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Sport

EM zum Mitreden

Auch wenn Sie weder Interesse an, noch Ahnung von Fußball haben, wird es in den kommenden Wochen schwer sein, am Fußball vorbeizukommen. DW-WORLD mit einem Kompendium zum Mitreden.

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"Silver Goal", "Golden Goal" - wie war das nochmal?

Europameisterschaft: Was ist das?

Jeder Kontinent spielt seine eigene Meisterschaft aus. Europa tut dies seit den 1960er Jahren im Vierjahres-Takt – immer zwei Jahre nach und vor der Weltmeisterschaft. Dabei treffen 16 europäische Nationalmannschaften aufeinander.

Wann ist das noch mal?

Vom Eröffnungsspiel am 12. Juni bis zum Finale am 4. Juli 2004. Gespielt wird jeweils um 16.45 oder um 19.45 Ortszeit.

Wer darf mitspielen?

Alle Verbände des europäischen Fußballverbandes (UEFA) beteiligen sich an Qualifikationsspielen in Gruppen – außer den jeweils automatisch qualifizierten Gastgebern.. Zu den teilnehmenden Ländern gehören auch San Marino, Liechtenstein oder die Färöer-Inseln. Monaco, Andorra und der Vatikan stellen kein Team, dafür Großbritannien mit England, Schottland, Wales und Nordirland gleich vier. Israel wird im Fußball ebenfalls zu Europa gezählt. Die Gruppenersten sind nach Abschluss der Qualifikationsspiele bei der in Turnierform gespielten Abschlussrunde dabei, hinzu kommen die Gruppenzweiten, dies sich in Entscheidungsspielen gegen andere Gruppenzweite durchgesetzt haben.

Wie funktioniert das Turnier?

Zunächst spielen wird in Vierergruppen jeder gegen jeden gespielt. Für einen Sieg gibt es drei Punkte, für ein Unentschieden einen. Die beiden nach Punkten (oder bei Gleichstand auch nach dem Torverhältnis) Gruppenersten haben die nächste Runde, das Viertelfinale, erreicht. Von nun an wird nach dem K.O.-Prinzip gespielt, das heißt, dass nur der Sieger eine Runde weiterkommt. Im abschließenden Finale wird schließlich der Europameistertitel ausgespielt?

Warum die Aufregung - ist die Europameisterschaft im Vergleich zu einer Weltmeisterschaft nicht zweitrangig?

Im Prinzip natürlich schon - aber natürlich auch nicht. Viele Fans finden eine EM sogar reizvoller, weil man zu den Gegnern öfter ein irgendwie geartetes Verhältnis hat. Ein Beispiel: Bei der letzten Weltmeisterschaft spielte Deutschland gegen Saudi-Arabien, Kamerun, Paraquay, die USA, Süd-Korea und Brasilien. Bei einer EM dagegen locken brisante Duelle gegen Holland, Frankreich, England, Spanien, Italien und Tschechien - Länder, die man bereist haben kann. Ländern, zu deren Menschen und Fußballern euine Meinung hat.

Wer gewinnt die Europameisterschaft meistens?

Deutschland. 1972, 1980 und 1996 gewann Deutschland den Titel. Außer den Deutschen hat es bisher nur Frankreich geschafft, den Titel mehr als einmal zu gewinnen nämlich 1984 und 2002. Und manche werden das auch nie schaffen: Die Gewinner Sowjetunion und Jugoslawien gibt es nicht mehr.

Und diesmal?

Deutschland gehört nicht zu den heißen Anwärtern, weil es in den letzten Jahren fast alle Spiele gegen starke europäische Mannschaften verloren hat.

Hoch gewettet werden die Gastgeber Portugal, mit ihrem filigranen, technisch anspruchsvollen Stil. Ihnen sagt man aber eine gewisse Nervenschwäche nach.

Titelverteidiger Frankreich steht bei vielen Experten auf dem Tippzettel ganz oben, da die Franzosen eine eingespielte, taktische hervorragend geschulte Mannschaft von überragenden Spielern verfügt. Allerdings stehen viele ältere Spieler im Kader – und Frankreich ist bei der letzten Weltmeisterschaft sensationell früh ausgeschieden.

Holland hat eine nicht schlechter besetzte Mannschaft, allerdings haben sich die Niederlanden mit ihrer – im Fußball- sprichwörtlichen Arroganz und internen Streitigkeiten in den letzten Jahren oft selbst um den großen Erfolg gebracht.

Tschechien gehört traditionell nicht zum engsten Kreis der „großen“ europäischen Fußballnationen. Der jetzigen Spielergeneration um den aktuell zum europäischen „Fußballer des Jahres“ gewählten Pavel Nedved wird von Experten aber der Titel zugetraut.

England hat zwar nun seit 38 Jahren keinen Titel mehr gewonnen, aber zumindest aus englischer Perspektive hat das Team um Megastar David Beckham gute Chancen.

Italien gehört zu den Favoriten, weil sie immer zu den Favoriten gehören.

Ein Außenseiter-Tipp ist Spanien, das zwar – wie so oft- starke Spieler hat, aber seit exakt 40 Jahren keinen Titel mehr erringen konnte - würde mal wieder Zeit.

