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Politik

Emotionaler Zwiespalt

Die Ankunft des Chefs der US-Übergangsverwaltung in Bagdad, die Nachkriegspläne der USA im Irak und mögliche Folgen davon für die OPEC und die Nachbarstaaten sind Themen der arabischen Presseschau am Dienstag (22.4.03).

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Die linksgerichtete libanesische Zeitung AS-SAFEER meint zur Ankunft von Jay Garner, des Chefs der Übergangsverwaltung in Bagdad:

"Vieles weist darauf hin, dass sich Jay Garner von einigen erfahrenen Leuten außerhalb des Iraks helfen lassen wird. Vielleicht werden darunter Israelis sein, die er gut kennt und die Erfahrungen bei der Besatzung des Gaza-Streifens und der Westbank gesammelt haben. Sollte er ihre Hilfe in Anspruch nehmen, wird das geschundene irakische Volk Widerstand gegen die amerikanische Besatzung leisten - auf ähnliche Weise wie die Palästinenser gegen die Israelis kämpfen."

Die in London erscheinende überregionale Zeitung ASCHARQ AL-AOUSAT schreibt zum selben Thema:

"Die Iraker sind gegenüber den amerikanischen Panzern noch immer im emotionalen Zwiespalt gefangen: Symbolisieren sie Besatzung oder Befreiung? Doch diese Frage sollte nicht mehr im Vordergrund stehen. Denn es geht nun in erster Linie darum, dass die amerikanischen und britischen Truppen, die Saddam Hussein beseitigt haben, noch immer im Lande sind. Die Iraker sollten die Politiker in Washington und London beim Wort nehmen und einmütig fordern, dass realistische Schritte hin zu einer demokratischen Ordnung unternommen werden."

Die für humanitäre Aufgaben zuständige US-Behörde USAID hat angekündigt, ihre humanitäre Hilfe für den Irak auf höchstens zwei Jahre auszudehnen. Danach könne sich das Land aus Erlösen aus den Ölverkäufen selbst finanzieren. Diese Äußerungen kommentiert die halbamtliche ägyptische Zeitung AL-AHRAM mit den Worten:

"Manche amerikanischen Stellen sprechen von einem Zeitraum von zwei Jahren, bis der Irak drei Millionen Barrel Erdöl pro Tag produzieren wird. Sicher ist: Sollten die USA ihre Pläne wahr machen und diese Produktionsmengen erzielen oder sogar den Austritt des Iraks aus der OPEC erreichen, dann werden die Schäden für viele Staaten - insbesondere in der Golf-Region - enorm sein."

Die regierungsnahe Zeitung AL-ITTIHAAD aus den Vereinigten Arabischen Emiraten geht davon aus, dass die USA mindestens zwei Jahre lang ihre Truppen im Irak belassen werden. Das Blatt schreibt:

"In dieser Wartezeit blickt die arabische Welt auch auf den palästinensisch-israelischen Konflikt. Doch hier werden die Amerikaner nichts unternehmen, bevor US-Präsident George W. Bush die Wiederwahl gewonnen hat. Angesichts der jüngsten Drohungen gegen Syrien wird klar: Die USA benutzen die Besatzung des Iraks als Druckmittel gegen die arabische Welt. Fest steht, dass die von den Amerikanern versprochene Demokratisierung des Nahen Ostens nicht mehr als leere Worte sind."

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