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Kultur

Endlich weiblich: die Trikots der National-Elfen

Früher mussten sich die Fußballerinnen in viel zu große Männertrikots werfen. Jetzt, spätestens zur WM 2011, ist Funktionären und Sponsoren eingefallen, dass sich eigene Trikots für die Spielerinnen gut machen würden...

Eine Barbiepuppe im Trikot der Deutschen Frauenfussball-Nationalmannschaft (Foto: Sebastian Willnow/dapd)

Mal zugegeben – Fußballspieler sehen doch erst richtig gut aus, wenn sie die Trikots tauschen, oder? Denn wirklich schön sind diese komischen Lappen, die aussehen als seien sie aus 80er Jahre Fallschirmseide nicht, egal ob blau-weiß gestreift oder orange oder schwarz-rot-gold. Und dann noch diese schlabberigen Shorts. Sie sehen doch eigentlich aus wie Schlafanzughosen. Damit nicht genug, müssen Fußballspieler Kniestrümpfe tragen. Weil sonst die Schienbeinschoner verrutschen. Insgesamt ist ein "korrekt" gekleideter Fußballspieler die Verneinung von Eleganz.

21 Miss-Germany Finalistinnen posieren im WM-Herrentrikot von 2006 (Foto: ap)

Auch Models machen nicht die beste Figur im Herren-Dress

Schlimmer geht es nur noch, wenn Frauen so etwas tragen müssen. Nun, so schrecklich es ist: Sie haben es tatsächlich getan. Etwas anderes blieb ihnen auch nicht übrig. Es gab früher keine Frauentrikots, die Damen mussten die gleichen Shirts wie die Männer tragen. Und die waren natürlich den meisten Frauen viel zu groß: die Ärmel zu lang, die Schultern zu breit. An die Riesentrikots erinnert sich Nationalspielerin Ariane Hingst noch gut. Sie begann 1996 in der Nationalmannschaft zu spielen. "Die Männertrikots waren für uns wirklich wie Kleidersäcke."

Ein neues Stück Stoff

Je populärer der Frauenfußball mit der Zeit wurde, umso kleiner wurden dann auch die Trikots – der Stoff hörte auf um die Damen herum zu flattern. Mehr war allerdings nicht drin. Auch nachdem die Frauennationalmannschaft so erfolgreich war und einen internationalen Titel nach dem anderen holte, wurde die Kleiderfrage eher stiefmütterlich behandelt. Bis die Sportartikel-Hersteller das Mauerblümchen-Dasein weiblicher Fußballkleidung beenden wollten. Dann ging es tatsächlich los. Ganze Kollektionen weiblicher Fußballmode wurden entworfen, vom Trikot über Trainingsanzüge bis hin zu den Fußballschuhen, die das exakte Pendant zu den Männerschuhen sind. Markus Baumann, Fußball-Chef beim Sportartikelhersteller "adidas", möchte damit der positiven Entwicklung der letzten Jahre im Frauenfußball gerecht werden.

Das neue Frauen-National-Trikot, die Heimversion in weiß, auf den Schultern schwarze Streifen, rot-goldener Kragen (Foto: adidas)

Detail im Kragen: Der Schriftzug "Blüh im Glanze dieses Glückes"

Wie auch bei den Männern, hat der DFB-Ausrüster für die Weltmeisterschaft 2011 ein Trikot für die Nationalmannschaft entwerfen lassen. Im März dieses Jahres bereits wurde es der Weltöffentlichkeit vorgeführt – und alle machten einen äußerst zufriedenen Eindruck. Kein Wunder, denn dieses Trikot ist zum ersten Mal von Frauen für Frauen entworfen worden, in Abstimmung mit den DFB-Spielerinnen. Besonders der Stoff hat es den Damen angetan. Er enthält Elastan und ist damit "ein bisschen weicher und fließender", beschreibt die Designerin Annette Kres ihr Werk. Außerdem sei der Stoff mit Hitze bearbeitet worden und dadurch "ein bisschen 'shiny' oder matt glänzend".

Für Teammanagerin Doris Fitschen haben die Designer gute Arbeit geleistet: "Es ist funktional und sieht top aus." Man müsse sich schließlich auch drin wohlfühlen, das sei wichtig, gerade wenn man auf dem Platz steht und von Millionen Fernsehzuschauern gesehen werde.

Sex sells?

Mittelstürmerin Ariane Hingst im neuen Trikot (Foto: Adidas)

Ariane Hingst im neuen Trikot

Angenehmes Gefühl, feminines Design - so mancher will sich vielleicht insgeheim fragen, wo denn der "sexy" Charakter des Trikots bleibt. So wie FIFA-Präsident Sepp Blatter, der vor Jahren mal angeregt hat, dass weibliche Fußballkleidung ruhig etwas körperbetonter sein könne. Das hat ihm ordentlich Schelte eingebracht. Sexy Sportkleidung? Das war beim Designerteam um Annette Kres nicht das Thema: "Wir wollten jetzt nicht irgendwie einen Rock und was Knallenges haben. Es sollte schon noch zum Bild des Fußballs passen."

Insgesamt verspricht sich der Sportartikelhersteller "adidas" für die WM einen hohen Umsatz an weiblicher Fußballbekleidung. Genaue Zahlen nennt man da nicht – schließlich wisse man, dass mit einer Frauen WM nicht so viel verdient werden kann wie bei einer Männer-WM. Aber "adidas"-Fußball-Chef Markus Baumann prophezeite schon im März, dass man mehr Frauen-Trikots verkaufen werde als jemals zuvor. Und um ganz sicher zu gehen, gibt es das Damen-Trikot zur WM auch als Männer-Variante: groß und schlabberig.

Autorin: Silke Wünsch
Redaktion: Petra Lambeck

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