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Amerika

Endspurt im Kampf um entscheidende Stimmen

Bei den US-Präsidentschaftswahlen zählen einige Stimmen mehr als andere. So haben beide Kandidaten die letzten Wahlkampfwochen in den "Battleground States" verbracht, zu denen auch Virginia gehört.

Chrystel Marston ist sicher, dass Mitt Romney im US-Bundesstaat Virginia gewinnen wird. "Vor vier Jahren machten die Demokraten das Rennen, das war bedauernswert, aber jetzt werden wir wieder republikanisch." Die gelernte Buchhalterin ist mit ihrem Mann Chris in die Ausstellungshalle des "Meadow Event Parks" in Doswell gekommen, dorthin, wo sonst Bauern ihre Produkte ausstellen oder Pferde vorgeführt werden. Jetzt warten sie auf Mitt Romney, den republikanischen Präsidentschaftskandidaten, der an diesem Tag drei Wahlkampfauftritte in Virginia absolviert.

Die Marstons wohnen in Beaverdam, etwas nördlich von Richmond, der Hauptstadt des Bundesstaates. Hier ist die Gegend ländlich, wird Korn geerntet und Vieh gezüchtet. Chrystel Marston hat bereits ihre Stimme für Mitt Romney abgegeben. Die Wirtschaftslage ist für sie das entscheidende Wahlargument: "Ich bin es leid, zuzusehen, wie meine Familie und Freunde sich abmühen, das ist nicht das Amerika, in dem ich aufgewachsen bin." Weniger staatliche Regelungen, mehr Arbeitsplätze, das verspricht sie sich von Mitt Romney - dabei liegt die Arbeitslosenquote in Virginia konstant zwei Prozentpunkte unter dem nationalen Durchschnitt.

Romney verspricht "wirklichen Wechsel"

Chrystel Marston und ihr Mann Chris sind sicher, dass Mitt Romney Virginia gewinnen wird. Foto: DW/Christina Bergmann 3.11.2012, CB

Chrystel Marston und ihr Mann Chris sind sicher, dass Romney Virginia gewinnen wird

Auf einem Podest vor einer überdimensionalen amerikanischen Flagge, vor Heuballen und Traktoren hält der Präsidentschaftskandidat der Republikaner dann seine übliche Wahlkampfrede. Mitt Romneys Enthusiasmus hält sich in Grenzen, die Marathon-Tour durch das Land macht sich bemerkbar. Er wiederholt seinen 5-Punkte-Plan, mit dem er das Land auf Vordermann bringen will: Energieunabhängigkeit schaffen, internationalen Handel stärken, bessere Ausbildung für Arbeiter, Schüler und Studenten, staatliche Ausgaben kürzen, Kleinunternehmer unterstützen. Doch die Menschen, die hierher gekommen sind, muss er sowieso nicht mehr überzeugen.

Jetzt ist es der Republikaner, der dem Demokraten vorwirft, keine neuen Ideen zu haben. "Diese Wahl hat weitreichende Folgen", sagt Romney eindringlich. "Manche glauben, wir sollten Kurs halten, aber ich glaube nicht, dass der Status Quo gut ist für Amerika, wir brauchen wirklichen Wechsel, der den Amerikanern versprochen wurde, und den werden sie durch uns bekommen."

"Battleground States" und Wahlmännerstimmen

Im Wahlkampfendspurt sind sowohl Mitt Romney, sein Vizekandidat Paul Ryan, Romneys Frau Ann und andere prominente Republikaner kreuz und quer in Virginia unterwegs. Präsident Barack Obama, sein Vize, der ehemalige Präsident Bill Clinton und andere Demokraten stehen da in nichts nach. Romney und Obama liegen in dem Bundesstaat Kopf an Kopf, da lohnt sich die Kraftanstrengung. Genauso wie in Ohio, einem weiteren Zentrum der finalen Kraftanstrengung. Hinzu kommen Florida, aber auch Pennsylvania, Michigan und Minnesota. Kreuz und quer ziehen die Kandidaten durch diese Bundesstaaten, viele andere werden schlicht ignoriert. Denn in den USA zählt bei der Präsidentschaftswahl nicht die Mehrheit der Stimmen insgesamt.

