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Umbau einer Branche

Energiewende hinkt Zielen hinterher

Die CO2-Emissionen sinken nicht, aber die Strompreise in Deutschland steigen. Wann werden die Versprechen der Energiewende eingelöst? Eine McKinsey-Studie hat das untersucht.

Die Versprechen der deutschen Bundesregierung sind groß. Unter anderem sollen die Kosten der Energiewende stabilisiert werden. Strompreise für Haushalte und Industriekunden sollen nicht viel höher liegen, als der EU-Durchschnitt. Gleichzeitig sollen die CO-Emissionen sinken. Wie aber steht es mit der Umsetzung dieser Versprechen?

Die meisten Ziele der Energiewende werden bislang nicht erfüllt und wahrscheinlich auch in Zukunft nicht. Gleichzeitig steigen die Kosten weiter an. Das ist das Fazit einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung McKinsey.

Seit nunmehr fünf Jahren beobachten die Experten bei McKinsey den Fortschritt der Energiewende. Jedes halbe Jahr bewerten sie mehrere Indikatoren darauf, wie erfolgreich sie angegangen worden sind und wie realistisch die Erreichung der Ziele bis 2020 ist. Fazit der am Montag (09.10.2017) veröffentlichten Studie: Neun von 14 Zielen werden nicht erreicht. Beim Bau grenzüberschreitender Stromleitungen in der EU gibt es nur "leichten Anpassungsbedarf", aber die Erreichung acht weiterer Ziele gilt als "unrealistisch".

CO2-Emissionen

Dazu gehört der CO2-Ausstoß, der nicht sinkt, sondern steigt. Die Kohlendioxid-Emissionen betrugen im Jahr 2016 nach Schätzung der AG Energiebilanzen 916 Megatonnen (Mt), das ist mehr als im Jahr davor. Angestrebt war eine Zielmarke von 812 Mt. Bis 2020 will die Bundesregierung den CO2 Ausstoß um 40 Prozent gegenüber 1990 reduzieren - auf 739 Mt. Dieses Ziel kann nach  aktuellem Stand nicht erreicht werden, so die Studie. Und das, obwohl die Emissionen im Stromsektor zurückgegangen sind. Dagegen haben sie sich in der Industrie sowie im Wärme- und Verkehrssektor erhöht.

Daher der Rat der Experten: Um weniger Kohlendioxid auszustoßen, müsse die Energieeffizienz erhöht werden. Zudem müsste der Verkehr- und Wärmesektor elektrifiziert werden, statt wie bisher fossile Brennstoffe wie Öl und Gas zu verbrauchen. Das mache natürlich nur Sinn, wenn der Strom mit erneuerbaren Energien produziert wird, so die Autoren der Studie.

Elektroauto-Boom in Norwegen (picture-alliance/dpa/S. Harms)

Norwegen ist schon länger das Land mit der weltweit höchsten Elektroauto-Quote.

Einbindung des Wärme- und Verkehrssektors nötig

Bei der Elektrifizierung dieser Sektoren ist bislang aber nicht viel passiert. "2016 waren weniger als ein Prozent der neuzugelassenen Autos Elektroautos", so Thomas Vahlenkamp, der McKinsey-Direktor, der den Index entwickelt hat. Da seien andere europäische Staaten wie Frankreich, Österreich oder die skandinavischen Länder bereits deutlich weiter.

Auch bei der Wärmewende passiere in Deutschland zu wenig. Noch werde überwiegend mit fossilen Energieträgern wie Öl und Gas geheizt statt mit erneuerbaren Energien.

Zudem müsse mehr bei der Energieeffizienz getan werden. Auch wenn es bei Neubauten durch die gesetzlichen Vorgaben sichtbare Fortschritte gebe - bei der Sanierung bestehender Gebäude gehe es nur schleppend voran, so Vahlenkamp.

Er fordert außerdem von der Regierung, im Wärme- und Verkehrssektor verbindliche Zielmarken vorzugeben. Da die bislang fehlen, konnten die McKinsey-Experten den Fortschritt in diesen Bereichen nur qualitativ beurteilen.

