1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Engagiert, aber nicht koordiniert

In Indonesien läuft die internationale Katastrophenhilfe an - mit ihr kommen aber auch Probleme. Welche, berichtet DW-Reporterin Meike Scholz aus Banda Aceh.

default

Überlebende suchen in den Trümmern nach Brauchbarem

DW-RADIO: Frau Scholz, was können Sie uns von der Situation in Aceh berichten?

meike scholz 03.01.2005.jpg

Vor Ort: DW-Reporterin Meike Scholz

Meike Scholz: Als wir nach Aceh geflogen sind, sind wir einmal um die Stadt gekreist. Wir haben gesehen, dass der ganze Küstenstreifen vollkommen leergefegt war. Da stand noch Wasser, man hat noch die Grundstrukturen von den Häusern gesehen, aber ansonsten war alles weg - wahrscheinlich ein, zwei Kilometer. Danach kommt ein Streifen, wo sehr, sehr viel Zerstörung zu sehen war. Das einzige was dort noch steht ist die weiße Hauptmoschee. Das indonesische Militär und einige Helfer fangen jetzt an, mit Baggern den ganzen Schutt wegzuräumen. Autos, die komplett zerstört sind, liegen teilweise auf dem Dach und mitten in diesem Schutt sind Leichen. Es stinkt bestialisch, sie sind gelb angelaufen, sie sind aufgedunsen, weil sie teilweise immer noch im Wasser liegen. Die Leute haben es immer noch nicht geschafft, alle wegzuräumen.

Können die Helfer denn überhaupt in die Krisenregion vordringen?

Schwierig. Der Flughafen ist so klein und hat so wenig Stellplatz, dass nur zwölf Flugzeuge gleichzeitig entladen werden können. Das ist natürlich schwierig, wenn ein Flugzeug des Welternährungsprogramms kommt, eine große Cargo-Maschine, um dann irgendwelche Säcke auszuladen, das dauert Stunden, das hält den ganzen Verkehr auf. Das größere Problem ist aber, dass es hier keine Nahrungsmittel gibt. Es gibt nicht ausreichend Wasser, weder für die Bevölkerung noch für die Helfer. Und es scheint mir so, als ob die Organisationen wenig koordiniert sind.

Flutkatastrophe in Asien Indonesien Banda Aceh Flutopfer Soldaten entladen Hilfsgüter

Soldaten entladen Hilfsgüter in Banda Aceh

Die Helfer müssen sich mit der indonesischen Regierung absprechen, die sehr hilfsbereit ist. Aber es gibt hier halt eben noch das indonesische Militär, das im Grunde genommen in den vergangenen Jahrzehnten die Verwaltung in der Provinz Aceh aufrechterhalten und kontrolliert hat - und da gab es wohl am Anfang Probleme. Jetzt hat man gemerkt, das geht so nicht weiter. Das, was ich hier im Moment aber sehe, ist keine koordinierte Aktion. Jeder kommt, der helfen will - und es wollen sehr, sehr viele helfen. Alle sind auch sehr engagiert - aber es ist eben nicht koordiniert.

Welche Hilfe gibt es denn konkret für die Überlebenden? Gibt es so was wie Auffanglager? Oder wo müssen sich die Menschen aufhalten?

Es gibt wohl Auffanglager vom Internationalen Roten Kreuz, wo einige hundert Menschen untergebracht sein sollen. Die habe ich aber noch nicht gesehen. In der Regel schlagen sich die Menschen aber einfach durch. Einen Mann habe ich auf der Straße getroffen, der hat ein bisschen im Schutt gewühlt und meinte dann, er würde seine Familie suchen, 23 Leute, alle tot, aber er möchte sie suchen und sie finden, um sie richtig zu beerdigen. Er lebt bei Verwandten. Die anderen, die ich getroffen habe, leben auch bei Verwandten. Auf den Hauptstraßen, auf dem Mittelstreifen der Straße, da haben die Leute Planen aufgestellt, um da irgendwie zu übernachten. Das große Problem der Leute ist, dass sie seit Tagen nichts gegessen haben. Das Wasser, das sie trinken, ist dreckig. Und jetzt haben sie wirklich Angst vor Seuchen.

Wie groß ist denn die Gefahr?

Ich glaube, sie ist sehr groß. Überall stehen Pfützen, es ist dreckig, es ist schmierig, es stinkt. Es liegen immer noch Leichen herum. Es gibt Fliegen, Tiere und das alles bei Temperaturen von über 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von wahrscheinlich 80, 90 Prozent. Also ich glaube, da ist die Gefahr, dass Seuchen ausbrechen, unheimlich groß.

Was wird Ihrer Meinung nach am dringendsten benötigt?

Geld, um das hier eben alles zu leisten. Es ist natürlich die Frage, wie setzt man dieses Geld ein? Und Transport ist das nächste große Problem: Es wird immer noch viel eingeflogen, soweit ich das überblicken kann. Es gibt zwar Straßen, die man benutzen kann - es fehlt aber an Benzin, Diesel ist hier Mangelware. Und es fehlt eben an LKWs, die man braucht, um überhaupt ein Transportsystem aufzubauen.

Die Redaktion empfiehlt