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Deutschland

Ende einer Ära

Für den weltweit bekanntesten deutschen Politiker markiert der 22. September eine Zäsur. Nach 26 Jahren im Parlament stellt sich der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl nicht mehr zur Wahl. Ein Porträt von Bettina Marx.

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Kein leichter Abschied: Helmut Kohl verlässt den Bundestag

27. September 1998. Die ersten Hochrechnungen haben sich bestätigt, der SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder hat die Bundestagwahl gewonnen und den langjährigen Kanzler Helmut Kohl entthront.

Doch diese bittere Niederlage, mit der Helmut Kohls beispiellose Karriere an der Spitze der Bundesrepublik Deutschland ein jähes Ende nahm, sollte nicht die dunkelste Stunde im politischen Leben des Helmut Kohl bleiben. Nur ein knappes Jahr später stand er erneut im Rampenlicht, diesmal als Beschuldigter in einer Affäre um Spenden, Bestechlichkeit und Korruption.

Vorwurf: Korruption

Man warf ihm vor, illegale Parteispenden angenommen zu haben, die sein Regierungshandeln beeinflusst hätten. Erregt griff Kohl im Deutschen Bundestag das Mikrofon und verteidigte sich: "Was jetzt in diesem Zusammenhang konstruiert wird, dass über Schmiergelder von irgend jemandem, von dem ich nichts weiß, eine politische Entscheidung, die ich oder die von mir geführte Bundesregierung getroffen habe, beeinflusst wurde, die ist eine der übelsten Denunziationen, die ich in vielen Jahren erlebt habe."

Nur wenige Tage nach diesem emotionalen Auftritt im Bundestag gestand Kohl vor dem Präsidium seiner Partei ein, dass es unter seiner Führung heimliche Konten gegeben und er illegale Parteispenden angenommen habe. Die Namen der Spender wollte er jedoch nicht nennen. Dem vom Bundestag eingesetzten Untersuchungsausschuss warf Kohl vor, er wolle ihn und sein Lebenswerk diskreditieren. "Das Ziel ist, den Leuten vor der Bundestagswahl zu sagen: diese Ära Kohl, die gab´s gar nicht 16 Jahre lang."

Nachfolger von Helmut Schmidt

Diese Ära hatte am 1. Oktober 1982 mit Kohls erster Vereidigung als christdemokratischer Bundeskanzler und Nachfolger von Helmut Schmidt begonnen. Gemeinsam mit dem damaligen FDP-Chef Hans-Dietrich Genscher hatte Kohl ein Misstrauensvotum gegen Schmidt durchgesetzt. Ein halbes Jahr später ließ sich die neue schwarz-gelbe Regierung in Neuwahlen bestätigen. Man wolle, so Kohl damals, die geistig-moralische Wende in Politik und Gesellschaft.

Die Enttäuschung über diese Wende zeigte sich bei der Bundestagswahl von 1987, als die Union schwere Stimmeneinbußen hinnehmen musste. In die Flaute der zweiten schwarz-gelben Koalition hinein kam der Fall der Mauer. In Scharen kehrten die Ostdeutschen der DDR den Rücken und machten ihrem Unmut in friedlichen Demonstrationen Luft. Kohl hatte die Zeichen früh erkannt und setzte auf die Wiedervereinigung."Es geht um unsere gemeinsame Zukunft, es geht um die Freiheit für uns alle und vor allem für unsere Landsleute drüben in der DDR in allen Bereichen ihres Lebens."

Wiederwahl nach Wiedervereinigung

Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl im Dezember 1990 wurde die schwarz-gelbe Koalition im Amt bestätigt und Kohl nahm für sich den Titel "Kanzler der Einheit" in Anspruch. Im Oktober 1994 dagegen siegte die Koalition nur knapp. Helmut Kohl trat seine vierte und letzte Amtszeit als Bundeskanzler an. Und als er wiederum vier Jahre später abgewählt wurde, da hatte er es immerhin geschafft, als dienstältester Kanzler in die Geschichte der Bundesrepublik einzugehen. Am 31. Oktober 1996 nämlich hatte er sein Vorbild Konrad Adenauer mit 5.145 Amtstagen überholt.

Obwohl die nun folgende Spendenaffäre einen dunklen Schatten auf Kohls lange Amtszeit und seine letzten vier Jahre als Abgeordneter im Parlament warf, blieben seine Verdienste in den Augen vieler unbestritten. So würdigte ihn Bundespräsident Johannes Rau anlässlich des Jahrestages der Deutschen Einheit: "Die Verdienste von Helmut Kohl um die staatliche Einigung der Deutschen können durch nichts geschmälert werden."