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Politik

Ende der diplomatischen Eiszeit?

Die USA und der Iran haben diplomatische Gespräche aufgenommen. Es ging sachlich zu, Streitpunkte wie Irans Atom-Programm wurden ausgespart. Peter Philipp kommentiert.

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Fernschreiber Autorenfoto, Peter Philipp

Wenn man nur will, dann ist manches möglich, was man sonst leichtfertig als "unmöglich" abtun würde. Um diese Erfahrung reicher sind Amerikaner und Iraner nach dem vierstündigen Treffen ihrer Botschafter in Bagdad. Lange war über solch ein Treffen gesprochen worden und immer wieder hatte es in letzter Minute irgendwelche Hindernisse gegeben. Einmal stellte US-Präsident George W. Bush Vorbedingungen, die Teheran nicht zu erfüllen bereit war, dann wieder zögerte Irans oberster Führer, Ali Khamenei. Der gab dann aber doch grünes Licht.

Gegenseitige Beschuldigungen

Man hätte sich viel zu sagen gehabt nach fast dreißig Jahren diplomatischer Eiszeit. Aber dazu war das Treffen in Bagdads "Grüner Zone" nicht einberufen worden. Es ging nur um den Irak und wie man die furchtbare Eskalation der Gewalt in diesem Land beenden kann. Und es hätte zu viel erwartet, wer gemeint hatte, solch eine Diskussion würde ohne gegenseitige Beschuldigungen verlaufen. Teheran macht die USA verantwortlich für die Gewalt im Irak und fordert einen amerikanischen Abzug und Washington wirft dem Iran Einmischung in den Konflikt vor.

Abgesehen von solchen "Pflichtübungen" konnten beide aber doch auch feststellen, dass man in konkreten Fragen gar nicht so weit voneinander entfernt ist: Iraner wie Amerikaner wollen einen friedlichen und sicheren Irak, der aufhört, ein Unruheherd in der Nachbarschaft und auch in der weiteren Region des Nahen Osten zu sein. So ungleich die Ansichten Teherans und Washingtons sonst in so vielen Punkten sind: In der Einschätzung der Entwicklungen im Irak gibt es weitgehende Übereinstimmung. Und das nicht erst seit Montag (28.5.07).

Ehrlichkeit wäre angebracht

Es dürfte beiden Seiten auch weiterhin schwer fallen, sich solches einzugestehen. Etwas Ehrlichkeit aber wäre angebracht. Man würde nicht nur dem Irak helfen, sondern vielleicht auch den Grundstein legen für die Klärung – zumindest aber die Erörterung – anderer bilateraler Probleme.

Die Zeichen für solch eine Entwicklung sind nicht schlecht : Der Iran hat angeregt, eine Art Dreierkommission mit den USA und der irakischen Regierung einzurichten, um die anstehenden Fragen des Irak-Konflikts weiter zu diskutieren. Und wenn US-Botschafter Ryan Crocker auch betont, solches sei nicht Sinn des Treffens gewesen und eine Entscheidung darüber müsse in Washington gefällt werden, so steht doch fest, dass Präsident Bush schlecht beraten wäre, solch ein Angebot auszuschlagen. Und auch Teheran sollte nun nicht Angst vor der eigenen Courage bekommen und zu seinem Wort stehen.

Erste Warnung

Wenn der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki nun fordert, Washington müsse zuerst das Scheitern seiner Irak-Politik eingestehen, dann ist dies eine erste Warnung, dass Teheran wankelmütig werden könnte. Auch der Streit um die Festnahme iranisch-amerikanischer Staatsbürger im Iran und – zuvor schon – von fünf Iranern im Irak könnten Gründe liefern zum Scheitern einer solchen – auch von der irakischen Regierung angeregten Fortsetzung des Dialoges.

Das Gegenteil sollte der Fall sein: Bei all den Problemen zwischen Teheran und Washington sollten beide die Gelegenheit nützen und weiter das Unmögliche möglich machen.

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