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Kultur

Endlosaufgabe Hochwasserschutz

Aufräumen am Alpenrand, Bangen in der Donauregion: Wie schlimm wird das Hochwasser? Regine Günther, WWF-Expertin für Klimaschutz, sucht nach Ursachen. "Der Klimawandel ist schneller als die Politik", sagt sie.

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Schlimme Schäden in der Schweiz


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Ein Bahnarbeiter kontrolliert die unterspülten Gleise des Bahnhofes in Eschenlohe

Von Wassermassen eingeschlossene Ortschaften, Helfer, die mit letztem Einsatz Menschen in Sicherheit bringen - die Bilder aus Bayern, Österreich und der Schweiz gleichen denen der "Jahrhundertfluten" von 1999 an der Oder und 2002 an Elbe und Donau. Auch die Betroffenheitsgesten und die jeweiligen Versprechungen der angereisten Politiker ähneln einander. Doch nach Ansicht von Umweltexperten werden die überdeutlichen Warnsignale der Natur noch immer nicht ernst genug genommen.

Politiker in der Pflicht

Klimaforscher gehen davon aus, dass dies nur die Vorboten für weit stärkere Überschwemmungen sind, die in Zukunft durch den Klimawandel ausgelöst werden könnten. "Hochwasserschutz bleibt eine Endlosaufgabe, solange nicht an den Hochwasserursachen gearbeitet wird", meint Georg Rast von der Umweltstiftung WWF. Ein langer Atem über Legislaturperioden hinaus und eine den heutigen Erkenntnissen angepasste Finanzpolitik seien nötig. Leider glichen die in den jeweiligen Landeshaushalten dafür zur Verfügung gestellten Mittel immer nur den Hochwasserwellen - mit einem Jahr Verzögerung, beklagt der Umweltschützer. Angesichts der klimatischen Veränderungen müssten alle bestehenden Hochwasserschutzkonzepte auf den Prüfstand, verlangt Regine Günther vom WWF. Auf politischer Ebene müsse der Druck erhöht werden, um den Ausstoß an Klimagasen schneller zu verringern.

Was tun Bund und Länder?

Kanzler Schröder und Georg Milbradt, bei der Begutachtung der Hochwasserschäden

Kanzler und Ministerpräsident in Gummistiefeln

"Bund und Länder haben ihre Versprechen zur Jahrhundertflut von 2002, für einen ausreichenden Hochwasserschutz zu sorgen, bisher nicht umgesetzt", kritisiert der Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Gerhard Timm. In Sachsen-Anhalt plane man, den Ausbau der Elbe mit einem Saale-Elbe-Kanal voranzutreiben. Das alles passe nicht zum ökologischen Hochwasserschutz. Durch Flussbegradigungen, Deich- und Talsperrenbau stehe den deutschen Flüssen heute nur noch rund ein Fünftel ihrer früheren natürlichen Überschwemmungsflächen zur Verfügung. Timm beklagt, dass in Bayern zwischen Straubing und Vilshofen Staustufen an der Donau errichtet werden sollen.

Hochwasser in Garmisch-Partenkirchen

Sandsäcke schleppen

Ministerpräsident Edmund Stoiber sieht keinen Grund zur Aufregung. "Wir haben unsere Hausaufgaben im Hochwasserschutz mehr als gemacht", betont er. Seit dem Pfingsthochwasser 1999 habe der Freistaat mehr als 670 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert. Der Sprecher des bayerischen Umweltministeriums, Roland Eichhorn, verwies auf ein Aktionsprogramm mit massiv erweiterten Vorsorgemaßnahmen. Neben verbesserten Warnsystemen und dem Ausbau von Rückhaltebecken sowie weiteren Schutzmaßnahmen seien auch die natürlichen Flussräume erweitert worden. So seien Flüsse, Wildbäche und Auenwälder renaturiert worden. Eichhorn appellierte an Grundstücksbesitzer, schneller Land für Polder und Rückhaltebecken zur Verfügung zu stellen. In Deutschland wird täglich eine Fläche von etwa 150 Fußballfeldern versiegelt. Dort kann dann kein Wasser mehr versickern.

Wir kommen nicht drum herum

Extremwettersituationen wie die Hitzewelle mit Waldbränden in Portugal und der sintflutartigen Regen in Bayern sieht Mojib Latif, Klimaforscher am Institut für Meereskunde der Universität Kiel, als ein erstes Anzeichen dafür, dass die globale Erwärmung bereits auf das tägliche Wetter Einfluss hat. Verantwortlich für das Hochwasser, das weite Teil des deutschen Alpenvorlandes überflutet hatte, sei ein spezielles Wetterphänomen, die so genannte "5B-Wetterlage", erklärt Latif. Dabei sauge die Luft über dem Mittelmeer Feuchtigkeit auf und transportiere sie langsam im Osten um die Alpen herum. Durch die Klimaerwärmung verdampfe aber über dem Mittelmeer mehr Wasser, so dass die Luft auch entsprechend mehr Feuchtigkeit in den Norden bringe. Hängt die Wetterlage dann über den Alpen fest, regnet es ununterbrochen. Vor allem Polen, Tschechien sowie Ost- und Süddeutschland werden auch in Zukunft von diesen lang anhaltenden sintflutartigen Regenfällen nicht verschont bleiben. (arn)

Die Luftaufnahme vom Dienstag (23.05.2005) zeigt einen Bauernhof bei Krugzell (Kreis Oberallgäu), der vom Hochwasser der Iller umgeben ist

Die Luftaufnahme vom Dienstag (23.05.2005) zeigt einen Bauernhof bei Krugzell (Kreis Oberallgäu), der vom Hochwasser der Iller umgeben ist. Im Oberallgäu kam es nach dem starken Regen der vergangenen Tagen traten viele Fl¸sse ¸ber die Ufer. dpa/lby +++(c) dpa - Bildfunk+++

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