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Politik

Ende eines Schokoladen-Traums

Die Immobilienpreise erreichen in Moskau traumhafte Höhen. Die Nachfrage ist riesig. Paradiesische Zeiten für Wohnungsmakler. Doch die ersten klagen schon und durchforsten die Russische Hauptstadt nach neuen Locations.

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Roter Oktober heißt die Schokoladenfabrik mitten in Moskau. Der Name erinnert an die Revolution von 1917. Damals übernahmen die kommunistischen Bolschewiki die Macht im zaristischen Russland. Heute, 90 Jahre später, knabbern die kapitalistischen Heuschrecken an diesem altehrwürdigen Bau. Seine knallroten Ziegel leuchten verführerisch quer über den Fluss Moskwa bis zum Kreml, die Zinndächer blinken silbern herüber.

Die bizarre Schönheit gepaart mit der zentralen Lage, wird der Traditionsfirma zum Verhängnis. Denn Architekten und Städtebauer haben für den Roten Oktober hochtrabende Pläne entwickelt. Die Backsteinbauten sollen zum großen Teil abgerissen und zum Luxus-Wohnquartier umgemodelt werden. Lofts mit Kreml-Blick, Appartements mit Panorama-Fenstern, überdachte Innenhöfe, Historien-Kitsch. All das soll auf der Jakimanka-Insel Wirklichkeit werden. Es ist das Todesurteil für die denkmalgeschützten roten Mauern mit historischer Patina.

Nachdem der Moskauer Wohnungsmarkt von Maklern abgegrast wurde, kommen die Industriebauten dran. Ohne Rücksicht auf Verluste werden selbst denkmalgeschützte Ensembles platt gemacht - Hauptsache der Gewinn stimmt. Beim Roten Oktober wird er sicherlich satt ausfallen. Am gegenüberliegenden Ufer der Moskwa zahlt der Käufer mindestens 8000 Dollar pro Quadratmeter. In der umgebauten Luxus-Schokofabrik wird es mit ziemlicher Sicherheit ein Vielfaches davon sein. Süße Aussichten für die Makler, bittere Zeiten für Moskaus historische Bauten.