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Sport

EM-Vorrunde liefert ausreichend Gesprächsstoff

Die deutschen Gruppengegner bei der Europameisterschaft 2008 sind Polen, Kroatien und Österreich. Die Duelle zwischen der DFB-Elf und dem Trio sorgen gestern wie heute für reichlich Gesprächsstoff.

Das Logo der Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz

Das Logo der Fußball-Europameisterschaft 2008

Polen: Vorrundenspiel am 8. Juni in Klagenfurt

Wenn die Partie zwischen Deutschland und Polen am 8. Juni angepfiffen wird, ist es fast genau ein Jahr her, dass die Elf des Deutschen Fußballbundes (DFB) vorzeitig das Ticket für das WM-Achtelfinale im eigenen Land löste. Am 14. Juni 2006 siegte das Team von Trainer Jürgen Klinsmann im Dortmunder Westfalenstadion dank des Siegtreffers von Joker Oliver Neuville knapp mit 1:0.

Oliver Neuville, Miroslav Klose (r.) und Michael Ballack (l.) freuen sich überschwänglich über das 1:0 gegen Polen bei der WM 2006. (Quelle: AP)

So sehen Sieger aus: Oliver Neuville, Miroslav Klose (r.) und Michael Ballack (l.) nach dem 1:0 gegen Polen

Der Ersatzspieler erlöste seine Teamkollegen und auch Millionen von Deutschen erst in der Nachspielzeit - dank der nun entfachten, euphorischen Stimmung - bis ins Halbfinale. Autokorsos, die die Straßen in den Innenstädten verstopften, Tausende in Feierlaune vor großen Plasmabildschirmen, überfüllte Strafencafés - schon war das "Sommermärchen" geboren. Erst im Halbfinale war für Klinsis Elf gegen den späteren Weltmeister Italien Endstation im Turnier.

Derweil setzte sich Polens schwarze Serie gegen die Deutschen fort. Noch nie vermochte Polen gegen Deutschland bei großen Turnieren etwas auszurichten. In fünf Partien hagelte es bis auf zwei Unentschieden nur Pleiten. Besonders bitter für Polen: Für sie ging es schon im zweiten Vorrundenspiel um alles oder nichts. Durch die zweite Niederlage in Folge war bereits nach der Gruppenphase bei der siebten WM-Teilnahme Feierabend. Nun hat Polen nach rund einem Jahr die Gelegenheit zur Revanche.

Kroatien: Vorrundenspiel am 12. Juni in Klagenfurt

Zum ersten Mal bei einem großen Turnier trafen beide Nationalteams am 23. Juni 1996 im EM-Viertelfinale im englischen Manchester aufeinander. Im Stadion Old Trafford waren die deutschen Tugenden auf dem Rasenplatz deutlich zu sehen: Kampf- und Einsatzwille stimmten zu 100 Prozent und übertünchten so manche technische Defizite im spielerischen Bereich.

Der Kroate Nikola Jerkan (r) foult den deutschen Mittelfeldspieler Andreas Möller (l) im Viertelfinalspiel der Fußball-EM 1996. (Quelle: dpa)

Ähnlich wie hier Andreas Möller (links) erging es gegen die Kroaten einigen Deutschen

Die Deutschen mit Kapitän Jürgen Klinsmann, der als Coach zehn Jahre später in der Heimat unbedingt den WM-Titel holen wollte, ließen sich nicht von den streckenweise heißblütig und teilweise überhart agierenden Kroaten beirren. Die Kroaten verdarben sich bei diesem Turnier mit ihrer teils rücksichtslosen Art jegliche Sympathien. Trotzdem siegten die Vogts-Eleven knapp mit 2:1.

Der unbedingte Wille der Deutschen, nach 16 Jahren endlich wieder den ersten Rang zu belegen, war dabei deutlich zu erkennen. Dieses Vorhaben glückte nach dem prestigeträchtigen Sieg im Halbfinale gegen das Fußball-Mutterland England. Der deutsche "Panzer", wie die englischen Medien neidisch schrieben, hatte wieder zugeschlagen - trotz der verletzungsbedingten Ausfälle der absoluten Leistungsträger Jürgen Klinsmann, Jürgen Kohler und Mario Basler. Es sollte der letzte Sieg Deutschlands für die nächsten beiden EM-Endrunden sein.

Kroatien behält in der Neuauflage von 1996 die Oberhand

Zwei Jahre nachdem die Kroaten bei der EM 1996 gegen die Deutschen die Segel streichen mussten, lautete auch die Paarung des Weltmeisterschafts-Viertelfinales Deutschland versus Kroatien. Am 4. Juli 1998 wollten die Weltmeister von 1990 die Schmach der WM 1994 in den USA vergessen machen. Doch schon wieder erlebte der DFB-Tross eine Bauchlandung. Als Sündenbock für das 0:3 wurde Abwehrrecke Christian Wörns auserkoren, der kurz vor der Pause mit der Roten Karte vom Platz flog. Mit nur noch zehn Mann hatten die Akteure um Lothar Matthäus im Stade Municipal de Gerland keine Chance.

