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Wissen & Umwelt

Verkehr in Deutschland schon 2035 ohne Öl?

Wie erreicht Deutschland die Klimaschutzziele von Paris und wie müsste sich dafür der Verkehr in Deutschland ändern? In einer Studie ging das Wuppertal Institut dieser Frage nach und entwarf ein Szenario.

"Das von uns entwickelte Szenario für eine Verkehrswende in Deutschland ist ambitioniert aber realistisch, sonst hätten wir es nicht gemacht", sagt Thorsten Koska, Projektleiter für Energie- Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal Institut. 

Zusammen mit Kollegen entwickelte Koska im Auftrag von Greenpeace einen möglichst gangbaren Weg zu einer CO2-freien Mobilität bis 2035 in Deutschland. Die Wissenschaftler gingen in der Studie der Frage nach wie Deutschland die Umsetzung der Pariser Klimaziele erreichen kann, damit die globale Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad stabilisiert werden kann.

Umfassende Verkehrswende sichert Mobilität von morgen

Nach Ansicht der Autoren können die Treibhausgasemissionen des Verkehrs in Deutschland bis 2035 auf Null gesenkt werden. Im Verkehrsbereich müsse dafür der Verkehrsaufwand soweit wie möglich reduziert werden und eine Verlagerung auf klimafreundliche Verkehrsmittel erfolgen.

Das Szenairo sieht vor, dass sich die zurückgelegten Wege pro Person im Vergleich zu 2008 um rund ein Viertel reduzieren müssten und der Besitz und die Nutzung von privaten PKW sich deutlich reduziert. Vor allem die Städte bieten nach Ansicht der Autoren ein großes Potential zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr, Rad, Carsharing und Leihräder und damit weniger Autoverkehr.

Greenpeace - Kopenhagen (André Hemstedt & Tine Reimer/Greenpeace)

Kopenhagen setzt schon heute auf klimafreundliche Mobilität und gilt weltweit als Vorbild. Radfahrer haben mehr Platz.

Bis 2035 müsste laut Studie zur Erreichung der ambitionierten Klimaziele der motorisierte Personenverkehr weitgehend elektrifiziert sein. Deutschlands PKW-Flotte wäre dann deutlich reduziert, die Autos vorwiegend Batteriebetrieben und kleiner und leichter als heute.

Laut Szenario würde sich die Zahl der PKW im Vergleich zu heute insgesamt mehr als halbieren. 2015  lag die Zahl der PKW in Deutschland bei 548 pro 1000 Einwohner, 2035 wären es zur Erreichung der Klimaziele im Szenario nur noch 154 und auf dem Land 274 pro 1000 Einwohner.

Um den Abschied vom individuellen PKW zu erleichtern sollten Stadtbewohner "erhebliche finanzielle Vorteile genießen wenn sie autofrei leben", lautet die Empfehlung. Unter anderem sollten steuerliche Anreize so gesetzt werden, dass beispielsweise die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln sich mehr lohnt, als sich ein eigenes Elektroauto anzuschaffen.

Insgesamt müsse der Autoverkehr teurer, kleinere und leichtere Wagen bevorzugt und umweltschädliche Subventionen wie etwa das Dienstwagenprivileg abgeschafft werden. Das eingesparte Geld und Steuermittel sollten vor allem für Investitionen in den Schienenverkehr verwendet werden.

Damit die Umstellung des PKW-Verkehrs auf effiziente Elektroantriebe rechtzeitig bis 2035 gelingt, empfehlen die Autoren ein Verbot von Neuzulassungen von PKW mit Verbrennungsmotor nach 2025. 

Elektrobus in Köln (DW/G. Rueter)

Elektrobus in Köln. An den Endhaltestellen wird die Batterie über den Stromabnehmer auf dem Dach schnell geladen.

Digitalisierung als Chance

Die Autoren empfehlen eine vorrauschauende Politik damit die Verkehrswende gelingt. "Wir sehen, dass die Umsetzung möglich ist, wichtig ist der politische Wille. Die Bundesregierung hat sich zum Pariser 1,5 Grad-Ziel bekannt, wir entwickelten jetzt dafür ein Szenario wo es hingehen sollte", erklärt Koska gegenüber der DW. "Wir sehen dies als eine langfristige Strategie, damit sich Politik und Industrie auf die erforderliche Umstellung einstellen kann."

Beim Umbau des Verkehrs sieht das Wuppertal Institut auch viele Chancen durch die Digitalisierung. Um individuell unterwegs zu sein, brauche man in Zukunft nicht mehr das eigene Auto, sondern sei mit aufeinander abgestimmten Car- und Ridesharing- Systemen und der Integration dieser Dienste in den öffentlichen Nahverkehr schnell und komfortabel unterwegs. 

Greenpeace - Mobilität in Berlin (André Hemstedt&Tine Reimer/Greenpeace)

Berlin 2016 mit Schiene und Rad: Mit einem Strommix aus Erneuerbaren Energien wäre dieser Verkehr schon vorbildlich.

Güterverkehr runter von der Autobahn

Um auch den Güterverkehr emissionsfrei zu machen, müsse dieser laut Studie zu einem Großteil auf die Schiene verlagert werden. Dazu seien Investitionen in den Ausbau der Bahnverbindungen nötig. Darüber hinaus wird empfohlen den Güterverkehr auf der Straße zu 80 Prozent mit Hilfe von Oberleitungen elektrisch und damit klimafreundlich zu führen.

Für die restlichen Wege kämen dann noch LKW zum Einsatz die klimaverträgliche synthetische Kraftstoffe benutzen. In den Städten sehen die Autoren eine Zukunft des Transports mit Lastenrädern und elektrifizierten Kleintransportern wie sie zum Beispiel derzeit schon die Post benutzt.

Damit der elektrisch betriebene Verkehr klimafreundlich gelingt, bedarf es aber einem sehr viel stärkeren Ausbau von Erneuerbarer Energien. Das derzeitige Ausbautempo reiche dafür ganz eindeutig nicht.

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