1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Reise

Endstation für Kambodschas Bamboo-Train

Eine Bambuspalette, ein kleiner Motor - damit rattern Touristen nahe der Stadt Battambang durch die Reisfelder. Seit das Bahnnetz renoviert wird, sind aber die Tage der Bambusbahn gezählt.

Was für viele ein Highlight ihrer Kambodscha-Reise ist, wurde in den 1980er Jahren in dem verarmten südostasiatischen Land aus der Not geboren, um die verfallenen Schienentrassen aus der Kolonialzeit zu nutzen. Die improvisierten Wagen - Ausdruck von Kreativität und Unternehmergeist in der infrastrukturarmen Nation - verwandelten sich über die Jahrzehnte in eine beliebte Touristenattraktion. "Es war gut, endlich ein bisschen Wind im Gesicht zu haben", ruft die 25-jährige Schwedin Josefin Strang nach einer Fahrt in glühender Tropensonne. "Ich bin froh, dass es der Bambuszug war und nicht ein gewöhnlicher Zug, denn die Gleise sind wahrlich nicht so gut in Schuss."

Kambodscha Bambus Zug (picture-alliance/Godong/P. Lissac)

Maximal 15 Passagiere können mitfahren

Die Draisinen in der Provinz Battambang im Nordwesten werden bald offiziellen Zügen weichen müssen. Für die Fahrer, Kontrolleure und Snackverkäufer der Bambusbahn ist das keine gute Nachricht. "Wir machen uns große Sorgen, wie wir noch unseren Lebensunterhalt verdienen sollen", sagt Soy Savuth. Der 49-Jährige ist einer von mehreren "Zugführern" auf der sieben Kilometer langen Strecke. Pro Fahrt verdient er etwas über vier Euro.

Transportieren leicht gemacht

Einst führte das unter französischer Kolonialherrschaft gebaute Eisenbahnnetz vom Seehafen Sihanoukville im Südwesten zur Hauptstadt und in den Norden bis zur thailändischen Grenze. Doch nach Bürgerkrieg und jahrzehntelanger Vernachlässigung waren riesige Teilstrecken verfallen oder überwuchert. Da Autos Luxus und die Straßen in ähnlich schlechter Verfassung waren wie die Schienen, begannen die Kambodschaner in den 1980er Jahren mit dem Bau kleiner Bambuswagen für den Transport von Menschen und Waren.

Die ersten Modelle wurden auf die Schienen gesetzt und mit einer Bambusstange geschoben. Dann ersetzten kleine Benzinmotoren die Stangen. Die waren über einen Keilriemen mit einer der beiden Achsen verbunden und trieben die Wagen mit rasenden 15 Stundenkilometern an.

Kambodscha Bambus Zug (picture-alliance/Godong/P. Lissac)

Früher wurden Reissäcke mit den Bambuszügen transportiert

Doch dann wurden die Straßen besser, und die Einwohner nutzten die Bambuszüge - "norries" in der Landessprache Khmer - immer seltener. Dafür begeisterten sich immer mehr Touristen für die Fahrten, und findige Reiseveranstalter in Battambang nahmen sie als einzigartiges Beispiel kambodschanischer Eisenbahnkultur ins Programm.

Überrollt vom Zug der Zeit

Bald aber müssten die Betreiber die Strecke räumen, damit die Bauunternehmen sie für den regulären Bahnbetrieb richten könnten, sagt der Leiter des Eisenbahnamts, Chan Samleng: "Sie haben kein Recht mehr, die Strecke zu nutzen und sollten sich andere Jobs suchen". Kambodscha ist zwar eine der ärmsten, aber gleichzeitig auch eine dynamischsten Nationen Asiens. In den vergangenen Jahren nahm sich der Staat die Renovierung des Bahnnetzes vor - und bereits im April 2016 wurde die Strecke von Phnom Penh nach Sihanoukville für Personenzüge wieder eröffnet. Dutzende Bambusbahn-Betreiber mussten dort bereits weichen.

In Battambang verstrichen schon einige Fristen zur Schließung - ohne Folgen. Soy Savuth und andere Fahrer fürchten allerdings, dass es die Behörden diesmal ernst meinen. Für seine Zukunft sieht er schwarz, sagt er: "Ohne Gleise, die ich befahren kann, werde ich nur schwer einen Job finden", klagt der 49-Jährige. "Das ist das Einzige, was ich kann."

is/ch (afp)