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Asien

Empörung in Deutschland über Ai-Festnahme

Im Chinesischen Nationalmuseum läuft seit einigen Tagen eine maßgeblich von der Bundesregierung finanzierte Ausstellung. Doch nach der Festnahme des Künstlers Ai Weiwei fordern deutsche Parlamentarier nun den Abbruch.

Der Künstler Ai Weiwei 2009 in München in seinem Kunstwerk Rooted Upon (100 Baumteile) (Foto: picture alliance)

Kunstaktion Ai Weiweis 2009 in München

Freiheit, Individualismus, Menschenrechte, Toleranz – diese Werte haben sich in Europa während des Zeitalters der Aufklärung im 18. Jahrhundert durchgesetzt. Drei deutsche Museen zeigen gemeinsam mit dem Chinesischen Nationalmuseum seit dem Wochenende Kunstwerke dieser Epoche in der Ausstellung "Kunst der Aufklärung". Maßgeblich finanziert wurde das Projekt vom deutschen Auswärtigen Amt. Wie wenig aufklärerische Werte mit dem Alltag in China zu tun haben, zeigt jedoch das harte Vorgehen der chinesischen Regierung gegen Regimekritiker. Zuletzt wurde der chinesische Künstler Ai Weiwei am Sonntag (03.04.) in Peking festgenommen. Er ist seitdem verschwunden. Die Bundesregierung hat gegen die Festnahme des chinesischen Künstlers protestiert.

Volker Beck, menschenrechtspolitischer Sprecher von Bündnis 90/ Die Grünen (Foto:picture alliance / dpa)

Volker Beck, menschenrechtspolitischer Sprecher von Bündnis 90/ Die Grünen

Dem menschenrechtsrechtspolitischen Sprecher der Grünen-Fraktion,Volker Beck, geht das nicht weit genug. Für ihn ist die deutsche Linie im Fall Ai Weiwei nicht nur zurückhaltend, sondern auch widersprüchlich. "Zwar wird einerseits Protest ausgedrückt, aber erkennbare Konsequenzen gibt es andererseits bislang auf keiner Ebene." Und diese Tatsache wird die chinesischen Staatsführung nach Einschätzung des Grünen-Politikers nicht als "eindrucksvolles Signal" verstehen.

Deutliche und drastische Forderung

Beck fordert nun, die Ausstellung "Kunst der Aufklärung" notfalls abzubrechen. Gerade die Freiheit der Meinung, der Medien und auch der Kunst seien das Wesen der Aufklärung. Davon sollte auch die Ausstellung eigentlich handeln. Das Vorgehen gegen Ai Weiwei und andere Regimekritiker widerspreche diesem Sinn. Es wäre nun von der Bundesregierung konsequent, die chinesische Regierung öffentlichkeitswirksam aufzufordern, Ai Weiwei freizulassen und ihn dann in die Ausstellung einzuladen und dort sprechen zu lassen, so Beck. Wenn die chinesische Regierung das nicht zulasse, solle man auch Konsequenzen für die Ausstellung ziehen. "Gegebenenfalls muss man die Ausstellung auch schließen und von Seiten der Museen die Exponate zurückfordern."

Arnold Vaatz, CDU-Bundestagsabgeordneter (Foto: Arnold Vaatz)

Arnold Vaatz, menschenrechtspolitischer Sprecher der CDU / CSU-Fraktion

Auch in der CDU, die gemeinsam mit der FDP die Regierung bildet, regt sich Kritik an der "Kunst der Aufklärung". Der menschenrechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Arnold Vaatz, schließt sich der Forderung Volker Becks ausdrücklich an. Man habe wohl gemeint, die "chinesische Nomenklatura mit dieser Ausstellung irgendwie dazu zu bewegen, sich den Gedanken der Aufklärung anzuschließen", so Vaatz. In Wirklichkeit aber habe die Regierung in Peking die Ausstellung vielmehr als "Instrument zur Demonstration ihrer Stärke" benutzt. Vaatz geht allerdings nicht davon aus, dass die Ausstellung tatsächlich abgebrochen werde. Der CDU-Politiker betont zudem, dass er nicht für die Fraktion oder die Regierung spreche, sondern nur seine persönliche Meinung äußere.

Die Botschaft der Kunst

Klaus Staeck posiert vor einigen seiner bekanntesten Arbeiten im Museum Junge Kunst in Frankfurt an der Oder (Foto: AP)

Klaus Staeck, Präsident der Berliner Akademie der Künste

Auch die Akademie der Künste in Berlin kritisiert die Festnahme Ai Weiweis scharf. Einen Abbruch der "Kunst der Aufklärung" nach jahrelanger Vorarbeit halte man aber für den falschen Weg, unterstreicht der Präsident der Akademie, Klaus Staeck. "Ich glaube, man sollte die Sprengkraft der Kunst nicht unterschätzen." Mit einer Ausstellung unter dem Titel "Die Kunst der Aufklärung" seien auch ganz bestimmte Vorstellungen verbunden." Mit dem Zeitalter der Aufklärung verbindet man die Meinungsfreiheit, die Menschenrechte oder Brüderlichkeit", ist Klaus Staeck überzeugt. Und fügt hinzu, er sei ein bekennder "Anhänger der These von Wandel durch Annäherung".

Erst in der vergangenen Woche hatte Ai Weiwei bekannt gegeben, ein Studio in Berlin zu eröffnen, nachdem sein Atelier in Shanghai abgerissen worden war. Ob es nun dazu kommt, hängt davon ab, ob und wann die chinesische Regierung Ai Weiwei wieder freilässt.

Autor: Christoph Ricking
Redaktion: Esther Felden

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