1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Amerika

Endlich wieder weiße Wäsche

Die Amerikaner haben die ersten Menschen auf den Mond gebracht, das Bügeleisen erfunden und das I-Phone. Dennoch verzweifeln wir Deutschen mitunter am hiesigen Stand der Technik. Bestes Beispiel: die Waschmaschine.

fern.schreiber-Grafik (Quelle: DW)

"Viele deutsche Hausfrauen verzweifeln hier, weil die Wäsche nicht mehr weiß wird!" Ich habe den mahnenden Hinweis noch genau im Ohr, mit dem mich mein Vorgänger vor drei Jahren schonend auf eine der Tücken des amerikanischen Alltags vorbereiten wollte. "Ach was", dachte ich damals, "wird schon nicht so schlimm sein. Wir sind da nicht so pingelig." Und so hatte ich auch kein Problem mit der Waschmaschine im Keller unseres Hauses, die hier Bestandteil des Mietvertrags ist.

Christina Bergmann (Foto: DW)

Christina Bergmann

Es war ein riesiges Ding, nagelneu und typisch amerikanisch. Das heißt: die Wäsche wird nicht in einer geschlossenen Trommel gedreht wie bei den deutschen Maschinen, sondern in der oben offenen Trommel quirlt eine Art Rührstab die schmutzigen Hemden um und um. Nur zum Schleudern setzt sich die Trommel selbst in Bewegung. Ein Waschgang dauert ungefähr 25 Minuten. Inklusive Spülen und Schleudern. Waschtemperaturen gibt es ganze zwei, sie entsprechen den Temperaturen der Wasserhähne, an die die Maschine angeschlossen ist: Kalt und warm. Kochwäsche? Geht nicht, es gibt keinen integrierten Heizstab.

Kollateralschäden

Die Vorteile der Maschine lagen auf der Hand: Der wöchentliche Wäscheberg war in Rekordzeit erledigt. Doch die Nachteile erwiesen sich bald als beträchtlich. Schokoladenflecken etwa wurden in weißen T-Shirts auf ewig konserviert. Doch viel schlimmer war, dass die Wäsche unter der brutalen Rührstabbehandlung litt. Laken bekamen Löcher, Pullover sahen sehr schnell aufgerubbelt und hässlich aus. Wir trugen es zunächst mit Fassung. Auch die erste Abflussverstopfung durch all die weggespülten Flusen nahmen wir noch gelassen. Nachdem der Klempner wieder für freien Ablauf gesorgt hatte, besorgten wir uns die Metallsiebe, die an Verhüterli erinnern und extra dafür gemacht sind, dass man eines über den Wasserabflussschlauch stülpt. Ist es durch die Flusen komplett undurchlässig geworden, wird es ausgetauscht.

Mit der Zeit stieg der Frust, vor allem über den Wäscheverschleiß. Wozu noch neue schicke Sache kaufen, wenn sie eh gleich wieder hin sind? Und wegen des Grauschleiers nur noch schwarze Unterwäsche tragen, wie es eine Freundin tut, schien auch nicht die Lösung. Den Ausschlag gab schließlich ein neues Waschmittel, von dem wir eine Großpackung gekauft hatten. Das sorgte dafür, dass die Wäsche nach dem Waschgang nicht nur optisch nicht viel sauberer war als vorher, sondern auch genauso roch. Denken Sie jetzt an die Socken eines fußballspielenden Teenagers.

Hoffen auf deutsche Technik

"So geht das nicht weiter", erklärte ich den mehrjährigen Testlauf der amerikanischen Waschmaschine für gescheitert. Aber was tun? Das gute deutsche Modell in die USA schaffen, schien die logische Konsequenz. Der Wäschetrockner im Keller (den wir eh kaum benutzen, aber das ist eine andere Geschichte) hängt an der einzigen 220 Volt Steckdose im Haus. Darüber, das hatten wir irgendwo gelesen, könne man auch eine deutsche Waschmaschine betreiben. Doch leider ist nicht nur die Voltzahl, sondern auch die Hertzzahl in den USA anders. Und es gibt einige wenige Waschmaschinenpumpen, die können einfach nicht mit den hiesigen 60 Hertz. Die unserer Maschine gehört dazu.

"Man könnte jetzt", überlegte meine bessere Hälfte, inzwischen zum Waschmaschinenexperten mutiert, "für die deutsche Maschine eine neue Pumpe bestellen, die mit 50 Hertz und 120 Volt funktioniert und die dann extra an eine normale Steckdose anschließen…" "Kommt nicht in Frage", beendete ich das technische Gedankenspiel. "Wir kaufen eine andere amerikanische Waschmaschine." Es gibt nämlich auch hier welche, die genauso mit Trommel und Heizstab funktionieren wie die in Deutschland. Sie sind nur nicht so verbreitet.

Unsere neue amerikanische Waschmaschine war dann letztlich gar nicht so teuer. Sie wäscht gründlich, dabei extrem wassersparend, wäscheschonend, von kalt bis kochend in vielen Temperaturen und hat sogar einen "Heißer-Dampf"-Waschgang. Als zusätzliches Bonbon ist sie ausgesprochen melodisch, wenn man die Programme wählt oder sie das Programmende anzeigt. Kurzum: Die Wäsche wird schonend sauber gewaschen. Und das deutsche Herz ist glücklich.

Autorin: Christina Bergmann

Redaktion: Martin Schrader