Christian Wörns sieht im Viertelfinale der WM 1998 gegen Kroatien nach einem Foulspiel die Rote Karte (Quelle: AP)

Ich hab doch gar nichts gemacht: Christian Wörns, sieht gegen Kroatien die Rote Karte

Bundestrainer Berti Vogts trat nach dem enttäuschenden Abschneiden von seinem Amt zurück. Jahrelang galt die DFB-Elf als eine Mannschaft, die sich bei einem Turnier kontinuierlich in ihrer Leistung steigert. Diese Legende wurde mit dem zweiten KO bei einer WM in Folge zerstört. Ab sofort zählte Deutschland nicht mehr ohne jeden Zweifel zu den internationalen Topmannschaften. Die Kroaten vollendeten aus ihrer Sicht mit dem dritten Platz ein grandioses Turnier. Das war ihr bestes Ergebnis seit jeher bei einem großen Turnier.

Österreich Vorrundenspiel am 16. Juni in Wien

Wenn die letzte Vorrundenpartie der Gruppe B zwischen Österreich und Deutschland angepfiffen wird, werden für den DFB wieder urplötzlich böse Erinnerungen an die WM 1978 wach. Am 21. Juni 1978 trafen beide Teams in der WM-Zwischenrunde im argentinischen Córdoba aufeinander. Das Endergebnis war für das Duo aber fast ohne Bedeutung, denn sie hatten keine Möglichkeit mehr, ins Finale zu kommen.

Die Deutschen Bernhard Dietz (l., unten) und Rolf Rüssmann (2.v.l.) stemmten sich vergeblich gegen das WM-Aus.

Die Niederlage gegen Österreich bedeutete für Deutschland das WM-Aus

Immerhin konnte sich Deutschland noch Hoffnungen auf das Spiel um Platz drei und damit um eine Bronzemedaille machen. Doch dann trat das Unerwartete im Parque San Martín ein: Die West-Deutschen blamierten sich bis auf die Knochen und verloren gegen die Alpen-Kicker - bis dato zum ersten Mal in ihrer Historie - mit 2:3. Ein Albtraum für die BRD, da vier Jahre zuvor für Beckenbauer & Co. eine geschlossene Mannschaftsleistung mit dem glorreichen Titel gekrönt wurde.

Beide Teams waren zwar nach Córdoba ausgeschieden, nur die Eleven um Trainer Helmut Schön hatten den Spott allein auf ihrer Seite. Schön trat nach dem verkorksten Turnier - wie allerdings schon im Vorfeld angekündigt - von seinem Posten als Bundestrainer zurück. Diese Begegnung ging auch als "Schmach von Córdoba" in die Geschichte ein. Die Ösis als Drittplatzierter bei der WM 1954 nannten es hingegen das "Wunder von Córdoba", das sie bei der eigenen EM wieder aufleben lassen wollen.

Der "Nichtangriffspakt" von Gijón

Es war der 25. Juni 1982, WM-Vorrunde im spanischen Gijón. Ein Datum, das nicht weniger geschichtsträchtig als die Begegnung in Córdoba werden sollte. Im Estadio Municipal El Molinón half sich das Duo gegenseitig, denn die beiden konnten mit dem "richtigen Ergebnis" in die zweite Finalrunde einziehen. Einen Tag zuvor hatte Algerien sein letztes Gruppenspiel erfolgreich bestritten. Jetzt war klar: Deutschland musste unter allen Umständen gewinnen, jedoch nicht höher als 2:0, sonst wäre Österreich ausgeschieden. Unter ominösen Umständen zerplatzten die Hoffnungen der Algerier, denn nach dem Führungstreffer in der elften Minute stellten beide Mannschaften das Fußballspielen ein und "glänzten" durch bloßes Ballgeschiebe.

Einer der seltenen Angriffe der Österreicher beim Nichtangriffspakt von Gijón: Reinhold Hintermaier (links) drängt aufs deutsche Tor. (Quelle: AP)

Der "Nichtangriffspakt von Gijón": Lange Zeit keine Zweikämpfe, nur Ballgeschiebe

Ein knappes 1:0 reichte den Spielern von Trainer Jupp Derwall, um an den Algeriern vorbei zu ziehen. Der so genannte Nichtangriffspakt von Gijón war geboren, eines der schwärzesten Stunden des DFB. Eine Manipulation des Turniers zu Lasten der Algerier. ARD-Reporter Eberhard Stanjek stellte angesichts dieser Bilder sogar seinen Kommentar ein. Seit der EM 1984 finden deshalb die letzten Gruppenspiele alle zeitgleich statt. Die spanische Zeitung "El Comercio" verfasste statt eines Spieltextes sogar einen "Polizeibericht", wertete das Spiel als Betrug.