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Wirtschaft

Endgültiges Aus für Drogeriekette Schlecker

Der Versuch, die insolvente Drogeriekette Schlecker zu retten, ist endgültig gescheitert. Die noch rund 3200 Filialen werden geschlossen, weitere 13.200 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit.

File photo of a woman walking past a former shop of the drug store chain Schlecker in Berlin, January 27, 2012. Germany's biggest drug store chain Schlecker announced on February 29, 2012 to close more than half of its 6000 shops in Germany. The red signs read: To let. REUTERS/Thomas Peter (GERMANY - Tags: BUSINESS EMPLOYMENT)

Schlecker Insolvenz

Bis zum Ende der Frist am Freitag (01.06.2012) lagen keine unterschriftsreifen Angebote möglicher Investoren vor. Die Gläubiger, die am Freitag in Berlin zusammenkamen, senkten deshalb den Daumen: Die insolventen Drogeriekette wird geschlossen.

Ursprünglich hatte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz bis zum vergangenen Freitag eine Lösung präsentieren wollen. Weil auch damals schon keine "belastbaren Angebote" von Investoren eingegangen waren, hatten die Gläubiger die Frist bis zu diesem Freitag verlängert. Nach Prüfung der Sachlage habe er "keine Perspektive für die wirtschaftlich vertretbare Fortführung von Schlecker oder die Veräußerung des Gesamtkonzerns an einen Investoreren" mehr gesehen, teilte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz mit.

13.200 Menschen verlieren ihre Arbeit

Die Abwicklung von Schlecker beginnt nach Auskunft des Insolvenzverwalters noch in diesem Monat, bis Ende Juni werden die verbliebenen Mitarbeiter ihre Kündigung erhalten. Betroffen sind 13.200 Beschäftigte, die meisten davon sind Frauen. Auch ihr Angebot, auf insgesamt rund zehn Prozent ihres Lohns zu verzichten, konnte das Aus von Schlecker nicht abwenden. "Die Schlecker-Frauen haben bewiesen, dass sie bereit sind, größte persönliche Einbußen hinzunehmen, um ihre Arbeitsplätze zu retten", hatte Stefanie Nutzenberger, Vorstandsmitglied der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, noch am Mittwoch gesagt.

Arndt Geiwitz hatte zuvor einen Lohnverzicht von 15 Prozent gefordert. Zudem hatte er deutlich gemacht, er dürfe als Insolvenzverwalter nicht unbegrenzt für Verluste einstehen, die Schlecker mit seinen verbliebenen 3200 Filialen noch immer schreibt. Für das laufende Jahr erwartet Geiwitz bei Schlecker 25 Millionen Euro Verlust, 2011 seien es noch 200 Millionen Euro gewesen.

Von der Marktführerschaft zur Pleite

Anton Schlecker (2. v.l.) mit seiner Familie (Foto: Schlecker/dapd)

Anton Schlecker (2. v.l.) mit seiner Familie

Die Drogeriekette Schlecker wurde 1975 von Anton Schlecker im süddeutschen Ehingen gegründet. Später expandierte das Unternehmen auch im Ausland und war 2008 mit rund 14.000 Filialen, 50.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von mehr als sieben Milliarden Euro die größte Drogeriemarktkette Europas. Anfang 2010 kündigte das Unternehmen an, wegen "geschäftlicher Probleme" 500 Filialen schließen zu müssen. Im Januar 2012 schließlich musste Schlecker Insolvenz anmelden.

Im Rahmen der Sanierung schloss Insolvenzverwalter Geiwitz Ende März rund 2000 Filialen in Deutschland und entließ mehr als 10.000 Beschäftigte. Fast die Hälfte der Entlassenen hat gegen die Kündigungen Klage eingereicht.

Diese Kündigungsschutzklagen hatten die Suche nach einem Käufer für das gesamte Unternehmen erschwert, heißt es aus dem Umfeld der Insolvenzverwaltung. Nachdem verschiedene Interessenten abgesprungen waren, verhandelte Insolvenzverwalter Geiwitz zuletzt noch mit zwei potentiellen Investoren. Deren Namen wollte Geiwitz zwar nicht nennen, doch es gilt als sicher, dass es sich dabei um den US-deutschen Milliardär Nicolas Berggruen und die New Yorker Investmentgesellschaft Cerberus Capital Management handelt. Die Nicolas Berggruen Holdings, die 2010 auch die insolvente deutsche Warenhauskette Karstadt übernommen hatte, bestätigte den Kontakt zum Schlecker-Involvenzverwalter.

Keine Einigung mit Investoren

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz (Foto: Mario Vedder/dapd)

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz

Bis zum Schluss konnten sich Gläubiger und Investoren offenbar nicht auf ein Angebot einigen. Die Voraussetzung sei ein belastbares Konzept, es gehe aber auch um Summen, hatte ein Sprecher des weltgrößten Kreditversicherers Euler Hermes noch am Mittwoch gesagt. Das zum Allianz-Konzern gehörende Unternehmen hat Warenlieferungen an Schlecker in Höhe von 300 Millionen Euro abgesichert und gilt als größter Gläubiger der Drogeriekette.

Nach Informationen der Zeitschrift "manager-magazin" und der "Stuttgarter Zeitung" soll Nicolas Berggruen für den gesamten Schlecker-Konzern zwischen 100 und 150 Millionen Euro geboten haben, inklusive Immobilien und Warenbestand. Euler Hermes hätte unter diesen Bedingungen auf einen Großteil seiner Forderungen verzichten müssen.

Keine Hilfe durch die Politik

Im Ausland liefen die Verhandlungen mit Investoren besser. In Frankreich übernimmt der Lebensmittelhändler Système U die Tochterfirma Schlecker SNC mit 139 Filialen und 750 Mitarbeitern, teilte die Insolvenzverwaltung am Mittwoch mit. Zuvor war schon das Filialnetz in Tschechien verkauft worden.

Um dem Insolvenzverwalter mehr Zeit bei der Investorensuche zu verschaffen, hatte die Gewerkschaft Verdi zuletzt Hilfe von der Politik gefordert. Die Bundesanstalt für Arbeit solle zwei Monate lang das Gehalt der Mitarbeiter zahlen, so ihr Vorschlag. Das Nein aus Berlin kam prompt, zwar nicht direkt von einem hochrangigen Politiker, aber immerhin von einem Bundestagsabgeordneten der Partei FDP, die auch den Wirtschaftsminister stellt.

Es gebe keinen Anspruch auf Sondervorteile, sagte Lars Lindemann. "Schlecker ist keine Schlüsselindustrie in Deutschland und hat keine strategische Bedeutung, dass damit ein Industriezweig untergeht." Am Widerstand der FDP war Ende März schon der Versuch der Bundesländer gescheitert, eine Bürgschaft für Schlecker zu übernehmen.

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