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Amerika

Empörung über geplante Koran-Verbrennung

Die USA sind in Aufruhr über eine geplante Koran-Verbrennung am 11.9. Die Aktion könnte die Sicherheit der US-amerikanischen Soldaten in Afghanistan gefährden. Und auch die katholische Kirche zeigt sich alarmiert.

Terry Jones von Dove World Outreach Center vor einem Schild, das die Koran-Verbrennung ankündigt (Foto: AP)

Terry Jones von Dove World Outreach Center erhitzt die Gemüter

Die Kirchengemeinde Dove World Outreach Center aus Gainesville in Florida hat gerade mal rund 50 Mitglieder, schafft es aber derzeit, einen Sturm der Entrüstung auszulösen. Gemeindepastor Terry Jones hat für den Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 die Verbrennung des Korans angekündigt, des Heiligen Buchs der Muslime. Damit will die Gruppe nach eigenem Bekunden eine "klare Botschaft" gegen Drohungen radikaler Islamisten senden.

US-Außenministerin Clinton (Foto: AP)

Veruteilt das Vorhaben: US-Außenministerin Clinton

Das Vorhaben ruft die US-Regierung auf den Plan. US-Außenministerin Hillary Clinton ist empört und kritisiert das Vorhaben scharf. Führende Vertreter aller Glaubensrichtungen in den USA hätten diesen schändlichen Akt klar und unmissverständlich verurteilt, so Clinton. Auch ihr Sprecher, Philip Crowley, ist wenig begeistert von dem Plan der radikalen Christen. Es sei eine Provokation und zeige Respektlosigkeit gegenüber einer Religion, sagte Crowley. Er hoffe, dass die Gruppe von ihrem Plan doch noch abrückt.

Furcht vor Anschlägen gegen US-Soldaten

Danach sieht es allerdings nicht aus. Obwohl die Stadtverwaltung die Aktion verboten hat, will Pastor Terry Jones an der öffentlichen Bücherverbrennung festhalten. "Der Islam ist eine schlechte Religion." Der Koran sei für den 11. September verantwortlich, meint er in einem Video auf der Website seiner Gemeinde.

Sowohl das Weiße Haus als auch Militärvertreter warnen vor möglichen Folgen für ausländische Soldaten in Afghanistan, sollte diese Ankündigung umgesetzt werden. "Jedesmal, wenn derartige Aktionen unsere Truppen gefährden, wäre das für diese Regierung ein Grund zur Sorge", sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Robert Gibbs am Dienstag (07.09.2010).

Auch der Kommandeur US-Truppen in Afghanistan, David Petraeus, fürchtet, dass die Koranverbrennung in Gainesville Anschläge gegen amerikanische Soldaten provozieren könnte. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, der sich in Washington aufhielt, äußerte sich ebenfalls besorgt. Koran-Verbrennungen widersprächen "allen Werten, für die wir stehen und für die wir kämpfen", zitierte ihn die Zeitung "Washington Post".

Katholische Kirche zeigt sich entsetzt

Alarmiert zeigt sich auch die katholische Kirche. In der Vatikan-Zeitung "Osservatore Romano" erschein ein Artikel unter dem Titel "Niemand verbrenne den Koran". Darin heißt es, gerade in Asien befürchteten Kirchenleute, "dass diese Initiative den christlichen Minderheiten in überwiegend muslimischen Ländern schwer schaden könnte." In diesem Sinn zitiert werden der Erzbischof von Mumbai, Oswald Gracias, sowie der Präsident der Episkopalkonferenz Pakistans, Lawrence John Saldanha. Besorgt seien auch die Katholiken in dem stark muslimischen Indonesien.

Im Januar hatten Gerüchte über eine Koran-Schändung durch US-Soldaten zu tödlichen Krawallen in Afghanistan geführt. In Kabul kam es bereits zu Protesten vor einer Moschee. Aufgebrachte Gläubige verbrannten amerikanische Flaggen und riefen "Tod für Amerika". Muslime verlangen, dass ihr heiliges Buch mit höchstem Respekt behandelt wird. Verstöße werden als zutiefst beleidigend empfunden.

Debatte über Intoleranz

Ein Schild mit der Ankündigunt der Koran-Verbrennung am 11. September (Foto: AP)

Die kleine radikale Kirchengemeinde und ihr Pastor Terry Jones wollen von ihrem Vorhaben nicht lassen

Die Warnungen stoßen aber auf taube Ohren bei Terry Jones. Dem Nachrichtensender CNN sagte er, es wäre tragisch, wenn jemand deswegen ums Leben kommen würde. "Trotzdem muss ich sagen, wir sind der Meinung, dass wir uns früher oder später dem Islam werden entgegenstellen müssen", erklärte er. "Wenn wir das nicht tun, wird er nicht verschwinden."

In den USA wird derzeit eine Debatte über Intoleranz gegenüber Muslimen geführt. Erst vor kurzem hatte es Proteste gegen den geplanten Bau eines muslimischen Kulturzentrums in der Nähe der Anschläge vom 11. September in New York gegeben. Muslimische, christliche und jüdische Vertreter hatten religiöse Toleranz angemahnt und eine "steigende Welle von Angst und Intoleranz" verurteilt. Die Zeitschrift "Time" fragte unlängst auf der Titelseite: "Ist Amerika islam-feindlich?"

Autorin: Pia Gram (dpa, dapd, afp, rtr)
Redaktion: Martin Muno

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