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Sport

Ende eines Albtraums

In London jubelten die Ruderer des deutschen Doppelvierers unbändig über Olympia-Gold. Bei der WM ein Jahr zuvor hatten sie noch vor Enttäuschung geweint.

Ruderer des deutschen Doppelvierers jubeln bei der Siegerehrung. Foto: Getty Images

Ruderer des deutschen Doppelvierers jubeln bei der Siegerehrung

Es ist der Albtraum jedes Ruderers: sich einen Krebs zu fangen. Taucht das Ruderblatt im falschen Winkel ins Wasser, wird es tief abgelenkt. Das Ruder bleibt hängen. Im schlimmsten Fall kentert das Boot oder der Ruderer wird aus dem Sitz geschleudert. Genau dieses Missgeschick unterlief Lauritz Schoof im Rennen des deutschen Doppelvierers bei der WM 2011 in Bled in Slowenien wenige Meter vor dem Ziel – in Führung liegend, Gold vor Augen. Das Boot schlingerte, Australien zog noch vorbei. Nur Silber. Die vier Deutschen vergossen Tränen der Wut und Enttäuschung. "Gold hätte die Krönung sein können. Aber mit dem Frust kann uns die Steigerung 2012 gelingen", sagte Schlagmann Tim Grohmann damals. Er sollte Recht behalten.

Von der Schwimmbahn ins Boot

Grohmann, 1988 in Dresden geboren, begann im Kindesalter seine Sportkarriere als Schwimmer, wechselte dann aber mit 12 Jahren auf Empfehlung seines Trainers zu den Ruderern. 2006 wurde der heutige Sportsoldat im Doppelvierer Juniorenweltmeister. Damals saß bereits Karl Schulze mit im Boot, derselbe Jahrgang wie Grohmann, ebenfalls aus Dresden. Der Bundespolizist feierte auch als Einer-Ruderer Erfolge. 2010 gewann Schulze bei der Europameisterschaft Bronze und bei der WM der Ruderer unter 23 Jahren Gold. Philipp Wende war ein Ruder-Spätzünder. 1985 in Wurzen nahe Leipzig geboren, versuchte er sich wie Schlagmann Grohmann zunächst als Schwimmer. Erst mit 14 Jahren entschied sich Wende für eine Karriere im Boot. Ende 2008 wechselte der Sportsoldat zum Ruder-Stützpunkt Dresden.

Deutscher Doppelvierer. Foto: Getty Images

Seit 2011 sitzen Grohmann, Schoof, Wende und Schulze gemeinsam im Doppelvierer.

Karrierebeginn auf dem Ergometer

Der mit 21 Jahren jüngste und gleichzeitig einzige Ruderer des Doppelvierers, der nicht aus Ostdeutschland kommt, ist Lauritz Schoof. Der Physik-Student aus Rendsburg in Schleswig-Holstein fiel 2006 bei einem Schul-Wettkampf auf dem Ergometer auf, als er bessere Werte erreichte als einige teilnehmende Schüler aus Rudervereinen. Ein Landestrainer lotste ihn daraufhin zu den Ruderern. 2008 wurde Schoof Juniorenweltmeister im Doppelzweier. Seit 2010 gehört er zur Stammbesatzung des Doppelvierers. Alles lief glatt – bis zu seinem "Krebsfang" im WM-Finale 2011: "Ich dachte nur: So eine Scheiße - das kann jetzt echt nicht wahr sein!" Seinen Albtraum kann Schoof nach dem olympischen Gold-Coup von London endgültig abhaken.