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Wirtschaft

Engel: Noch viel Wachstum für BMW in China

Die Automesse in Shanghai ist für die deutschen Premiumhersteller ein Muss. Die Zeiten traumhafter Wachstumsraten sind aber auch in China vorbei. BMW-China-Chef Karsten Engel über die Pläne seines Unternehmens.

DW: Herr Engel, wie wichtig ist das China-Geschäft für den BMW-Konzern?

Karsten Engel: Das China-Geschäft ist jedes Jahr wichtiger geworden und inzwischen eine unglaubliche Erfolgsgeschichte für BMW. Wenn wir uns zurück erinnern: In nicht einmal zwanzig Jahren, von 1994 bis heute, haben wir unseren Absatz von damals wenigen hundert Fahrzeugen auf letztes Jahr weit über 300.000 BMW und MINI Fahrzeuge vergrößert. Das bedeutet jedes Jahr ein großartiges Wachstum, angereichert mit starker Produktion vor Ort, mittlerweile mit einem großen, örtlichen Entwicklungszentrum für die Fahrzeuge, die wir in China bauen. Insgesamt über 20.000 Mitarbeiter in unserer eigenen Gesellschaft und in unseren Handelsbetrieben. Dadurch ist China derzeit der Markt mit der größten strategischen Bedeutung für BMW.

Das Ende dieser Wachstumsstory ist aber nicht doch schon in Sicht?

Karsten Engel, Chef von BMW in China (Foto: dpa)

Karsten Engel, Chef von BMW in China

Wenn Sie sich anschauen, wie viel Fahrzeuge es pro tausend Einwohner in China gibt, ist es noch ein weiter Weg. Wobei in den großen Städten wie Peking und hier in Shanghai natürlich eine gewisse Sättigung in den nächsten Jahren eintreten kann, da haben Sie Recht. Aber es gibt momentan noch über hundert Städte in China mit mehr als einer Million Einwohner, in denen es noch gar keinen Premium-Autoanbieter gibt. Das ist ein riesiges Potential, das es noch zu heben gilt. Und daran arbeiten wir und bauen dort Händler auf.

Wie wichtig ist eine lokale Produktion in China?

Die ist unglaublich wichtig. Wir wollen als Unternehmen wahrgenommen werden, als ein Teil der Gesellschaft - und wir wollen lernen von den Menschen vor Ort. Wir müssen unseren Respekt erweisen als Hersteller für die Wertevorstellungen und die Kultur in China. Wenn wir das nicht tun, dann sind wir außen vor. Das heißt, ohne die örtliche Produktion kann man hier nicht wirklich erfolgreich sein. Wir haben sehr frühzeitig damit angefangen - wir feiern demnächst den 10. Geburtstag unseres Joint Venture mit Brilliance hier in diesem Markt - und wir sehen von Jahr zu Jahr, dass die Akzeptanz besser wird. Wir werden in diese Gesellschaft weiter investieren und wir werden weiter wachsen.

Wer in China größere Geschäfte machen will, muss das mit einem lokalen Partner machen. Sie haben Ihr Joint Venture gerade erwähnt. Gibt es da nicht auch immer wieder Probleme kultureller Art?

Natürlich. Wenn man mit einem Partner eine 50/50-Beziehung hat, ist das wie eine Ehe. Und auch in einer Ehe kann es hin und wieder schon mal eine Diskussion geben. Also muss man Probleme diskutieren, um gemeinsam das Ziel zu verfolgen, das man hat. Unseres ist es, in diesem Land zu wachsen. Wir haben etwas Hervorragendes gemeinsam aufgebaut. Es besteht eine ausgezeichnete Beziehung zu unserem Joint-Venture-Partner und wir sind uns sicher, das wird auch in Zukunft so weiter geht.

Wie stellt sich das Thema Plagiate aus Ihrer Sicht dar? Also, dass Autos nachgebaut werden, die echten BMWs sehr ähnlich sehen?

Grundsätzlich geht das natürlich nicht. Markenschutzrechte gelten genau so hier in China, das ist gar keine Frage. Und wenn so etwas passiert, dann muss man auch dagegen vorgehen. Auf der anderen Seite kopieren die Chinesen eigentlich nur das, was sie für wirklich toll halten - und sich dann nicht leisten können. Ein Chinese, der sich einen BMW leisten kann, der würde sich allerdings niemals ein Plagiat kaufen.

Was sind Ihre mittelfristigen Ziele hier für den chinesischen Markt?

Wir sind die letzten Jahre mit den Marken BMW und MINI über 40 Prozent pro Jahr gewachsen. Das ist ein unglaubliches Wachstum. Dieses Jahr wird es weniger werden, aber immer noch ein knapp zweistelliges Wachstum. Auch, wenn wir weiterhin an Marktanteil gewinnen wollen, bin ich froh, wenn das Wachstum nicht mit solchen hohen Raten weiter geht. Wenn man seine Position so stark aufbaut und dadurch jedes Jahr 40 bis 60 neue Handelsbetriebe eröffnet, ist es schwierig, sich auch auf die Qualität zu konzentrieren. Wir wollen jetzt sehr viel stärker in die Geschäftsbereiche, die heute noch nicht so ganz stark entwickelt sind, gehen - also Aftersales, Gebrauchtwagen, Flottenverkauf, Financial Services – und diese an unsere hiesigen Händler heranführen. Das bedeutet Training, Training, Training. Und zwar für 239.000 Mann dieses Jahr alleine in China, das ist etwa so viel wie im Rest der Welt zusammen. Da wird investiert, um die Qualität sicherzustellen, damit wir auch in Zukunft die Kundenzufriedenheit haben, die wir brauchen.

Das Interview führte Thomas Neufeld auf der Automesse in Shanghai.

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