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Kultur

Energie von oben - Vatikan erhält Öko-Preis

Der Heilige Stuhl als ökologische Avantgarde: Jedes Jahr spart der Vatikan rund 220 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen ein. Grund ist eine neue Solarstromanlage von der Größe eines Fußballfeldes

Vatikan: Solaranlage vor Petersdom (Quelle: AP)

Vatikan: Solaranlage vor Petersdom

Die wenigsten Audienzteilnehmer ahnten etwas von der Revolution, die sich über ihren Köpfen abspielte. Während Papst Benedikt XVI. bei seinem mittwöchlichen Pilgertreffen im großen vatikanischen Auditorium über die Werke des Heiligen Geistes sprach, ging auf dem Dach der Halle die erste päpstliche Solarstrom-Anlage in Betrieb. Die Sonne schien und irgendjemand musste den Schalter umgelegt haben; der Strom floss. Bis zum Mittag hatten die 2400 Photovoltaik-Module bereits 50 Liter Heizöl eingespart, wie die Anzeigetafel im Foyer vermeldete.

Vatikan wird grün

Die etwa eineinhalb Millionen Euro teure Solarinstallation stammt aus dem sächsischen Freiberg und ist ein Geschenk des Bonner Unternehmens Solarworld-AG an den Papst. "So soll ein weithin sichtbares Signal für eine klimafreundliche Energieversorgung und für die Bewahrung der Schöpfung gesetzt werden", sagte Firmenchef Frank Asbeck in Rom.

Im hinteren Teil des Bildes ist der Vatikan zu sehen. Im Vordergrund steht ein geschmückter Tannenbaum (Quelle: DW)

Der Vatikan im Advent

Die Idee für das Projekt ist schon einige Jahre alt. Sie entstand im Jahr 2002 unter dem Pontifikat von Papst Johannes Paul II. Die Anlage auf dem wellenförmigen Flachdach der Audienzhalle ist von außen nicht sichtbar. Sie wurde im Rahmen von dringend nötigen Renovierungsarbeiten installiert. Solarworld, die vor kurzem mit einem Kaufgebot für den Autobauer Opel Schlagzeilen machte, hatte die Anlage mit einer Spitzenleistung von rund 220 Kilowatt gebaut. Mit ihr können den Angaben zufolge pro Jahr 300.000 Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Das entspricht dem Bedarf von über 100 Haushalten.

Vatikan erhält Öko-Preis

Bereits am Tag der Einweihung erhielt der Vatikan die erste Auszeichnung für das Öko-Projekt, das die Audienzhalle und auch die umliegenden Gebäude mit sauberem Strom versorgen soll. Dem Kirchenstaat wurde der Europäische Solarpreis 2008 für die Anlage verliehen, mit der jährlich etwa 80 Tonnen Erdöl eingespart werden sollen.

Kardinal Giovanni Lajolo, Regierungschef des Kleinstaates, stimmte beim Festakt zur Einweihung das Hohelied der Nachhaltigkeit an und verwies nachdrücklich auf den christlichen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung. Und auch Solarworld-Chef Asbeck strahlte mit der Sonne um die Wette. Für ihn war der Auftrag im Vatikan eine prestigereiche Sache. Pressefotos zeigen das Meer der Solar-Module vor der Kuppel des Petersdoms. Solarworld zählt sich zu den Marktführern weltweit.

Vatikan plant Solarfabrik

Und die grüne Erfolgstory des Kirchenstaates geht weiter: Schließlich sehen sich die Kirchenoberen als ökologische Avantgarde. Auf dem Areal der Sendeanlagen von Radio Vatikan vor den Toren Roms soll eine der größten Solarfabriken der Welt entstehen. Laut Ingenieur Pier Carlo Cuscianna geht es um eine Fläche von bis zu 550 Hektar - so groß, dass der Staat des Papstes zum Stromproduzenten für das italienische Netz würde. Ein ehrgeiziges Ziel für die Energie von oben.

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