Kosten der Energiewende gestiegen

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Die Kosten der Energiewende sollen nicht weiter steigen - das war ein weiteres Ziel der Bundesregierung. Erreicht wurde es nicht. Die Strompreise für Privatkunden sind weiter gestiegen auf jetzt 30,8 Eurocent pro Kilowattstunde (ct/kWh). Damit liegen die Preise weit über dem durchschnittlichen Strompreis der übrigen europäischen Ländern, der bei 20,5 ct/kWh liegt. Der Preisabstand zum europäischen Durchschnitt hat sich seit Beginn der Index-Erhebung nahezu verdoppelt.

Dagegen kann sich die Industrie über eine Senkung der Strompreise freuen. Während in Europa die Industriestrompreise um 2,4 Prozent gesunken sind, sind sie in Deutschland um 5,5 Prozent zurückgegangen. Allerdings liegen sie mit  9,65 ct/kWh noch immer mehr als 13 Prozent über dem europäischen Durchschnitt.

Die Preisanstieg geht weiter

Damit nicht genug: Die Experten von McKinsey glauben, dass die Strompreise auch in den kommenden Jahren weiter ansteigen werden. Einer der Hauptkostentreiber ist der Ausbau der Stromnetze. Er ist nötig durch den Zubau von Erneuerbaren und die Abschaltung konventioneller Kraftwerke. Auch die im Gesetz zu den Erneuerbaren Energien (EEG) festgelegten Umlagen werden weiterhin für steigende Preise sorgen.

Zudem werden die Kosten für Netzeingriffe künftig steigen und die Strompreise antreiben. Insbesondere nach 2023 würden durch den wachsenden Einsatz erneuerbarer Energien und die Abschaltung von Kernkraft- und konventionellen Kraftwerken erheblich mehr Netzeingriffe erforderlich, so die Studie. Vahlenkamp hält daher nicht nur die Senkung der Ausgaben, sondern auch die Verteilung der Kosten für eine Top-Herausforderung der kommenden Jahre.

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Die zwei Gesichter der Energiewende

Ebenfalls nicht erreicht ist das Ziel, die Stromnetze auszubauen. Nach den Plänen der Regierung soll das Stromnetz bis 2020 um 3582 Kilometer ausgebaut werden. Derzeit sind erst 816 km fertig - damit wird auch dieses Ziel verfehlt.

Sinken sollten auch die EEG-Umlage und der Primärenergieverbrauch. Bereits seit Jahren glauben die McKinsey Experten aber nicht daran, das diese Ziele erreicht werden. Auch beim Stromverbrauch wird die Regierung ihre Ziele bis 2020 nach derzeitigem Stand nicht erreichen.

Es gibt auch Erfolge zu berichten

Immerhin fünf Ziele der Bundesregierung werden nach jetzigem Stand erfüllt. So sind viele Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien sowie bei der stromintensiven Industrie entstanden. Es gab nur geringe Stromausfälle und ausreichend Kapazitätsreserven in deutschen Kraftwerken. Und die Stromversorgung ist gesichert. Auch das Ziel, 35 Prozent des Stroms über erneuerbare Energien zu erzeugen, ist bereits jetzt erreicht.

Forderung an die neue Bundesregierung

"Mit einer bloßen Fortsetzung der bisherigen "Fahrt auf Sicht" wird Deutschland der Größe der anstehenden Aufgabe nicht gerecht", sind die Experten bei McKinsey überzeugt. "Allen beteiligten Akteuren fehlt es an Planungssicherheit, um rechtzeitig die richtigen Schritte einzuleiten." Das führe zu unnötig hohen Kosten für Stromverbraucher und Steuerzahler und dazu, dass die Klimaschutzziele nicht erreicht würden.

Daher müsse die kommende Bundesregierung  zeitnah einen neuen, umfassenden Kompass für die Energiewende entwickelt, so die Experten. Erst wenn klare Ziele formuliert würden, enstünden neue Perspektiven für alle Akteure.

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