Romney Ryan Schild in Chesterfield, südlich von Richmond, Virginia Foto: DW/Christina Bergmann 3.11.2012, CB

Der Wahlkampf ist omnipräsent in Chesterfield, Virginia

Jeder Bundesstaat stimmt für sich ab und entsendet sogenannte Wahlmänner, die dann über den Präsidenten entscheiden. 538 Wahlmännerstimmen gibt es, 270 werden zum Sieg benötigt. In vielen Bundesstaaten steht der Sieger schon vorher fest: Kalifornien wird für Obama stimmen, Texas für Romney. Doch in einigen Bundesstaaten ist das Rennen knapp, Virginia mit seinen 13 Wahlmännerstimmen gehört dazu. 2008 gewann Obama hier mit 53 zu 46 Prozent gegen John McCain. Doch jetzt steht es 49 zu 47 für Obama gegen Rommey, ein deutlich engeres Rennen.

Richmond, die Hauptstadt des Bundesstaates, liegt ungefähr zwei Autostunden südlich von Washington, DC. Auch hier hat der Präsident viele Anhänger, und das hat seinen Grund: 50 Prozent der Einwohner sind schwarz, 25 Prozent leben unter der Armutsgrenze. Als Obama knapp zwei Wochen vor der Wahl in den Byrd Park in der Innenstadt kommt, warten Tausende stundenlang auf ihn. Die Sonne sticht trotz der späten Jahreszeit, Dutzende werden ohnmächtig, die Sanitäter haben alle Hände voll zu tun.

Die 19-jährige Andrea Acuna ist aufgeregt, dass sie den Präsidenten sehen wird. Sie ist fest entschlossen, ihn zu wählen: "Er hat viele gute Pläne und wurde nicht mit dem silbernen Löffel im Mund geboren - er weiß, was die Mittelklasse durchmacht, deswegen sollte er Präsident sein."

Kampf um Stimmen der Frauen, Minderheiten, Schwarzen und jungen Wähler

Dass das Rennen um die Präsidentschaft so knapp ist, liegt unter anderem daran, dass Barack Obama seinen großen Vorsprung bei den Frauen eingebüßt hat und weiße Männer in Scharen zu Romney wechseln. Minderheiten und Afro-Amerikaner allerdings halten noch immer mehrheitlich zum Präsidenten. So wie der 51-jährige Rohrleger Richard. Der Afro-Amerikaner hat Obama vor vier Jahren seine Stimme gegeben und wird es wieder tun: "Es braucht eine Weile, bis er den Schlamassel, den er übernommen hat, wieder gerade gerückt hat."

Barack Obama und ex-Präsident Bill Clinton bei einer wahlkampfveranstaltung Concord, New Hampshire

Die "heisere" Phase, Obama und Clinton kämpfen um jede Stimme

Obama selbst ist schon ganz heiser, als er vor die Zuhörer tritt, die den ganzen Park bevölkern. Er fordert sie auf, weiter für ihn Wahlkampf zu betreiben, Telefonanrufe zu machen und vor allem: zur Wahl zu gehen. "Ich brauche Eure Stimme, ich bin gekommen, um Euch um Hilfe zu bitten, damit Amerika weiter vorwärts gehen kann", ruft er ihnen zu.

Weniger Obama-Anhänger als vor vier Jahren

Die sozialen Themen sind es dann auch, die dem Präsidenten hier in Richmond den meisten Beifall einbringen. Für Wählerinnen wie Liz Burton ist das Recht der Frauen auf Abtreibung und ärztliche Hilfe während der Schwangerschaft zentral. Sie ist Krankenschwester. Die überzeugte Demokratin erklärt, die republikanischen Männer würden mit ihren Ansichten zum Thema Abtreibung völlig daneben liegen.

Doch die Begeisterung in Virginia unter den Anhängern Obamas ist nicht die gleiche wie vor vier Jahren, erzählt Kimberly Gray. Damals sei das Wahlkampfbüro größer gewesen, mehr Freiwillige als jetzt hätten rund um die Uhr gearbeitet. Aber dennoch glaubt die Verwaltungsangestellte und Mutter von sieben Kindern, dass Obama Virginia gewinnt: Auch wenn sie weiß, dass die Wahlbeteiligung entscheidend sein wird.

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