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Deutschland

Endgültiges Aus für Versandhaus Quelle

Mehr als 10.000 Mitarbeitern des Fürther Traditionsunternehmens Quelle droht die Arbeitslosigkeit. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg konnte keinen Käufer für das Versandhaus finden.

Beleuchtetes Quelle-Logo am Versandzentrum Leipzig (Foto: AP)

Die Lichter für Quelle gehen bald aus

Immer weniger Kunden und keine Bank, die die Finanzierung des Versandgeschäftes übernimmt - das sind die Gründe, die Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg nannte, weshalb er keinen Käufer für Quelle gefunden habe. "Nach intensiven Verhandlungen mit einer Vielzahl von Investoren sehen Insolvenzverwalter wie Gläubigerausschuss jetzt keine Alternative zur Abwicklung von Quelle Deutschland mehr", teilte Görg mit. Von den einst 10.500 Arbeitsplätzen bei Quelle werden nur wenige aus diversen Spezialversandgeschäften wie "Baby Walz" (Kinderkleidung) und "Hess natur" (Öko-Kleidung) erhalten bleiben.

Erste Interessenten für die Sahnestückchen

Kuchenstück mit Sahne (Foto: BilderBox)

"Baby Walz" und "Hess natur" gelten als Sahnestückchen von Quelle

Görg hatte sich noch in der vergangenen Woche zuversichtlich gezeigt, Quelle im Paket mit den profitablen Spezialversendern zu verkaufen. Diese Pläne sind gescheitert. Jetzt wird das Unternehmen offenbar doch zerschlagen werden. Der weltgrößte Versandhändler Otto hat schon Interesse an den noch profitablen Teilen des Konkurrenten angemeldet. Vor allem die Spezialversender und das Osteuropageschäft von Quelle sollen in Gesprächen mit dem Insolvenzverwalter näher untersucht werden, wie Otto-Sprecher Thomas Voigt am Dienstag (20.10.2009) mitteilte. Außerdem wolle man einen Teil der Auszubildenden von Quelle übernehmen.

Kritik von allen Seiten

Verdi-Gerwerkschafter u.a. Vize-Chefin Margret Mönig-Raane (Foto: AP)

Die Gewerkschaft Verdi will sich für die entlassenen Quelle-Mitarbeiter einsetzen

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sieht "parteitaktisches Kalkül" und Managementfehler als Gründe für das Aus von Quelle. Die Vizechefin der Gewerkschaft, Margret Mönig-Raane, bezeichnete das Scheitern des Traditionsunternehmens als "tragischen Schlusspunkt einer Reihe unternehmerischer und politischer Fehlentscheidungen". Diese hätten zu Verzögerungen beim benötigten Massekredit in Höhe von 50 Millionen Euro geführt. Im Sommer hatten Bund und die Länder Sachsen und Bayern diesen Kredit bewilligt, damit die Herstellung des Winterkataloges gesichert werden konnte. Außerdem hätten die Banken mit harten Verhandlungspositionen zum Ruin beigetragen, so Mönig-Raane.

Experten und Politiker sehen in dem Handelskonzern Arcandor, der aus der Fusion der Karstadt-Warenhäuser und Quelle vor zehn Jahren entstanden war, den Schuldigen. Arcandor habe Quelle ausbluten lassen. Auf die Kritik der SPD, die Politik habe Rettungsmaßnahmen wie Kreditbewilligungen verzögert, sagte CSU-Wirtschaftsexperte Hans Michelbach: "Die bedauerliche Entwicklung ist eine unternehmerische Fehlleistung, keine Fehlleistung der Politik."

Angst auch bei Post und DHL

DHL-Fahrer vor seinem Wagen (Foto: AP)

Bis zu 300 Stellen könnten bei DHL wegfallen

Das Aus für das Versandhaus Quelle wird auch bei der Post-Tochter DHL zu weiteren Stellenstreichungen führen. Es sei davon auszugehen, dass etwa 200 bis 300 Stellen in der DHL-Lagerhaltung direkt betroffen seien, sagte ein Post-Sprecher. Genaue Zahlen zu nennen, sei noch nicht möglich. Durch die Insolvenz von Arcandor sind schon vorher rund 500 Stellen bei der Post gestrichen worden. Mit DHL ist die Post größter Logistikpartner von Arcandor und wickelte einen Großteil der Lagerhaltung und des Warentransports für Karstadt und Quelle ab.

Autorin: Sabine Faber (dpa, afp, rtr, ap)

Redaktion: Thomas Grimmer

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