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Wissen & Umwelt

Energie aus Abgasen

Wissenschaftler filtern mit Algen CO2 aus den Abgasen von Kohlekraftwerken. Die Algen nutzen das CO2 als Nährstoff und liefern am Ende Biomasse, wertvollen Rohstoff für die chemische Industrie.

Mikroalgen im Labor (Foto: DW-TV)

Mikroalgen im Labor

Georg Wiechers überwacht die größte Algenversuchsanlage Europas. Sie steht in der Nähe von Aachen. Eine Glashalle, ähnlich wie ein Gewächshaus, darin Algen in langen, lichtdurchlässigen Schläuchen, eine grünlich-trübe Suspension in Salzwasser. Von untern her blubbert Gas durch die Flüssigkeit, es ist Abgas des benachbarten Kohlekraftwerks. Die Algen binden das Kohelnstoffdioxid, CO2, aus dem Abgas. Für sie ist CO2 kein Schadstoff, sondern Nahrung. Mit dem Gas gefüttert, wachsen sie zehnmal schneller als im Freiland.

CO2- hungrige Algen

Georg Wiechers in der Algenversuchsanlage (Foto: DW-TV)

Georg Wiechers prüft die hungrigen Algen

Georg Wiechers leitet das Projekt, das seit einem Jahr läuft und an dem der Stromkonzern RWE beteiligt ist. Der Betreiber des Kohlekraftwerks will herausfinden, wie effektiv das Algenverfahren ist. "Als erstes haben wir untersucht ob diese Algentechnologie dafür geeignet ist, mit Rauchgas aus einem Braunkohlekraftwerk betrieben zu werden“, sagt Wiechers. Es habe sich gezeigt, dass es sehr gut funktioniert.

Nicht weit entfernt, am Forschungszentrum Jülich, werden die wissenschaftlichen Grundlagen des Projekts erarbeitet. Ulrich Schurr ist Biologe. Er will herausfinden, wann sich das Verfahren wirtschaftlich rechnet. Dazu misst er, wie viel CO2 die Algen aufnehmen, unter welchen Bedingungen sie am besten wachsen und wann sie geerntet werden müssen. "Die Alge ist ja eine Art Wildpflanze, die aus der Natur kommt und nicht dafür optimiert ist, in so einem Schlauch zu wachsen."

Algen in Kunstoffschläuchen, Pilotanlage zur CO2-Konversion am Jülicher Foschungszentrum (Foto: DW)

Blubberblubber, Algen bei der Arbeit

CO2 wird zum wertvollen Rohstoff

Aufgabe der Wissenschaft ist es nun, für möglichst gute Wachstumsbedingungen zu sorgen: Das richtige Glas für die Scheiben des Gewächshauses ist genauso wichtig wie das Verhältnis von Algen und CO2. Denn das entscheidet über die Qualität der Photosynthese, wenn die Algen das CO2 mit Hilfe von Sonnenlicht in Biomasse umwandeln.

Am Ende geht es aber nicht darum, das Kraftwerk komplett CO2-frei zu machen, die Menge der benötigen Algen wäre einfach zu groß. Soviel wie möglich des Rohstoffs CO2 soll aber genutzt werden, statt ihn in die Atmosphäre zu blasen. Aus der Algenmasse lassen sich anschließend viele verschiedene Substanzen herstellen, von Baumaterialien über Medikamente und Nahrungsmittel bis hin zu Biokraftstoffen.

Autor: Andreas Neuhaus

Redaktion: Klaus Dartmann/Marlis Schaum

Den Videobeitrag sehen Sie in der aktuellen Ausgabe von Projekt Zukunft, dem Wissenschaftmagazin auf DW-TV. Einfach unten klicken!

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