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Wirtschaft

Emirat Katar steigt bei Hochtief ein

Überraschende Wende im Übernahmekampf um den deutschen Baukonzern Hochtief: Die Finanzholding des Emirats Katar wird neuer Großaktionär.

Arbeiter auf einer Hochtief-Baustelle (Foto: AP)

Deutschlands größter Baukonzern ist weltweit aktiv

Die Schlacht um den größten deutschen Baukonzern Hochtief ist noch nicht entschieden. Seit Montag (06.12.2010) hat das Unternehmen mit Firmensitz in Essen einen so genannten "Weißen Ritter" - also einen Helfer im Abwehrkampf gegen den spanischen Großaktionär ACS. Die Finanzholding des Emirats Katar werde im Rahmen einer Kapitalerhöhung alle neuen Aktien erwerben und damit künftig 9,1 Prozent der Hochtief-Anteile halten. So steht es in einer am Morgen veröffentlichten Pflichtmitteilung. Hochtief kündigte darin an, das man das Grundkapital um rund 10 Prozent erhöhen wolle. Bestehende Aktionäre sind vom Bezug der neuen Aktien ausgeschlossen, und darunter befindet sich eben auch ACS. Nach Angaben eines Hochtief-Sprechers hat der Einstieg Katars hingegen nichts mit dem Kampf gegen die Übernahme durch ACS zu tun. "Das ist keine Abwehrmaßnahme." Grund für den Einstieg Katars seien vielmehr die seit langem bestehende Partnerschaft und gemeinsame neue Projekte in dem Emirat.

Schritt für Schritt zur Mehrheit

Florentino Pérez, Chef von ACS und Real Madrid (Foto: dpa)

Der Baumeister: Florentino Pérez

Legt man den geplanten Ausgabepreis von rund 57 Euro zu Grunde, dann fließen circa 400 Millionen Euro in die Kassen von Hochtief. Das Unternehmen wehrt sich seit Wochen gegen die Übernahmeofferte des Bauriesen ACS aus Spanien. ACS besitzt bereits knapp 30 Prozent der Hochtief-Anteile. Doch durch die Kapitalerhöhung sinkt der ACS-Anteil an Hochtief auf 27,2 Prozent. Im März 2007 hatten die Spanier die ersten 25 Prozent gekauft und seither mit kleineren Zukäufen ihre Anteile stetig erhöht. Vor zweieinhalb Monaten hatte ACS-Chef Florentino Pérez, zugleich auch Präsident des Fußballklubs Real Madrid, ein weiteres Übernahmeangebot angekündigt: Er wolle die Aktienmehrheit an Hochtief und so den größten Baukonzern der westlichen Welt schmieden.

Alles auf Abwehr

Herbert Lütkestratkötter, Vorstandschef von Hochtief (Foto: AP)

Der Gegenspieler: Herbert Lütkestratkötter

In Essen wird das Angebot als feindlich empfunden. Hochtief-Chef Herbert Lüttkestratkötter ergreift alle denkbaren Abwehrmaßnahmen – und sondiert offenbar schon in einem frühen Stadium eine mögliche Unterstützung aus Katar. Sein Unternehmen ist im Emirat stark engagiert und beschäftigt dort rund 5000 Mitarbeiter. Mitte November, auf der Bilanz-Pressekonferenz, gibt sich der 60-jährige Vorstandschef kämpferisch: "Wir bereiten die nächsten strategischen Schritte vor." Selbst die Bundeskanzlerin schaltet sich ein und warnt vor einer Zerschlagung des Konzerns. Doch zunächst muss das Unternehmen einen Rückschlag einstecken: Ende November gibt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht grünes Licht für eine Übernahme. Daraufhin legt ACS ein offizielles Übernahmeangebot vor: Demnach bieten die Spanier für fünf Hochtief-Aktien acht eigene Papiere.

Lukrativer Markt

Demonstrierende Hochtief-Mitarbeiter (Foto: AP)

Die Arbeiter: Wollen ACS nicht

Der nunmehr angekündigte Einstieg des Emirats Katar dürfte die Pläne der Spanier ziemlich durcheinander bringen. Neben ACS und dem russischen Investoren Oleg Deripaska wird die Katar Holding LLC dritter Großaktionär. Die Holding ist ein sogenannter Staatsfonds, der die mit der Öl- und Gasförderung verdienten Milliarden weltweit investiert. So ist das Emirat auch Großaktionär bei den Autobauern Volkswagen und Porsche. Für Hochtief ist das Emirat ein gutes Pflaster: Man ist mit fünf Tochterfirmen dort vertreten. So bauen die Deutschen in Katars Hauptstadt Doha ein acht Kilometer langes Einkaufs- und Geschäftszentrum und sind am Bau einer gigantischen Brücke zur benachbarten Insel Bahrein beteiligt. Und da Hochtief der nach eigenen Angaben "weltgrößte Stadionbauer" ist, stehen die Chancen nicht schlecht, an neue lukrative Aufträge zu kommen: Katar hat Ende vergangener Woche den Zuschlag für die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 bekommen.

Autor: Henrik Böhme
Redaktion: Monika Lohmüller

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