche Perfektion", sagt Anne Wegner.

Nicht ohne mein Englisch

Gebäude des DAAD (Foto: Alexandra Jarecka)

Der DAAD fördert den internationalen Austausch von Wissenschaftlern und Studierenden

Der Workshop wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) angeboten. Damit will der DAAD den Kontakt zwischen ausländischen und deutschen Wissenschaftlern und Studierenden vereinfachen. Die englische Sprache ist dabei der Dreh- und Angelpunkt.

"Englisch ist heute unverzichtbar, wenn die eigenen Forschungsergebnisse international publik werden sollen", sagt auch Professor Ulrich Ammon von der Uni Duisburg-Essen. Der Soziolinguist gilt als einer der führenden deutschen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Fremdsprachenverbreitung in der öffentlichen Kommunikation.

Naturwissenschaftliche Publikationen meist auf Englisch

Wie wichtig Englisch ist, hänge allerdings vom jeweiligen Fach ab, sagt Ulrich Ammon. Wer zum Beispiel Archäologie, Philosophie oder Musikwissenschaften studiert oder lehrt, kommt auch mit Deutsch recht weit. In den Natur- und Technikwissenschaften hingegen geht heute ohne Englisch praktisch gar nichts mehr. Gut 90 Prozent der naturwissenschaftlichen Fachtexte werden auf Englisch publiziert.

Vielleicht sind die DAAD-Kurse gerade deshalb gut besucht, und zwar vor allem von Naturwissenschaftlern, aber auch von Technikern und Betriebswirtschaftlern wie Anne Jacobi, BWL-Professorin an der FH Südwestfalen. "Ich versuche mich sprachlich fit zu halten, indem ich zum Beispiel in die USA fahre", erzählt Anne Jacobi. Damit will sie nicht zuletzt auch bei den Studierenden punkten.

Deutsch einst Weltsprache der Wissenschaft

Vor rund hundert Jahren sah die Welt hingegen noch ganz anders aus. Da sei Deutsch speziell in der Wissenschaft Weltsprache gewesen, neben Französisch und Englisch, sagt Ulrich Ammon. Doch durch die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert und vor allem durch die Zeit des Nationalsozialismus habe Deutsch als Wissenschaftssprache an Bedeutung verloren.

Für die Zukunft rechnet Ulrich Ammon damit, dass Englisch noch wichtiger werden wird. Dass an deutschen Unis künftig aber ausschließlich Englisch gesprochen wird, glaubt er vor allem mit Blick auf die Geistes- und Sozialwissenschaften nicht. Und der Soziolinguist findet das auch nicht erstrebenswert.

"Albtraum für Abteilungen von Deutsch als Fremdsprache"

Studenten im Hörsaal (Foto: dpa)

Deutsche Unis bieten vermehrt Kurse und Studiengänge auf Englisch an

Zwar hat der British Council, Großbritanniens internationale Organisation für Bildung und Kultur, in einer aktuellen Studie festgestellt, dass Deutschland den Spitzenplatz belegt, wenn es um die Internationalisierung der Hochschulbildung geht – und zwar gerade weil an deutschen Unis immer häufiger auf Englisch gelehrt wird. Doch Ulrich Ammon warnt davor, immer mehr rein englischsprachige Studiengänge einzuführen. Junge Leute im Ausland lernten vor allem auch deshalb gerne Deutsch, weil sie in Deutschland studieren oder ein Praktikum machen möchten. Diese Motivation fiele dann weg.

Für die Abteilungen von Deutsch als Fremdsprache wäre das "ein Albtraum", so Ammon. Und für die deutsche Wissenschaft ein Verlust: "Für die langfristigen internationalen wissenschaftlichen Kontakte sind Menschen besonders wichtig, die in Deutschland studiert haben und Deutsch sprechen."

Autoren: Svenja Üing / Heiner Kiesel

Redaktion: Marlis Schaum/Gaby Reucher