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Europa

Empörung über den phallometrischen Test

Wer in Tschechien behauptete, in seinem Land verfolgt zu werden weil er homosexuell ist, musste sich in einigen Fällen einem erniedrigenden Test unterziehen. Jetzt kommt Kritik von der EU.

Ein Mann schaut Pornofilme an (Foto: dpa)

Ein umstrittener Test: Pornos schauen

Bei dem Test werden homosexuelle Asylbewerber an ein Gerät angeschlossen, das ihre Erregung misst, während sie sich heterosexuelle Pornos ansehen müssen. So wollen die Einwanderungsbehörden herausfinden, ob die Asylsuchenden wirklich homosexuell sind oder das nur behaupten, um Asyl zu bekommen. Wenn sie beim Test Zeichen von Erregung zeigen, werden die Bewerber möglicherweise abgelehnt.

Auf der Suche nach der Wahrheit

Logo der Europäischen Grundrechteagentur

EU-Grundrechteagentur: Test verletzt Menschenrechte

Tschechische Menschenrechtsaktivisten sind empört. "Wir wissen, dass diese phallometrische Untersuchung hier in Tschechien sogar in Fällen gemacht wurde, wo die Leute mit Dokumenten nachweisen konnten, dass sie zum Beispiel im Iran wegen sogenannter unmoralischer Aktivitäten belangt werden sollen", sagt Martin Rozumek von der Flüchtlingshilfsorganisation OPU.

Die EU-Grundrechteagentur mit Sitz in Wien kritisiert nun, Tschechien sei das einzige Land in Europa, wo der umstrittene Sex-Test noch eingesetzt werde. Dabei sei diese Methode unzuverlässig: Man erreiche keine eindeutigen Ergebnisse. Außerdem verletzte dieser Eingriff in die Intimsphäre die Menschenrechte. Das tschechische Innenministerium reagierte auf die Vorwürfe verärgert. Der Test sei zwischen 2008 und 2009 weniger als zehnmal angewendet worden, erklärt Tomas Haismann, der im tschechischen Innenministerium für Asyl- und Migrationsfragen zuständig ist. "In dem Moment, in dem wir erstmals von der UN dafür kritisiert worden sind, haben wir die Methode gestoppt. Aber wir werden den Bericht der Grundrechteagentur genau studieren und gegebenenfalls Konsequenzen ziehen."

Weniger als zehn Tests

Radek John (Foto: AP)

Die Tests habe es in seiner Amtszeit nicht gegeben, sagt Radek John

In den Fällen, in denen der Test angewandt worden sei, hätten die Betroffenen immer schriftlich eingewilligt, heißt es im Ministerium weiter. Sie hätten den Test sogar unbedingt machen wollen, so Innenminister Radek John. "Sie hätten um jeden Preis beweisen wollen, dass sie wirklich homosexuell sind." John ist seit Juli 2010 Innenminister und in dieser Zeit seien die Tests nicht mehr angewandt worden, sagt er.

Herausgekommen ist die Geschichte in Deutschland: Ein iranischer Asylsuchender war von Tschechien in die Bundesrepublik geflüchtet, nachdem er den Test machen musste, und hatte sich dort an ein Gericht gewandt.

Autorin: Christina Janssen
Redaktion: Julia Kuckelkorn