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Asien

Endstation Athen für afghanische Flüchtlinge

Jedes Jahr flüchten mehrere Tausend Afghanen aus ihrem Land, um in der EU ein besseres Leben zu finden. Die meisten Asylanträge werden abgelehnt. Für viele ist Griechenland Wartestation als Dauerzustand.

Griechisches Internierungslager für Flüchtlinge aus Afghanistan (Foto: EPA/NIKOS ARVANITIDIS)

Griechisches Internierungslager für Flüchtlinge aus Afghanistan

Um Mitternacht irgendwo im Ägäischen Meer zwischen der Türkei und Griechenland. Fünf junge Afghanen sitzen in einem einfachen Schlauchboot und paddeln um ihr Leben. Nach sechs Stunden, so hatte ihnen der Schlepper versichert, würden die illegal Reisenden im Paradies, also in Griechenland und damit in der EU, ankommen. Doch als das kleine Boot die griechische Küste erreicht, werden sie von Schüssen empfangen. Ahmad Karim (Name geändert - Red.) erinnert sich: "Die Grenzpolizisten verhafteten uns und setzten uns in ein Schiff. Wenige Zeit später warfen sie uns in der Nähe einer kleinen unbewohnten türkischen Insel ins Wasser zurück."

Flüchtlinge aus Afghanistan in Griechenland. (Foto: DW)

Flüchtlinge aus Afghanistan in Griechenland

Karim, damals 23 Jahre alt, und seine Weggefährten werden von einem türkischen Fischer gerettet. Sie dürfen zurück nach Istanbul, um sich nach wenigen Wochen wieder auf den Weg nach Westen zu machen.

In der Hand von Schlepperbanden

Jedes Jahr versuchen Tausende Afghanen wie Karim, vor Gewalt, Unsicherheit und Perspektivlosigkeit aus ihrem Land zu fliehen. Sie begeben sich in die Hände von Banden, die ihnen ein sorgenfreies Leben in einem europäischen Land versprechen. Stefan Telöken, Sprecher der deutschen Abteilung des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR): "Wir haben es hier nicht mit Menschen zu tun, die Flüchtlingen helfen wollen, sondern die sich dafür bezahlen lassen. Wir erleben immer wieder, dass Flüchtlinge sterben, weil sie von Schmugglern umgebracht oder auf hoher See im Stich gelassen werden."

Zwischenstopp Iran

Afghanische Flüchtlinge, die in Australien einen Asylantrag stellen wollen, reisen über Pakistan, Malaysia und Indonesien. Wer wie Ahmad Karim in die EU will, wählt meist die Route Iran, Türkei, Griechenland. Viele Afghanen reisen aus Geldmangel in mehreren Etappen. Die illegale Einreise nach Europa kostet bis zu 10.000 Euro pro Person. Karim hatte nur das Geld für die illegale Einreise in den Iran. Dort musste er den Rest des Reisegeldes erst einmal verdienen. "Im Iran wirst du als afghanischer Flüchtling nur ausgebeutet und misshandelt. Wie ein Mensch wirst du nirgends behandelt."

Im Iran leben rund eine Million afghanische Flüchtlinge, viele auf der Durchreise nach Europa. Karim versteckt sich drei Jahre lang bei Bekannten und Verwandten. Er nimmt jede Arbeit an, meist im Bergwerk, bis er genug Geld gespart hat, um mit Hilfe einer Schlepperbande in die Türkei zu fliehen. Nach einem Jahr Schwarzarbeit in verschiedenen Städten der Türkei macht er sich auf den Weg nach Griechenland.

Der erste Versuch scheitert. Beim zweiten Mal hat er Glück. Die Polizisten, die ihn verhaften, werfen ihn nicht zurück ins Wasser. Sie schicken ihn nach Athen, dort soll er sich den Behörden stellen. Die Situation dort fasst Stefan Telöken so zusammen: "Griechenland ist in einer sehr schwierigen politischen wie wirtschaftlichen Lage. Gleichzeitig hat Griechenland kein funktionierendes Asylsystem. Es ist unter den mehreren zehntausend Asylgesuchen praktisch zusammengebrochen. Es fehlen die Kapazitäten. Viele Asylsuchende leben in absoluter Not. Der Staat ist nicht in der Lage, sie in irgendeiner Weise zu versorgen."

Endstation Athen

Flüchtlinge aus Afghanistan in Griechenland. (Foto: DW)

5.000 Euro verlangt der Schlepper für eine Reise von Afghanistan nach Griechenland

Karim trifft in Athen Tausende seiner Landsleute - alleinstehende junge Männer ebenso wie Familien mit mehreren Kindern. Alle versuchen, Griechenland Richtung Westen zu verlassen. Die Schlepper verlangen 5.000 Euro pro Person. Kaum jemand von Karims Bekannten besitzt so viel Geld. Die Flüchtlinge müssen einerseits ohne Schutz des Staates ihr tägliches Überleben organisieren und andererseits für die Weiterfahrt Geld sparen. Einige Afghanen haben in Athen kriminelle Banden gegründet und berauben ihre eigenen Landsleute. "Sie geben sich als Schlepper aus und sammeln von den Flüchtlingen Geld, mit dem Versprechen, sie bald nach Europa zu bringen. Oder wenn sie bei jemandem Geld vermuten, drohen sie ihm und schlagen ihn zusammen, bis er ihnen seine Ersparnisse überlässt“, weiß Karim zu berichten.

Ahmad Karim versucht seit rund fünf Jahren, Griechenland zu verlassen, doch es gelingt ihm nicht. Mal fehlt das Geld, mal wird er von den Grenzpolizisten verhaftet. Zurück nach Afghanistan will er nicht: "Ob ich hier sterbe oder in Afghanistan, was ist der Unterschied"?