1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Digitales Leben

Empörung wegen verhüllter Nacktstatuen für Rohani

Aus Rücksicht auf den iranischen Präsidenten Rohani ließ man in Rom antike Statuen abdecken. Die Opposition warf Ministerpräsident Matteo Renzi Verrat an der italienischen Kultur vor. Auch im Netz herrscht Empörung.

Nun bekämen schon Kunstwerke den Hijab, den islamischen Schleier, verpasst, erregte sich Barbara Saltamartini von der rechten Lega Nord und verurteilte die Maßnahme als "x-ten Akt der Unterwerfung unter eine Kultur, die nicht zu uns gehört." Der Fraktionsvorsitzende der Partei Fratelli d'Italia, sprach von "einer Schande und Beleidigung der westlichen Kultur". Die Entscheidung sei Wasser auf die Mühlen islamistischer Terroristen. Und Luca Squeri, Regionalkoordinator der Forza Italia in der Provinz Mailand, kritisierte: "Das ist übertriebener Eifer und deshalb nicht akzeptabel. Respekt für die anderen Kulturen kann und darf nicht auf die Leugnung der eigenen hinauslaufen. Das ist kein Respekt, sondern Eliminierung der Unterschiede oder sogar Unterwerfung."



Antike Kunst und Wein tabu

Die Museumsangestellten der Kapitolinischen Museen waren vor dem Besuch des Staatsgasts aus dem Iran angewiesen worden, antike Nacktstatuen hinter schrankähnlichen Konstruktionen verschwinden zu lassen, um den Moralvorstellungen des muslimischen Präsidenten entgegenzukommen. Sein Glaube verbietet den Anblick nackter Körper in der Öffentlichkeit und die Abbildung von entblößten Menschen in der bildenden Kunst. Deswegen wurde auch die weltberühmte "Venus vom Kapitol" hinter Abdeckungen verbannt.


Am Montagabend hatten der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella und Ministerpräsident Matteo Renzi Rohani in Rom empfangen und waren anschließend mit ihm in den Museen vor die Presse getreten. Ebenfalls aus Respekt vor dem muslimischen Glauben sei beim Abendessen kein Wein serviert worden, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Renzi und Rohani sitzen neben einem antiken Pferd

Das antike Pferd war offenbar kein Stein des Anstoßes

So viel Rücksicht kommt nicht von ungefähr. Bereits am ersten Tag der viertägigen Reise Rohanis schloss Italien 17 Abkommen mit dem Iran, hauptsächlich in den Sektoren Energie, Luft- und Bahnverkehr, Gesundheit und Landwirtschaft. Rohani legt mit der Unterzeichnung der milliardenschweren Verträge in Rom den Grundstein für die Rückkehr seines lange durch Sanktionen geschwächten Landes auf den europäischen Markt.

Ministerpräsident Renzi hat bisher jeden Kommentar zur selbstauferlegten Zensur verweigert. Doch die Maßnahme schlägt mittlerweile nicht nur in Italien hohe Wellen, auch im Ausland erregen sich die Gemüter. In den sozialen Medien gibt es viel Kritik und Häme.

"Wie kann man es wagen, den schönen menschlichen Körper zu verhüllen? Das war ein Kotau. Wenn Da Vinci noch leben würde, würde er Tränen in seinen Wein vergießen", postet jemand bei Twitter:


Und hier heißt es sinngemäß: Wenn du in Rom bist, tu es den Römern gleich.

Auf Facebook schreibt ein User namens "Die Journaille": "Ich weiß nicht, wen ich gerade schäbiger finde, eine Religion, die die Natürlichkeit abschätzt und Frauenrechte mit Füßen tritt oder ein Staat, der sich derartig anbiedert. Respekt ist gut und wichtig, aber auch der Respekt vor und der Stolz auf die eigene Kultur."


Es ist nicht das erste Mal, dass Renzi bei einem Staatsbesuch nackte Statuen verhüllen ließ. Als der Kronprinz von Saudi-Arabien 2015 nach Florenz kam, wurde eine moderne Nacktskulptur im Rathaus mit einem Tuch verhüllt. Präsident Rohani, der in Rom auch Papst Franziskus traf und mit ihm über die Rolle Irans bei der Suche nach politischen Lösungen im Nahen Osten und über das Atomabkommen sprach, reiste am Mittwoch nach Paris weiter.

suc/rey (dpa,kna)

Die Redaktion empfiehlt