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Fußball

EM 1984: Platini macht den Unterschied

Es ist der 27. Juni 1984. Eine Nation feiert, sich selbst und vor allem ihre Helden: Frankreich ist zum ersten Mal Fußball-Europameister. Und das im eigenen Land.

Die französischen Spieler heben den EM-Pokal in die Höhe und jubeln (Foto: AP)

Geschafft! Frankreich ist Europameister!

Es ist der entscheidende Moment. Es läuft die 90. Spielminute im Parc des Princes in Paris. Frankreich gegen Spanien. Ein Konter. Jean Tigana spielt auf Bruno Bellone, der schießt – und trifft zum 2:0. Die Entscheidung. Die Stimmen der Radioreporter überschlagen sich: "Frankreich ist Europameister 1984." Die Grand Nation versinkt im Freudentaumel. Bei der 7. Europameisterschaft ist es endlich soweit. Frankreich gewinnt erstmals in seiner Fußball-Historie einen großen Titel.

Mit Glück und Platini

Spaniens Torhüter Arconada liegt am Boden, versucht den Ball noch zu stoppen, doch dieser hat die Torlinie schon überquert. Ein Mitspieler schlägt im Hintergrund die Hände über dem Kopf zusammen. (Foto: AP)

Oh Schreck: Spaniens Keeper Arconada patzt. Das 1:0 für Frankreich

Die Vorrunde dominieren die Franzosen nach Belieben. Das Halbfinale gegen Portugal wird eine Zitterpartie, in der Michel Platini erst in der Verlängerung mit seinem Tor für die Entscheidung sorgt. Eng geht es dann auch im Endspiel gegen Spanien zu. Erst ein Torwartfehler des Spaniers Luis Arconada ermöglicht die 1:0-Führung der Franzosen. Platini schießt einen Freistoß aufs lange Eck, Arconada kann den Ball nicht festhalten – 1:0. Spanien drängt, Frankreich kontert und macht mit dem Schlusspfiff alles klar: Bellone trifft zum 2:0.

Die beste Mannschaft des Turniers hat den Titel geholt. Frankreich kassierte nur vier Gegentore und zauberte in der Offensive – nur im Finale nicht, fand auch Horst Köppel, der damalige Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft. "Die glücklichere Mannschaft hat gewonnen. Das erste Tor war ein klarer Torwartfehler und das zweite ist nur aufgrund des Drängens der Spanier gefallen. Ich glaube, man hat heute wieder gesehen, dass zum Fußball einfach auch Glück gehört, und deshalb hat Frankreich gewonnen."

Deutschland scheitert früh

Der deutsche Torhüter Harald Toni Schumacher wird bei Spielende vom spanischen Schlußmann Luis Arconada getröstet. An Schumachers anderer Seite: Wechselspieler Gerhard Strack. Die deutsche Fußballnationalmannschaft verliert am 20.06.1984 vor 47.700 Zuschauern im Pariser Prinzenparkstadion das entscheidende Gruppenspiel der Europameisterschaft in Frankreich gegen Spanien mit 0:1. (Foto: dpa)

Das Aus: Torhüter Schumacher (mi.) wird vom Spanier Arconada (li.) getröstet. Auch Strack (re.) ist bedient

Co-Trainer Horst Köppel und sein Chef, Bundestrainer Jupp Derwall, konnten sich das Finale in Ruhe anschauen, denn Deutschland, der Vize-Weltmeister und amtierende Europameister, war bereits in der Vorrunde ausgeschieden.

In der Presse ist von einem "Erdrutsch für Europas Fußball" zu lesen. Die Fußballmacht Deutschland spielte keine Rolle, England und Italien hatten sich nicht einmal für die EM qualifiziert. Ein Reporter hält fest: "Die Fußballmusik wird nicht mehr in Italien, England oder Deutschland komponiert. Dänemark, Portugal, Spanien und das melodienerfinderische Frankreich haben sie neu in Töne gesetzt."

Der Beckenbauer Frankreichs

Frankreichs Mittelfeldregisseur und Kapitän Michel Platini und Trainer Michel Hidalgo recken gemeinsam die Hände in die Höhe und feiern nach Spielende den Triumph (Foto: picture-alliance)

Die Helden lassen sich feiern: Star Platini (re.) und Trainer Hidalgo

Der große Dirigent der EM 1984 war Michel Platini. Er hat die Nummer 10 in Frankreich bekannt gemacht. Er ist ein Mythos. Der strahlende Held der EM 84. Platini war Spielgestalter und wurde mit neun Treffern Torschützenkönig. Er bestimmte maßgeblich den Ton im "Orchestre bleu". Mitte der 80er Jahre war er für viele der beste Fußballer der Welt. Die Fans verehren ihn bis heute: "Das war ein großartiger Spieler, ein guter Anführer. Dank ihm ist Fußball-Frankreich groß geworden. Platini ist für uns das, was für die Deutschen Franz Beckenbauer ist."

Während Franz Beckenbauer 1990 als Trainer mit Deutschland Weltmeister wurde, schien der französische Erfolg eine Eintagsfliege zu bleiben. Und das, obwohl Frankreichs Trainer Michel Hidalgo nach dem EM-Titel 1984 noch sagte: "Der Gewinn ist für den gesamten französischen Fußball ein großer Erfolg. Jetzt gehen alle in die Ferien, aber dann wird der Aufschwung unseres Fußballs anhalten." Tatsächlich musste Frankreich bis zur WM 1998 – wieder im eigenen Land – warten, um den nächsten großen Titel zu feiern: Dieses Mal wurde Frankreich Weltmeister.

Autor: Benjamin Wüst

Redaktion: Arnulf Boettcher

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