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Projekt Zukunft

Energie vom Acker - eine Perspektive für Deutschland?

Ganze 8 Prozent beträgt der Anteil der Biomasse am gesamten Energieverbrauch in Deutschland. Aber wie zukunftsträchtig ist die Energie vom Acker tatsächlich? Prof. Bernhard Schink, Mikrobiologe an der Uni Konstanz und hat eine Studie zu den Grenzen und Möglichkeiten der Bioenergie in Deutschland erstellt. Er meint, nur Bioenergie aus Pflanzenabfällen macht Sinn.

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DW:

Forscher aus Jülich suchen nach der Superenergiepflanze und versprechen sich sehr viel davon. Sie sehen das ganz anders. Warum?

Bernhard Schink:

Optimismus gehört zur Wissenschaft. Aber die Effizienz der Energienutzung durch Pflanzen ist sehr begrenzt. Nur 1% der verfügbaren Sonnenenergie wird tatsächlich in der Pflanze umgesetzt. Und die weitere Verarbeitung verschluckt noch ein bißchen Energie. Im Vergleich zu einer Photovoltaik-Anlage, die Effizienzen bei 15% und mehr hat, ist die Nutzung von Biomasse viel ungünstiger. Und selbst bei einer Erhöhung um einige Prozent, wie die Jülicher Forscher anstreben, sind diese Größenordnungen von anderen Energiespeicherformen weit entfernt.

Sehen sie angesichts dieser Zahlen gar keine Zukunft für die Bioenergie?

Die Bioenergie hat durchaus ihre Berechtigung, da etwa wo es um die Nutzung von Reststoffen geht. Da kann die Bioenergie ihren Beitrag leisten und zugleich Abfälle entsorgen. Vielleicht 5% unseres Energiebedarfs kann man damit decken. Das ist legitim und sinnvoll.

Es ist ja ganz klar: wir wollen nicht die wertvollen Nahrungspflanzen, wie Raps oder Mais verwenden. Was sind das dann für Abfälle, die man verwenden kann?

Wenn Körner oder Früchte genutzt worden sind, bleiben ja Stengel, Blätter und dergleichen übrig. Und das kann tatsächlich sinnvoll auch in Form von Biogas genutzt werden. Da hat die Bioenergie durchaus ihre Berechtigung.

Käme auch Mist aus dem Stall in Frage?

Selbstverständlich. Der wird gemeinsam in den speichernden Reaktoren vergoren. Das ist eigentlich Stand der Technik. Besonders in Bayern, in Süddeutschland generell gibt es sehr viele solcher Anlagen.

Sie haben der Politik empfohlen Bioenergie in Deutschland eher nicht auszubauen. Warum ist das so?

Wir haben in Deutschland nicht so viele Flächen, dass wir in nennenswerten Umfang noch weiter Bioenergieträger anpflanzen könnten. Dafür fehlen uns die Flächen. Das mag in anderen Regionen - vor allem in tropischen, subtropischen Bereich, Brasilien und dergleichen - anders sein.

Wie ist es denn in Ländern wie Skandinavien oder Brasilien? Hier hat man größere, weniger besiedelte Flächen.

Skandinavien ist dünn besiedelt und kann in erster Linie Holz produzieren. Das ist das ganze Jahr möglich. Skandinavien kann durchaus einen signifikanten Beitrag seines Energiebedarfs über Holz decken. In Brasilien geschieht das über Zuckerrohr und Ethanolgewinnung. Aber auch dort ist diese Form der Energiebewirtschaftung nicht nachhaltig. Das trägt sich nicht auf lange Sicht.

(Interview: Maria Grunwald)