Ansonsten gilt immer die Weisheit, dass Fußball so interessant ist, weil vorher keiner weiß wie es ausgeht. Es kann in einem Turnier so ziemlich alles passieren, nur eines kann man auch ohne Blick in die Kristallkugel ausschließen: Einen Europameister Lettland wird es nicht geben. Das kleine Land aus dem Baltikum ist der absolute Underdog – schon die Qualifikation zur EM war die größte Überraschung im europäischen Fußball seit lange.

Und wenn es nach Ablauf der Spielzeit keinen Sieger gibt?

Ab dem Viertelfinale muss es einen Sieger geben. Im Falle eines Unentschiedens gibt es eine Verlängerung von zweimal 15 Minuten. Hierbei gibt es einen Neuerung: Das "Golden Goal", mit dem Deutschland 1996 gegen Tschechien Europameister wurde, ist abgeschafft. Dabei war das Spiel nach einem Treffer in der Verlängerung automatisch beendet. Bei der EM 2004 gibt es das "Silver Goal": die jeweilige Halbzeit der Verlängerung wird auch nah einem Treffer zu Ende gespielt.

Falls nach der Verlängerung kein Tor gefallen ist, gibt es das gefürchtete Elfmeterschießen. Gefürchtet, weil hier Glück oder Pech über Sieg und Niederlage entscheidet. Fünf Spieler jeder Mannschaft müssen einen Elfmeter schießen, die Mannschaft, die mehr Treffer erzielt, gewinnt. Falls auch dies keine Entscheidung herbeiführt, wird weitergeschossen, bis eine Team getroffen hat und das andere nicht. Im Finale einer Europameisterschaft kam dies erst einmal vor: Deutschland verlor 1976 das Finale in Belgrad gegen die damalige Tschechoslowakei, weil Uli Hoeneß, heute Manager von Bayern München, einen Elfmeter verschoss. Er drosch den ball "in den Nachthimmel von Belgrad", wie heute ein feststehender Ausdruck

Muss ich aus dem deutschen Team jemanden kennen?

Aber sicher. Oliver Kahn, den ehemals weltbesten Torhüter, der zwar viel für den deutschen erreicht hat, für das deutsche Image in der Welt aber eher einen Rückschlag bedeutet. Michael Ballack, den zeitweise begnadeten Beau im deutschen Mittelfeld. Die beiden liefern sich momentan in Deutschland einen harten Konkurrenzkampf als Werbeikonen konkurrierender Hamburger-Bratereien. Wenn man einen Buhmann zum mitschimpfen braucht, ist man mit Christian Wörns fast immer auf der sicheren Seite. Der eigentliche Star ist aber der Teamchef: Rudi Völler. Der war als Stürmer schon Publikumsliebling und wird - Halb-Trainer, halb Maskottchen - wirklich von jedem Deutschen innig geliebt. Vielleicht, weil er heute noch so aussieht wie es Ende der 1980er unter Fußballern üblich war. Einschließlich Schnauzbart und Nackenmatte. Nur dass die inzwischen grau geworden ist - und Völler auch "Tante Käthe" gerufen wird.

Sind die Spieler überhaupt das viele Geld wert, das sie verdienen?

Man kann zumindest nicht behaupten, dass die Spieler für ihre Millionen nicht rackern würden. Eine wissenschaftliche Studie hat ergeben, dass ein Profifußballer pro Spiel zwischen neun und 14 Kilometern läuft. Davon bis zu drei Kilometer in ungefähr 100 Sprints. Und das in gerade einmal 90 Minuten. Das ist anstrengend, zumal es ja auch noch alles leichtfüßig aussehen soll.

Zudem sind die Kicker für das psychische Wohlergehen großer Teile ihres Heimatlandes, denn "im Fußball geht es nicht um Leben oder Tod. Es geht um viel mehr", wie die alte Liverpooler Trainer-Legende Bill Shankley wusste. Das ist belastend und das kann auch gefährlich sein: In Kolumbien wurde der Spieler Escobar 1994 nach dem Ausscheiden aus der WM erschossen. Die Spieler der Elfenbeinküste mussten ins Arbeitslager. Und in Italien trat nach dem WM-Aus 2002 das Parlament zu einer Krisensitzung zusammen.

Ist in Portugal wieder mit Gewalt zu rechnen?

Leider ja. Die notorischen Hooligan-Nationen Deutschland, Holland und vor allen natürlich England haben zwar weitreichende Sicherheitsmaßnahmen wie Ausreiseverbote für bekannte Schläger beschlossen, doch komplett werden sich Krawalle vor allem an den englischen Spielorten nicht vermeiden lassen.

Kann ich die EM genießen, ohne zu wissen was Abseits bedeutet?

Ja. Über die scheinbare Undurchdringbarkeit Abseitsregel für Fußball-Abstinenzler wird zwar traditionell viel gewitzelt, aber selbst viele sogenannte Fußballkenner werden sie kaum je fehlerfrei zitieren können. Aus dem Geiste des Fairplays ist Abseits aber leicht zu erklären: Abseits ist immer dann, wenn es der Schiedsrichter pfeifft (gilt im übrigen auch für sämtliche Foul und Elfmeterentscheidungen). Wer sich allerdings in der hohen Kunst der Schiedsrichterkritik üben will, sollte allerdings mal einen Blick in das offizielle Regelwerk werfen, um nicht als allzu unbeleckt aufzufallen.

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  • Datum 24.06.2004
  • Autorin/Autor Oliver Samson
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