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Fußball

"England er-Müllert"

"Trauriges England", "Zerfleischte Löwen", "Rache für Wembley": Englands Presse reagierte entsetzt auf die 1:4-Pleite gegen Deutschland. Und natürlich gibt es auch schon einen Schuldigen: Schiedsrichter Jorge Larrionda.

Ein englischer Fan trauert nach der Niederlage gegen Deutschland (Foto: AP)

Englands Medien haben nach der 1:4-Niederlage der englischen Nationalmannschaft etwas widerwillig den Triumph des deutschen Teams anerkannt. "News of the World" sah eine "beschämende Kapitulation" Englands und für den "Football Mirror" wurden Englands Fußballer in Anspielung auf die zwei Tore von Thomas Müller schlicht "er-Müllert". Beißende Kritik gab es an Schiedsrichter Jorge Larrionda, der einen Treffer von Frank Lampard nicht gab. Als "nutzlos" und "blind" beschimpfte die "Sun" den Uruguayer und "Daily Mail" sah in der Situation "eine der größten Fehlentscheidungen der Fußball-Geschichte". Mit Kapitän Steven Gerrard war es jedoch ein Spieler, der die Gefühle eines ganzen Landes in einem Satz zusammenfasste: "Das WM-Aus tut sehr weh, vor allem gegen Deutschland."

Englands Pressestimmen:

Internetseite der Sun am 27.6.2010 (Screenshot: DW)

The Sun: "Franks for nothing"

The Sun:

"Die Nation betrauert die zerfleischten Löwen. Uruguays Schiedsrichter Jorge Larrionda und seine Assistenten waren beim Schuss von Lampard, DER HINTER DER LINIE WAR, blind. Über der Szene lag der Schatten von 1966. Capello sieht dem Ende seiner Karriere als Teammanager Englands entgegen."

Daily Mail:

"England fliegt nach einer der größten Fehlentscheidungen der Fußball-Geschichte raus. Deutschland zerstört die Three Lions 4:1 - mit Hilfe eines Linienrichters aus Uruguay. Millionen englischer Fans sahen ihre WM-Träume platzen, als ihre Mannschaft eine höchst umstrittene Niederlage gegen ihren alten Rivalen kassierte. Immerhin scheint die Sonne noch."

Internetseite der Daily Mail am 27.6.2010 (Screenshot: DW)

Daily Mail: "Hopeless, luckless"

Daily Telegraph:

"Der Linienrichter aus Uruguay hat versagt. War das die Rache für das berühmteste Tor der WM-Geschichte? Das war ein großer Fehler in einem so wichtigen Spiel. Aus Tofik Bachramow wird Mauricio Espinosa. Das darf ihm nie vergessen werden."

Daily Mirror:

"England bekommt ein klares Tor aberkannt, aber Deutschland gewinnt verdient. Die Three Lions hatten gehofft, der 44 Jahre alte Schmerz würde endlich enden. Er endete - der von Deutschland."

Evening Standard:

"Trauriges England wird von Deutschland er-müllert."

Internetseite des Daily Mirror am 27.6.2010 (Screenshot: DW)

Daily Mirror: "Three Lions Muller-ed"

SkySports:

"Zeit zu gehen, Fabio? Das Spiel wurde nicht verloren wegen Larriondas Fehlentscheidung. Es wurde verloren wegen Englands Schwäche in der Abwehr. Die Defensive hat völlig den Überblick verloren. Jetzt stellt sich die Frage: Sollte die FA (der englische Fußballverband, Anm. d. Red.) Capello rauswerfen oder ihm doch noch eine neue Chance geben?"

The Guardian:

"Englands WM-Hoffnungen sind nach einer verdienten Niederlage gegen Deutschland beendet."

Reaktionen aus Deutschland

Rheinische Post:

"Mitten im südafrikanischen Winter schwappt die Erinnerung an das Turnier von vor vier Jahren durchs Land. Die Fans zeigen wieder ohne falsche Scham Flagge, zumindest äußerlich rückt die Republik zusammen. Es ist eine Spaßgesellschaft, die sich für ein paar Wochen ganz bewusst von den Sorgen und den großen Krisen verabschiedet. Dagegen können nur notorische Nörgler etwas haben."

Englands Trainer Fabio Capello (Foto: AP)

"Zeit zu gehen, Fabio?" Englands Trainer Capello

Westdeutsche Allgemeine Zeitung:

"Man glaubt es nicht. Nach 44 Jahren sind wir, was Wembley-Tore betrifft, endlich mit den Engländern quitt. Auf der Insel freilich dürften sie gestern wenig Sinn für späte Gerechtigkeit oder Wiedergutmachung gehabt haben. Eher schon werden viele Fans in Deutschland Schadenfreude empfunden haben. Aber wir wollen nicht mit gleicher Münze zurückzahlen. Weigern sich die Engländer - allen elektronischen Beweisen zum Trotz - bis heute beharrlich, zuzugeben, dass der Ball damals nicht drin war, so bestätigen wir ihnen diesmal gerne: 'Ja, der Ball war drin!'"

Süddeutsche Zeitung:

"Vielleicht hat der Rücktritt von Horst Köhler jetzt doch noch etwas Gutes, denn wo kein Bundespräsident ist, kann auch kein Bundespräsident mit einer Einschätzung so daneben liegen wie Heinrich Lübke 1966. 'Der Ball war drin', behauptete Lübke seinerzeit kühn, was der Völkerverständigung möglicherweise zuträglich war, aber nicht ganz zutreffend jenes Ereignis beschrieb, das in Deutschland als "Wembley-Tor" in die Geschichte einging und in England schlicht "the third goal" genannt wurde, das dritte Tor. (…) Wembley heißt jetzt Bloemfontein."

Autor: Joscha Weber (mit dpa, sid)

Redaktion: Andreas Ziemons