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Musik

Ende eines ambitionierten Förderprojektes?

Seit 1999 unterstützt die Yehudi-Menuhin-Stiftung Musik- und Kunstprogramme an Schulen in ganz Deutschland; jetzt mussten alle Aktivitäten wegen Insolvenz eingestellt werden.

Stiftungsgründer Yehudin Menuhin gemeinsam mit einigen Kindern, die am MUS-E Programm teilnehmen. (Foto: Yehudi-Menuhin-Stiftung 2009)

Yehudi Menuhin mit Kindern eines MUS-E-Projektes

"Unsere Schüler waren schon sehr enttäuscht, weil wir gerade ein neues Projekt begonnen hatten", sagt Jan Wais, Klassenlehrer an der Finkenberg-Schule in Köln. "Sie fragen oft, 'warum kommt der Max Höfler nicht mehr, uns hat das mit ihm so viel Spaß gemacht'. Und es ist schon ein großer Unterschied, wenn ein Lehrer ein solches Kunstprojekt sozusagen 'fachfremd' weitermacht, das hat eine andere Relevanz." Auch der Leiter der sonderpädagogischen Schule, Klaus Edwards, bedauert das plötzliche Aus der Zusammenarbeit mit der Yehudi-Menuhin-Stiftung: "Es fehlt ein riesiges Moment und wir sind nicht in der Lage, das zu hundert Prozent aufzufangen."

Förderung an sozialen Brennpunkten

Rektor Klaus Edwards und Lehrer Jan Wais vor der Finkenberg-Schule in Köln (Foto: Klaus Gehrke DW)

Klaus Edwards und Jan Wais vor der Kölner Finkenberg-Schule

Dem Stargeiger Yehudi Menuhin (1916 - 1999) lag die musikalisch-künstlerische Jugendförderung zeitlebens besonders am Herzen, getreu dem Motto "Von einer Musikschule kommen gewöhnlich keine Kriminellen". Zu diesem Zweck rief er 1991 die internationale Yehudi-Menuhin-Stiftung ins Leben, die ihren Sitz in Brüssel hat; kurz vor seinem Tode wurde in Düsseldorf die Yehudi-Menuhin-Stiftung Deutschland gegründet. Deren Hauptaufgabe ist die Förderung von jugendlicher Kreativität in sozialen Brennpunkten - sowohl in Deutschland als auch europaweit. Das wichtigste und erfolgreichste Projekt ist "MUS-E": Hierbei betreuen über 500 Künstler vier Jahre lang Grundschulkinder während des regulären Schulunterrichts und vermitteln ihnen einen besonderen Zugang zu Musik, Theater oder bildender Kunst. Gleichzeitig erfahren die Kinder, wie bereichernd kulturelle Vielfalt für jede Gemeinschaft sein kann.

In Zeiten knapper öffentlicher Kassen und angesichts häufiger Reduzierung des Musik- und Kunstunterrichtes erfreuten die "MUS-E"-Projekte der Stiftung sich in den vergangenen Jahren großer Beliebtheit: Allein in Deutschland waren 645 Schulklassen mit rund 16.000 Schülern daran beteiligt. Finanziert wurde die Stiftung von Bund und den Bundesländern sowie mit Geldern der EU. Das Aus kam jetzt durch den Stopp von Fördermitteln, nachdem die Bezirksregierung Düsseldorf Ausgaben der Stiftung für nicht nachprüfbar erklärt hatte.

Das sonderpädagogische Zentrum Finkenbergschule Köln-Westhoven (Foto: Klaus Gehrke, DW)

Die Finkenberg-Schule in Köln

Einschnitt für musikalische Jugendförderung?

Zwar stellt mit der Insolvenz der Yehudi-Menuhin-Stiftung eine besonders prominente deutsche Stiftung ihre Arbeit ein; denn ihr Namensgeber hatte sich als außergewöhnlicher Interpret ein weltweites Renommee erspielt. Dennoch engagieren sich nach wie vor viele private und öffentliche Stiftungen für die nachhaltige Unterstützung von musikalischen und künstlerischen Projekten an Schulen.

Auch im Hinblick auf die staatliche Kulturförderung ist die Bundesrepublik besser aufgestellt als etwa die USA, die dafür in diesem Jahr nur rund 166 Millionen Dollar ausgeben; der deutsche Etat dagegen liegt bei 1,15 Milliarden Euro. Dennoch gibt es immer auch lehrreiche Beispiele aus anderen Ländern: Das sehr erfolgreiche Musikschulnetz 'El Sistema' des venezolanischen Politikers José Antonio Abreu beispielsweise war Vorbild für die Initiative 'Jedem Kind ein Instrument' der Kulturstiftung des Bundes, die sich mittlerweile nicht nur in Nordrhein-Westfalen wachsender Beliebtheit erfreut.

Musik gegen Aggression

Kinder trommeln im Unterricht, die am MUS-E Programm in einer deutschen Grundschule teilnehmen. (Foto: Yehudi-Menuhin-Stiftung 2009)

Gemeinsam trommeln gegen Aggression: Kinder bei einem MUS-E Projekt

Sowohl dieses Projekt als auch andere Initiativen, die durch gezielte Musik- und Kunstangebote Jugendliche in sozialen Brennpunkten ansprechen und deren Kreativität fördern, schaffen nachweislich eine Basis für mehr Toleranz und Verständnis. Diskriminierung und Gewaltbereitschaft, so Werner Schmitt vom Vorstand der Yehudi-Menuhin-Stiftung, würden deutlich reduziert. Das Aus der Stiftung in Deutschland ist für ihn schmerzlich; dennoch geht die Arbeit auf internationaler Ebene weiter - etwa im Kosovo, wo ein neues "MUS-E"-Projekt gestartet wurde. Darüber hinaus hofft Schmitt, der ein enger Freund Yehudi Menuhins war und die Stiftung von Anfang an begleitete, "MUS-E" irgendwann wieder auch in Deutschland anbieten zu können: "Es ist das einzige europäisch vernetzte Projekt, das es im Bereich Musik, Kunst und Bildung gibt."

Autor: Klaus Gehrke

Redaktion: Rick Fulker