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Politik

Energieagentur empfiehlt Kernkraft

Im Kampf gegen den Klimawandel und zur Sicherung der Stromversorgung hat die Internationale Energieagentur zu einem Ausbau der Atomenergie geraten. Die Empfehlung stieß umgehend auf Kritik von Umweltschützern

Drei Kühltürme des Three Mile Island Atomkraftwerks in den USA bei Nacht

Kühltürme des Three Mile Island Atomkraftwerks in den USA

Der Erde droht nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) in 25 Jahren eine drastische Energieknappheit. Um diese zu verhindern, müssten die Regierungen weltweit ihre Investitionen in die Versorgungsnetze deutlich erhöhen, erklärte die IEA am Dienstag (7.11.2006) in ihrer jährlichen Energie-Prognose (World Energy Outlook). Bis 2030 werde sich der weltweite Energie-Bedarf um 53 Prozent erhöhen. Der Anstieg gehe vor allem auf Entwicklungsländer wie China und Indien zurück.

Schmutzige und teure Zukunft

"Wenn die aktuellen Trends anhalten, liegt vor uns eine schmutzige, unsichere und teure Energie-Zukunft", sagte IEA-Exekutivdirektor Claude Mandil bei der Vorstellung des Berichts. Es seien aber Alternativen möglich, die zu einer sauberen und intelligenten Energieversorgung führen könnten, die vom Wettbewerb geprägt sei. "Wenn wir eine nachhaltige Zukunft wollen, sehen wir nicht, wie wir darauf verzichten können", sagte Mandil mit Blick auf die Atomenergie.

Energieeinsparung und der Einsatz von Atomkraftwerken könnten den Verbrauch von Primärenergie bis 2030 um zehn Prozent verringern, so der Weltenergieausblick. Das entspreche dem derzeitigen Energieverbrauch Chinas. Die weltweiten CO2-Emissionen würden im selben Zeitraum um 16 Prozent geringer ausfallen, was dem Schadstoffausstoß der USA und Kanadas entspreche. Auch in Ländern, die sich gegen die Atomkraft ausgesprochen hätten, werde nun wieder über diese Art der Energieerzeugung diskutiert. In Deutschland, wo nach dem von der rot-grünen Regierung beschlossenen Atomausstieg das letzte Atomkraftwerk nach 2020 vom Netz gehen soll, streitet die große Koalition derzeit über die Zukunft der Kernkraft.

Renaissance der Atomenergie

Trotz Sicherheitsbedenken und der weitgehend ungeklärten Entsorgung abgebrannter Kernbrennstoffe sehen sich die Befürworter der Atomenergie auf dem Vormarsch. Er setze auf eine Renaissance der Atomenergie-Branche, hatte US-Energieminister Sam Bodman bei einem Treffen der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) im März gesagt. Anhänger der Atomenergie sehen sich auch durch den früheren Weltbank-Chefökonomen Nicholas Stern bestätigt, der in einem Bericht für die britische Regierung vor den verheerenden wirtschaftlichen Folgen der drohenden Klimakatastrophe gewarnt hatte, die durch das Verfeuern von Kohle und Öl verursacht wird. Die Atomkraft trug 2005 zu 15 Prozent zur Weltenergieerzeugung bei.

Das Uran geht aus

Der Welt-Atomverband begrüßte die Empfehlungen der IEA. Die Atomenergie habe sich als wirksame Technologie für die sichere Elektrizitätsversorgung erwiesen. Kritik kam dagegen von Greenpeace. "Investitionen in die Atomenergie sind der sicherste Weg, den Kampf gegen den Klimawandel zu verlieren", erklärte Atomexpertin Sarah North. Ihr deutscher Kollege Thomas Breuer ergänzte, die Atomenergie könne schon deshalb nicht zukunftsweisend sein, weil der Brennstoff Uran nur noch für 20 Jahre reiche.

Der UN-Klimagipfel in Nairobi diskutiert seit Montag über Schritte gegen eine Klimakatastrophe. Die etwa 5000 Vertreter aus 189 Ländern beraten auch über eine Nachfolgeregelung des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls von 1997. Darin haben sich 35 Industrienationen verpflichtet, ihren Ausstoß an Schadstoffen aus der Verbrennung fossiler Stoffe wie Öl und Gas um fünf Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Die ärmsten Regionen Afrikas sind Wissenschaftlern zufolge am stärksten von den Folgen der globalen Erwärmung bedroht. Das gelte insbesondere für Ruanda, Burundi, große Teile Nigers, Tschad und fast ganz Äthiopien, erklärten die Forscher bei der Vorstellung einer Studie in Nairobi. Afrika trage am wenigsten zum Treibhauseffekt bei, sei aber am wenigsten auf dessen Folgen vorbereitet. "Die Lage ist nicht nur in Bezug auf den Klimawandel alarmierend", sagte Mario Herrero vom Internationalen Forschungsinstitut für Viehzucht. (stu)

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