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Wirtschaft

Energie- und Klimapolitik als Chance für deutsche Wirtschaft

Nur gemeinsam mit den USA können die wirtschaftlichen Probleme gelöst werden, sagt Arend Oetker, der Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, im Gespräch mit DW-WORLD.DE.

BDI-Vizepräsident Arend Oetker

BDI-Vizepräsident Arend Oetker

DW-WORLD.DE: Herr Oetker, ein neuer US-Präsident ist gewählt. Wird mit ihm auch neuer Schwung in die deutsch-amerikanischen Wirtschaftbeziehungen kommen?

Arend Oetker: Das wird nicht einfach. Auch mit Barack Obama nicht, weil wir eine schwierige Situation haben in den USA und in Deutschland. Es gibt keine Autoverkäufe in beiden Ländern und es gibt kein Vertrauen in der Finanzwelt. Und insofern hat er es nicht leicht. Aber: Nur mit Amerika werden wir zusammen das Problem lösen. Insofern freue ich mich, dass er wohl auch gleich am 15. November mit dem amtierenden Präsidenten gemeinsam die Staatschefs der großen Länder in Washington auf dem Weltfinanzgipfel empfangen wird, um jetzt schon mitzuhelfen, die Probleme zu lösen.

Wenn man von der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise absieht: Wo liegen denn ihrer Meinung nach die größten Chancen in Zukunft?

Die liegen möglicherweise in der Energie- und Klimapolitik. Ich glaube, dass es da eine Veränderung gibt. Das Bewusstsein dafür ist in den USA gewachsen, dass man da was tun muss, und da erwarte ich einen großen Impuls auch von Obama. Und das wird uns mit unserer Kompetenz, die wir auf dem Segment in Deutschland haben, helfen. Aber das heißt eben, dass die großen Nationen und die großen Energieverbraucher, eben an erster Stelle auch die USA als größter Verbraucher, dazu einen Beitrag leisten müssen.

Die Probleme zum Beispiel in der Autoindustrie haben Sie erwähnt. Zudem haben die Amerikaner durch ihre Politik in den vergangenen Jahren Investitionen im Inland, also in die Infrastruktur, eher vernachlässigt. Könnte es auch da Chancen für die deutsche Wirtschaft geben?

Sicher. Denken Sie nur daran, dass sehr viele Unternehmen, die zwar in Deutschland ihren Sitz haben, eben auch ganz große Tochtergesellschaften in USA haben. Die werden davon ebenfalls profitieren.

Zu einer Partnerschaft gehören immer mehrere Seiten und gegenseitiges Vertrauen. Wie wird sich die Situation in Bezug darauf zwischen Deutschland und den USA verändern? Kann man das vorhandene Vertrauen noch verstärken?

Ja, das kann man durch Garantien, die jetzt die Regierungen für die Banken gegeben haben. Die Offerte ist da, und kann sich durch eine Erhöhung des Eigenkapitals, also des Haftungsrisikos der Banken, wesentlich verstärken. An diesen beiden Enden wird gearbeitet, von beiden Seiten, und das muss auch schnell passieren. Da erhoffe ich, dass die USA, die immer etwas schneller reagieren als wir, einfach flexibler sind, letztlich da auch einen großen Impuls geben. Denn dort ist die Krise auch entstanden, und dort muss sie auch in erster Linie kuriert werden.

Nun wird Obama ja auch der Ausspruch "America first" zugeschrieben: amerikanische Arbeitsplätze zuerst. Befürchten Sie in Zukunft weitere protektionistische Maßnahmen?

Wenn Protektionismus aufkommt, werden alle verlieren. Auch die Amerikaner. Denn in der verknüpften Welt, in der wir nun mal leben, löst Protektionismus das Thema nicht. Auch nicht der Staat. Der muss zwar strenge Regeln vorgeben, aber er darf nicht vom Schiedsrichter zum Mitspieler werden. Er muss Schiedsrichter bleiben, ein strenger Schiedsrichter.

Arend Oetker ist Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Bis 2005 war er Vorsitzender der Atlantik-Brücke, einem wirtschaftsnahen Rat zur Pflege der Kontakte zu den USA. Er ist Geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Arend Oetker Holding GmbH & Co. KG, Berlin.

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