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Kultur

Ende einer wundersamen Reise?

Die Südkoreaner sind sich sicher: "Wir sind beim Endspiel dabei." Die nationalen Fluggesellschaften streiten sich bereits, wer die Spieler zum Finale fliegen darf. Reisebüros sind überfüllt: Alle wollen nach Yokohama.

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Die südkoreanischen Fans sind optimistisch und freuen sich schon jetzt auf den WM-Sieg

Der Nationalheld Bum-Kun Cha spricht davon, dass jetzt das "Wunder" in Erfüllung gehen und Südkorea um den Goldpokal des Weltmeisters kämpfen werde. Und die Staatsregierung hat eiligst den nächsten Montag, den Tag nach dem Endspiel (!), zum landesweiten Feiertag ausgerufen.

Kein mangelndes Selbstbewusstsein

Auch Südkoreas Fußball-Nationalmannschaft glaubt offenbar fest daran, dass nichts und niemand auf der Welt sie noch aufhalten kann. Das WM-Halbfinale gegen Deutschland am Dienstag (24. Juni 2002) in Seoul ist nur der letzte Zwischenstopp vor der Endstation Sehsucht. "Wir sind alle fest entschlossen, eine weitere Sensation zu vollbringen", sagt Team-Kapitän Hong Myung-Bo.

"Alle erwarten nun etwas, an das zuvor weder die Südkoreaner selbst noch die Experten geglaubt haben", sagt Nationaltrainer Guus Hiddink über die Erwartungshaltung der 48 Millionen Einwohner des Landes. Am Dienstag werden sieben Millionen Menschen vor 400 Großbildschirmen landesweit stehen. Die Polizei in Seoul geht davon aus, dass sich allein eine Million Fans unmittelbar vor dem World Cup Stadium im Stadtteil Sangamdong versammeln wird. Im Stadion selbst, so kündigt der Fan-Klub "Red Devils" an, werde die deutschen Spieler der "Schock ihres Lebens" erwarten.

Die großen Deutschen müssen gestopt werden

Der Trance-Zustand einer ganzen Nation wird aber mittlerweile von Zweifeln begleitet. Der TV-Sender MBC, für den auch Bum-Kun Cha als Kommentator arbeitet, wies am Sonntag (23. Juni 2002) in einer Sondersendung die Nation mit Nachdruck darauf hin, dass Deutschland ein gefährlicher Gegner sei: Mehrfach flimmerten Bilder köpfender deutscher Spieler über die Mattscheibe, und wie zum Beweis, dass es auch per Fuß geht, wurde auch Oliver Neuvilles Treffer gegen Paraguay gleich mehrfach als Warnung vorgeführt.

Das ist Wasser auf die Mühlen von Trainer Hiddink. "Sie sind nicht so erpicht darauf, sehr, sehr schön zu spielen. Aber sie sind sehr gefährlich bei Standardsituationen. Sie sind körperlich stark, und sie spielen effektiv", verkündet der Niederländer über die Deutschen. Kim Ho, Ex-Nationalspieler und 1994 Mannschaftskapitän der Südkoreaner unter anderem im WM-Spiel gegen Deutschland (2:3), sieht buchstäblich große Probleme auf die Abwehr zukommen. "Wir müssen uns darauf konzentrieren, ihre großen Stürmer zu stoppen."

Außerdem - die Helden sind müde. "Wir haben einen Tag weniger Pause gehabt als die Deutschen - das macht die Sache nicht einfacher", sagt Hiddink. Ahn Jung-Hwan, der das "Golden Goal" gegen Italien erzielte, und Kim-Nam-Il, der "Staubsauger" im Mittelfeld, laborieren an Knöchelverletzungen. "Ich bin nicht sicher, ob es bis Dienstag reicht", sagt der Trainer.

Sind die Dauerläufer doch menschlich?

Südkorea ist bei der WM hinter vorgehaltener Hand schon verdächtigt worden, der Ausdauer ein wenig nachzuhelfen. Sei es mit verbotenen Stoffen oder irgendeinem Ginseng wundersamer Züchtung. Blödsinn, sagt Hiddink, der in seiner 18-monatigen Dienstzeit viel Wert auf körperlichen Drill gelegt hat. "Meine Spieler sind nicht frisch", sagt der 55-Jährige angesichts der 116 Minuten gegen Italien und den 120 Minuten gegen Spanien: "Ich hoffe, sie erholen sich alle rechtzeitig." Sid/(fro)

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