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Sprachbar

Energie

In einem Automobilwerk werden Autos produziert, in einem Stahlwerk Stahl, und das Werk für Haushaltsgeräte liefert Haushaltsgeräte aus. Aber werden im Bergwerk Berge gemacht? Und wieso heißen Kraftwerke "Kraftwerke"?

Das ist hier die Frage: Wird im Kraftwerk wirklich Kraft hergestellt? Klar, man kann es auch übertreiben mit der Sprache und spitzfindig Wörter und Begriffe hin- und herwenden, die so selbstverständlich im Sprachgebrauch verankert sind, dass sie kaum einer weiteren Betrachtung wert sind. So wie wir alle wissen, was Kraft ist, wissen wir auch alle, was Energie ist.

Wenn die Energie nicht fließt

Vor allem aber wissen wir, was es bedeutet, wenn Energie nicht mehr da ist. Wenn wir zum Beispiel kraftlos, weil völlig ohne Energie, aufs Sofa sinken. Oder wenn es im Zimmer mit dem Sofa plötzlich dunkel und langsam kalt wird, weil die elektrische Energie ausgefallen ist und die Heizung nicht mehr funktioniert. Dass Energie nicht gleich Energie ist, wird in einer solchen Situation überdeutlich.

Den einen energielosen Zustand können wir durch Schlafen, Essen und Trinken, einen Spaziergang in frischer Luft und Ähnliches beheben. Dem anderen sind wir erst einmal hilflos ausgeliefert. So wie die fast 250.000 Menschen, die im Bundesland Nordrhein-Westfalen tagelang ohne Strom – also ohne elektrische Energie – auskommen mussten. Was war passiert? Durch Sturm und Eis wurde im November 2005 die Stromversorgung in Teilen des Münsterlandes lahmgelegt. Erst bildeten sich dicke Eiskrusten um die Hochspannungsdrähte, dann kam der Sturm und knickte die Masten um.

Alternative Energie

Windenergie ist uns lieb, wenn der Wind die Rotoren der Windenergieanlagen antreibt und so zur Stromgewinnung beiträgt. Genutzte Wasserenergie lässt sich am sinnfälligsten an der "klappernden Mühle am rauschenden Bach" vor Augen führen. Aber wehe, wenn sie losgelassen! Wenn der Sommerwind zum Tornado und der linde Regen zur Sintflut wird, dann werden Energien freigesetzt, derer der Mensch nicht mehr Herr werden kann.

In der Tat, Energie ist nicht gleich Energie, aber was ist sie denn nun? Was sie, insbesondere für den Menschen, bedeutet, ist klar: Energie ist Licht, Wärme, Nahrung, Bewegung und, weiß Gott, nicht zuletzt Wohlstand. Wie das? Für alles, was uns, salopp gesprochen, das Leben erleichtert, brauchen wir Energie. Das Leben selbst ist Ausdruck von Energie. Und: Energie ist immer und überall. Der deutsche Physiker Hermann Helmholtz hat gesagt, dass Energie weder vernichtet noch erzeugt werden kann, sondern dass sie allenfalls ihre Erscheinungsform ändert.

Energielieferanten

Das klingt verblüffend, aber es stimmt. Beispiel Gas: Wenn wir Glück haben, kommt es in der Gasleitung zu bezahlbarem Preis bis in unsere Wohnung. Im Gasherd wird es entzündet und so in eine andere Erscheinungsform, nämlich Wärme, umgewandelt. Die Kartoffeln im Topf werden gar, wir essen und bekommen so auch wieder Energie und sind – wie man so schön sagt – nach dem Essen "wiederhergestellt". Mit Energie und Tatkraft können wir uns nun wieder den Aufgaben des Tages widmen.

Wer keine Lust zum Kochen hat, kann auch mal auf die so genannten "Powerriegel" zurückgreifen, von denen einer, wie die Werbung versprach, verbrauchte Energie sofort zurückbringt. "Aber", so sprühte ein kluger Spaßvogel einmal auf eine Plakatwand, "was soll ich mit verbrauchter Energie?"

Ein bisschen "Power" gefällig?

Apropos "Power". Das klingt natürlich im Deutschen viel schicker als "Energie". Man stelle sich nur vor, es hieße "Energiefrauen" statt "Powerfrauen". Oder "Frauenenergie" und eben nicht "Frauenpower". Selbst das Batteriefach samt Batterien ist längst zur "Power Unit" mutiert. Größere "Power Units" werden dann schon mal als "Power Stations" bezeichnet, aber das ist nicht nur ein bisschen doof, sondern auch falsch. Denn "power station" heißt schlicht "Kraftwerk". Aus einem solchen wird Energie in unterschiedlichen Erscheinungsformen, je nachdem um was für ein Kraftwerk es sich handelt, an die Stellen geleitet, wo sie benötigt wird. Das klappt im Allgemeinen ganz gut, aber es kann auch anders kommen …

Autor: Michael Utz

Redaktion: Shirin Kasraeian

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