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Afrika

Energiewende durch Mikrokredite?

Erneuerbare Energien haben es schwer, sich in Afrika durchzusetzen. Das liegt zum Teil an der Finanzierung selbst. Aber auch daran, dass Kreditgeber sich noch immer nicht auf die Energiewende eingestellt haben.

Ein kleines Solarmodul auf einem Lehmdach. (Foto: DW)

Dank Mikrokredit bald auf jedem Dach?

Dr. Ibrahim Togola hat nichts gegen Holz. Aber der Direktor des Mali-Folkecenters (MFC) hat etwas dagegen, das Holz und Holzkohle Afrikas dominierende Energiequelle sind. Über 80 Prozent der Haushalte in Sub-Sahara Afrika kochten und heizten noch immer mit Biomasse, sagt der Chef der westafrikanischen Umwelt-NGO, die 1999 nach dänischem Vorbild aus der Taufe gehoben wurde. Doch anstatt jedes Jahr über vier Millionen Hektar von Afrikas Wäldern zu roden, doppelt so viel wie im globalen Durchschnitt, will Togola, dass Solaranlagen, Windräder und Biogasanlagen den Job übernehmen. Sie sollten zur Energiequelle für das ländliche Afrika werden, sagt der gelernte Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler.

Elektrifizierung nach dem Insel-Prinzip

Dr. Ibrahim Togola, Direktor des Mali-Folkecenters (MFC) (Foto: Venro)

Dr. Ibrahim Togola, Direktor des Mali-Folkecenters (MFC)

Das afrikanische Mobilfunk-Wunder habe gezeigt, dass technische Revolutionen auch in Afrika möglich seien, sagt Ibrahim Togola: "In Mali haben wir weniger als 600.000 Telefonanschlüsse, aber in den letzten zehn Jahren schon mehr als drei Millionen Mobilfunknummern", sagt er. Nach diesem Vorbild gelte es jetzt auch, Zugang zu Strom zu schaffen. Also dezentral und nach dem Inselprinzip organisiert, das ist ihm wichtig: "Wir brauchen kein zentrales Stromnetz, für dessen Aufbau wir hochspezialisierte Fachkräfte bräuchten, für das unvorstellbar große Summen ausgegeben werden müssten."

Auch nach jahrzehntelangen Anstrengungen der meist verstaatlichten, bürokratisch organisierten und mit Korruption durchzogenen Energiekonzerne ist in Sub-Sahara Afrika weniger als ein Drittel des Landes elektrifiziert. In besonders abgeschiedenen ländlichen Regionen sogar weniger als ein Zehntel. Wer wie zahlreiche Großentwicklungsprojekte darauf hoffe, mit Stromnetzaufbau und Großkraftwerksbau den Menschen Zugang zu Strom zu verschaffen, der habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt, sagt Togola selbstbewusst. Und kritisiert damit auch internationale Geldgeber wie die Weltbankgruppe oder die Afrikanische Entwicklungsbank. "Die planen noch immer große, zentrale Stromnetze und Großkraftwerkparks. Die dezentralen Solar- und Biomasse-Anlagen, Insel-Lösungen für kleine Dörfer oder einzelne Gebäude, das ist bei den Planungs-Stäben noch immer ein Nischenprodukt."

Der Mikro-Energiekredit fehlt

Ein Marktstand in Mali zeigt eine Verkäuferin, die ihr Geschäft mit Mikrokredit finanziert hat (Foto: DW)

Mit Mikrokrediten werden auch Verkaufstände finanziert

Es fehle nicht an technischem Know-how, sagt Ibrahim Togola, der 1999 das Mali-Folkecenter mitgründete und heute Chef von 42 Angestellten ist. Nein, es brauche vor allem ein lokales Bankensystem, das gemeinnützig organisiert spezielle Kredite beispielsweise für Kleinst-Solaranlagen vergebe. Nach dem Vorbild der von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus aufgebauten Grameen-Bank müsse es auch in Afrika Mikro-Energiekredite geben. Yunus hatte 2006 den Friedensnobelpreis für seine Mikrofinanzkredite bekommen, weil er durch seine Mikrofinanzbank an Obdachlose in Bangladesh Kleinstkredite vergab. Nur so könnten auch kleine Dorfgemeinschaften sich die Anschaffung von Solarmodulen zu bezahlbaren Konditionen erlauben.

"Zusätzlich dazu brauchen wir dann auch noch große Kreditgeber, die beim Umbau des Landwirtschaftssektors helfen", sagt Togola. "Da müssen Sie ein Megawatt bis zu 100 Megawatt-Solarkraftwerke oder Windparks bauen, um wirklich die Landwirtschaft umzubauen." Für diese Industrierevolution brauche auch Afrika ein ausgeklügeltes staatliches Vergütungsmodell für Strom aus Erneuerbaren Energien, nach dem Vorbild des deutschen Erneuerbare Energiengesetzes (EEG). "Da können wir viel vom Norden kopieren."

Eine KfW für Afrika?

Globale Entwicklungsbanken wie die Weltbankgruppe oder die Afrikanische Entwicklungsbank legten bislang aber ihren Schwerpunkt auf Großprojekte, die sie mit Regierungen planten und umsetzten. Direkte Privatpersonen-Kreditprogramme seien bislang eher die Ausnahme. Auch hier komme Deutschland eine Vorbild-Funktion zu, denn die staatliche KfW Bankengruppe biete sowohl Staaten Großkredite wie Privatpersonen Mikrokredite an. "Eine KfW für Afrika", nur so schaffe Afrika den Sprung in eine erneuerbare Zukunft, sagt Ibrahim Togola.

Autor: Richard A. Fuchs

Redaktion: Klaudia Pape

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