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Aktuell Asien

Empörung über Vergewaltigungen - Polizei wegen "Diskriminierung" am Pranger

Wieder eine Gruppenvergewaltigung an Mädchen in einem indischen Dorf, wieder Proteste: Ein Vater berichtete, ein Polizist habe es abgelehnt, nach den vermissten Mädchen zu suchen, da sie zu einer niederen Kaste gehören.

Die Polizeibeamten hätten ihn "nur ausgelacht", als er sie angefleht habe, nach seiner vermissten Tochter zu suchen. Der Vater eines der Opfer berichtete, als die Polizisten bemerkt hätten, dass er aus einer niederen Kaste stamme, hätten sie sich geweigert, bei der Suchen nach den Mädchen zu helfen. Die Gruppenvergewaltigung an zwei Teenagern im Dorf Katra im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh wirft erneut auch ein trauriges Schlaglicht auf die Haltung von Polizei und Justiz in Indien.

Neben zwei Tatverdächtigen sollen auch zwei Polizisten bereits festgenommen worden sein. Andere Beamte sind offensichtlich zunächst vom Dienst suspendiert. Der Verdacht lautet neben Verzögerung des Eingreifens auch auf mögliche Verschwörung mit den Tätern. Die Familien der Opfer gehören zur Gemeinschaft der Dalit, den so genannten "Unberührbaren", der untersten Kaste Indiens.

Die beiden 14 und 16 Jahre alten Cousinen waren Dienstagnacht von ihren Familien im Distrikt Badaun als vermisst gemeldet worden. Am Mittwoch entdeckte man die Leichen der Mädchen, sie hingen an einem Baum. "Der Vater eines Mädchens sagte, dass sie von fünf Männern vergewaltigt und dann von den Tätern gehängt wurden", teilte ein Behördensprecher mit. Eine Untersuchung der Toten bestätigte den Missbrauch.

Laut Ermittlern könnten sich die Mädchen aber auch nach der Tat aus Verzweiflung oder Scham selbst erhängt haben. Nach dem Leichenfund halten in dem Dorf die Proteste gegen die Polizei an. Hunderte Bewohner blockierten eine Straße und forderten Konsequenzen für die verantwortlichen Beamten.

Polizeibezirkschef Atul Saxena wies den Vorwurf der "Diskriminierung" zurück. Die Verhältnisse innerhalb der Kasten habe keinen Einfluss gehabt auf das Verhalten der Polizei, denn alle seien "vor dem Gesetz gleich". Ungeachtet dessen werde man die Vorfälle sorgfältig überprüfen und, falls nötig, Fehlverhalten auch bestrafen.

Im Dezember 2012 hatte der Fall der tödlichen Gruppenvergewaltigung einer jungen Studentin in Neu Delhi weltweit für Schlagzeilen gesorgt und in Indien Massenproteste gegen die alltägliche Gewalt gegen Frauen in der indischen Gesellschaft ausgelöst. Seitdem wurden die Strafen für Vergewaltigung verschärft, die öffentlichen Debatten über die Verbrechen und die Stellung der Frauen in Indien wurden erneut angefacht.

SC/wl (APE, dpa)