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Musik

Emo: eine verhasste Jugendbewegung

Aus einer Underground-Musikrichtung wurde eine Jugendkultur, die pubertären Weltschmerz offensiv zur Schau stellt. Weil Emos optisch auffallen, reiben sich viele an dem Teenager Trend, der sich weltweit ausbreitet.

Rasierklinge mit Blut © Hans-Jürgen Krahl 14081245

Rasierklinge mit Blut

Washington DC, in der Mitte der 80er Jahre. Die Hardcore-Punkszene rotzt dem Establishment ihren Hass vor die Füße. Die drei Maximen "Antifaschismus, Antikapitalismus, Antisexismus" ziehen sich wie ein roter Faden durch jeden Song, durch jeden Bandnamen. Nur mit dem Antisexismus nehmen es die meisten Bands nicht so genau. Die Jungs machen auf harten Mann, die Mädchen in der Szene sind rar und die, die da sind werden schlecht behandelt. Das geht Ian MacKaye, dem Sänger von Minor Thread - einem der Vordenker der Szene - zu weit. Er beschließt seine Gefühlswelt in die Texte einfließen zu lassen und auch mal über Liebe zu singen.

Punks wollen keine Emos sein

Das deutsche Emo-Youtube-Sprachrohr Amy (Quelle: Amy)

Das deutsche Emo-Youtube-Sprachrohr Amy

Der "Emotional Hardcore", kurz Emo ist geboren. Bands wie Rites Of Spring, Minor Thread, Fugazi und Indian Summer besingen ihr Seelenleben. Nur mit der Begrifflichkeit "Emo" kann sich keiner der Musiker so richtig anfreunden. "Ich muss sagen, dass Emo das Dämlichste ist, was ich je in meinem Leben gehört habe", auf einem Konzert 1985 macht Ian MacKaye seinem Ärger Luft, "ich denke mir Emo? Das ist ja so, als ob es im Hardcore nie Gefühle gegeben hätte."

Die "Bravo Girl" - Variante einer Musikrichtung

Heute hat der Begriff Emo nichts mehr mit Musik zu tun. Zwar gibt es immer noch Emos, die sich klar zu ihren Hardcore-Wurzeln bekennen, aber die sind in einer erschreckenden Minderheit und Bands wie "My Chemical Romance" oder in Deutschland "Tokio Hotel" werden äußerst ungern mit der Szene in Verbindung gebracht. Stattdessen ist Emo zum Modebegriff mutiert. In den letzten 20 Jahren hat sich diese Mode Stilelemente aus jeder Szene zusammengeklaut, um sich selber Ausdruck zu geben. Die Haare geschnitten wie die Ur-Emo-Band Refused, Totenköpfe überall, Punk-, Metal-, Goth- Accessoirs und die unvermeintlichen Chucks. Das Auftreten soll Emotionalität, die Neigung zur Depression und das Gefühl des Unverstandenseins vermitteln. Das kultivierte Leiden an der Welt zieht dabei immer mehr Teenager an und so gilt Emo gerade als die Jugend-Subkultur, die am schnellsten wächst.

Hass auf Emos

Der Ur- Emo Ian MacKaye (Quelle: Dischord Records)

Der "Ur"- Emo Ian MacKaye, Sänger der Band Refused

Die übrigen Jugendgruppierungen haben keine hohe Meinung von Emos. Sie bezeichnen sie als Heulsusen, deren einziges Markenzeichen es ist sich zu "cutten", sich mit scharfen Gegenständen Narben auf dem Arm zuzufügen um ihren Weltschmerz auszudrücken. Vom Gebahren der ursprünglichen Hardcore-Szene ist nichts übrig. Die Männer der Emoszene geben sich androgyn, die meisten meinungslos und sie haben keine konkrete Musikrichtung über die sie sprechen können. Und so definiert sich eine ganze Jugendbewegung über den Haarschnitt von Gerard Way, dem Sänger von My Chemical Romance. Der in der Szene wichtiger ist, als sein neues Album.

Autor: Ulrich José Anders

Redaktion: Matthias Klaus

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