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Wirtschaft

Ende des Home Office?

Die Empörung ist groß: Yahoo holt ab Juni alle Mitarbeiter, die bislang von zu Hause aus arbeiten, zurück in die Firmenzentrale. Ein Vorbild auch für deutsche Unternehmen?

Mit dem Tablet-Computer auf dem Schoß am Strand der kalifornischen Küste, das Smartphone stets griffbereit - so könnte der Arbeitsalltag einiger Angestellter der IT-Unternehmen im Silicon Valley aussehen. Doch damit soll nun Schluss sein. Zumindest beim Computerriesen Yahoo.

Marissa Mayer, seit dem vergangenen Sommer Chefin von Yahoo, führt in ihrem Unternehmen eine Präsenzpflicht ein. Per Rundmail fordert der Konzern alle Mitarbeiter im Home Office auf, bis Juni an ihre Büroarbeitsplätze zurückzukehren.

Marissa Mayer, CEO von Yahoo (Foto: Reuters)

Yahoo-Chefin Marissa Mayer stößt mit ihrer Anordnung auf Widerstand

Kritik von allen Seiten

Viele Freunde hat sich die 37-Jährige Unternehmenschefin damit nicht gemacht: In den sozialen Netzwerken und bei Twitter hagelt es Kritik von Mitarbeitern. Und auch einige Unternehmer sehen die Maßnahme kritisch. So schrieb beispielsweise Richard Branson, Chef der Virgin Group, in seinem Blog: "Es wirkt wie ein Rückschritt. Und das in einer Zeit, in der Telearbeit einfacher und effizienter ist als je zuvor."

Offiziell will sich Yahoo nicht zu den Gründen dieser Maßnahme äußern. In dem internen Schreiben an die Mitarbeiter heißt es jedoch: "Geschwindigkeit und Qualität leiden oftmals, wenn wir von Zuhause aus arbeiten." Die deutsche Pressestelle des Unternehmens teilte auf Anfrage mit, dass Yahoo interne Vorgänge nicht kommentiere. Die Anweisung sei jedoch nicht auf den Standort USA begrenzt, sondern gelte weltweit.

Spekulation über Gründe

Es wird darüber spekuliert, ob möglicherweise auch der Ausstieg von Mitarbeitern, die nicht täglich ins Büro kommen wollen, ein willkommener Effekt der Maßnahme sei. Im Gegensatz zu IT-Riesen wie Google oder Facebook war bei Yahoo zuletzt Sparen angesagt. Doch ein Abwandern von Spitzenkräften kann sich kein Unternehmen der Branche leisten. 

Prof. Dr. Jutta Rump, Institut für Beschäftigung und Employability (Foto: privat)

Prof. Jutta Rump: Home Office kann motivieren

Auch in Deutschland hat die Bedeutung der Arbeit von außerhalb des Büros in den vergangenen Jahren zugenommen. Jutta Rump, Betriebswirtin und Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen, nennt vor allem die Branchen IT, Beratung, Kommunikation und Medien sowie Forschung und Entwicklung als Bereiche, in denen "mobile Arbeit" weit verbreitet sei.

Heimarbeiter arbeiten länger

"Arbeitgeber machen das, weil sie attraktiv sein wollen für Arbeitnehmer, sie machen das, um Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu binden und sie machen das auch, um die Motivation von Mitarbeitern zu steigern", so Rump im Gespräch mit der Deutschen Welle. Dadurch seien durchaus auch Produktivitätszuwächse möglich. Unternehmen, die stark auf Heimarbeit setzen, könnten auch einen Teil ihrer Infrastruktur und vor allem Kosten für Büroraum einsparen.

Laut einer Studie der Universiät Melbourne arbeiten Angestellte im Home Office bis zu drei Stunden mehr am Tag als ihre Kollegen im Büro. Die im Telecommunications Journal of Australia veröffentlichte Untersuchung bezog sich auf die Bereiche lokale Verwaltung, Banken, Bildung und IT. 

Dr. Frank Kleemann, Soziologe an der Universität Duisburg-Essen (Foto: privat) Schlagworte: Heimarbeit, Home Office, Telearbeit, Arbeitswissenschaft

Dr. Frank Kleemann: Klassische Kontrolle fehlt

Klare Regeln notwendig

Auch bei Heimarbeit kann der Arbeitgeber hinreichend überprüfen, ob ein Mitarbeiter genügend Gegenleistung für seine Bezahlung bringt: "Die klassische Kontrolle des Über-die-Schulter-Schauens entfällt natürlich", sagt Frank Kleemann, Arbeitssoziologe von der Universität Duisburg-Essen: "Daher ist es zwingend notwendig, stärker über erbrachte Arbeitsergebnisse zu kontrollieren. Im Zweifelsfall muss dann das Privileg der Heimarbeit wieder entzogen werden."

Doch Heimarbeit bietet den Beschäftigten nicht nur Vorteile: Vielfach wird beklagt, dass die Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit verschwimme, wenn eine ständige Erreichbarkeit erwartet werde. "Damit mobile Arbeit nicht ausufert, mit der 24 Stunden-Erreichbarkeit und der sieben Tage die Woche-Verfügbarkeit, ist es ganz wichtig, Regeln zu definieren", sagt Jutta Rump. So sollte der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern eine Zeit von zwölf oder 24 Stunden einräumen, um auf eine Anfrage zu reagieren.

Rump hat in ihrem Institut die Erfahrung gemacht, dass eine totale Freigabe der Arbeitseinteilung, wie sie dort praktiziert wird, auch Probleme mit sich bringt: "Wie wollen sie einen Teamgeist schaffen, wenn das Team nie zusammen ist?" Daher halte sie inzwischen eine Kombination aus Präsenzzeiten und freier Arbeitseinteilung für den besten Weg.