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Wirtschaft

Ende der Talfahrt

Die Volkswirte der Allianz gehören zur Fraktion der notorischen Optimisten. Sie rechnen damit, dass die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr um 2,7 Prozent wachsen wird.

Ein kleiner Erdhaufen, aus dem ein Pflänzchen wächst (Foto: dpa)

Keimt die Konjunktur schon im zweiten Halbjahr auf?

Drei Szenarien haben sich die Volkswirte der Allianz ausgedacht: Fall eins sind die "1930s reloaded", eine Neuauflage der 30er Jahre, eine lang anhaltende Rezession. Die könnte ausgelöst werden durch ein erneutes Aufflammen der Bankenkrise, durch übermäßigen Protektionismus oder durch internationale Konflikte, die externe Schocks verursachen. Fall zwei wird mit dem Buchstaben "V" beschrieben: Einem kräftigen Abschwung folgt ein ebenso kräftiger Aufschwung, ausgelöst möglicherweise durch weitere Konjunkturprogramme, eine Erholung der Finanzmärkte und die Bildung neuer Blasen.

Schockstarre verschwunden

Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz Group (Foto: dpa)

Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise: "Der Aufschwung kommt schneller, als viele glauben."

Doch Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, neigt eher zu einem Szenario in der Mitte. Er rechnet mit einem moderaten Wachstum: "Inzwischen haben wir einige positive Konjunkturdaten bekommen. Wir erwarten für das zweite Halbjahr durchaus eine Besserung. Jetzt rücken die mittelfristigen Szenarien in den Mittelpunkt." Und die sehen aus der Sicht der Allianz-Volkswirte gar nicht mal so schlecht aus. "Der Aufschwung kommt schneller, als viele denken", sagt Michael Heise. Nach einer kräftigen Erholung im zweiten Halbjahr rechnet er damit, dass die deutsche Wirtschaft schon im nächsten Jahr um 2,7 Prozent wachsen wird. Denn die Schockstarre sei aus den Märkten verschwunden, die Unsicherheit lasse nach und die Konjunkturprogramme würden ihre expansive Wirkung entfalten, glaubt er.

Allerdings gibt es auch jede Menge Unsicherheiten: "Dieser Aufschwung, auch wenn wir ganz optimistisch sind, ist natürlich noch sehr fragil. Das ist immer so in Frühphasen der Konjunktur. Die Arbeitslosigkeit wird steigen, die Insolvenzen werden steigen. Daher brauchen wir wirtschaftspolitische Unterstützung. Zu frühe Kehrtwenden in der Geld- oder auch der Finanzpolitik können gefährlich werden." Wachstumsdämpfend werden auf mittlere Sicht die öffentlichen Haushalte wirken, sagt Heise. Denn die werden gezwungen sein, nach den großzügigen Konjunkturprogrammen ihre Etats zu konsolidieren. Dennoch seien die Aussichten für ein moderates Wachstum gut.

Keine Kreditklemme

Der Eingang der Agentur für Arbeit in Gelsenkirchen (Foto: AP)

"Fünf Millionen Arbeitslose sind übertrieben", glauben die Volkswirte der Allianz

So kann Michael Heise zum Beispiel nirgendwo eine Kreditklemme entdecken: "Sicherlich gibt es in jeder Rezession Finanzierungsengpässe. Aber von einer allgemeinen Kreditklemme zu reden wird der Lage nicht gerecht." Anders als viele seiner Volkswirt-Kollegen rechnet Heise auch nicht damit, dass die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland auf über fünf Millionen steigen könnte: "Wir sind nie mit den negativen Prognosen in Übereinstimmung gewesen, nach denen wir die fünf Millionen schon mehr oder weniger in Aussicht haben. Diese Ansicht haben wir nie geteilt."

Bleibt die Frage, ob die deutsche Wirtschaft nicht eine Lehre aus der Krise ziehen müsste. Denn ihre einseitige Exportorientierung hat dazu geführt, dass viele Branchen besonders hart von der wegbrechenden Nachfrage betroffen waren, die Krise viel tiefere Spuren hinterlassen hat als in anderen europäischen Staaten. Doch Heise ist überzeugt: "Das Geschäftsmodell Exportorientierung ist sehr erfolgreich gewesen. Das müssen wir behalten. Wir müssen es nur ergänzen um die Stimulierung der Binnennachfrage, damit wir nicht ein so riesiges außenwirtschaftliches Ungleichgewicht erzeugen wie in den vergangen Jahren. Wir brauchen jetzt dringend mehr Konsum. Und darauf müssen die Maßnahmen der Wirtschaftspolitik gerichtet sein."

Autor: Rolf Wenkel
Redaktion: Klaus Ulrich

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