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Kultur

Elvis für alle

Zum 25. Mal jährt sich am 16. August der Todestag des Kings of Rock'n Roll. Eine einzigartige Marktoffensive und ein hässliches kleines Alien sollen Elvis' Platten einem jungen und ganz jungen Publikum näherbringen.

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Elvis Presley in concert

Lilo & Stitch Zeichentrickfilm

Stitch

Auf der Kinoleinwand tobt ein bösartiges kleines Alien durchs Kinderzimmer. In blinder Zerstörungswut wirft die etwa kniehohe Kreatur mit Regalen um sich. Stitch heißt das geklonte Weltraummonster, das innerhalb von 90 Spielfilmminuten zur Menschlichkeit bekehrt wird. Verantwortlich dafür ist niemand geringeres als Elvis Presley. Walt Disneys neuer Comicstreifen "Lilo und Stitch" setzt vor der Wasserfarb-Kulisse Hawaiis auf die musikalische Kraft zahlreicher Elvis-Hits.

Verkaufsrekorde brechen

Kaufen soll die versammelte Meute Vorpubertierender im Kinosaal nämlich anschließend den Soundtrack zum Film: Fast ausschließlich mit Werken des Kings bestückt, von "Hound Dog" bis "Suspicous Minds". Dies ist ein Teil der umfassenden Marketingoffensive, mit der die Nachlassverwalter des Altstars im Jahr 2002 alle bisherigen Verkaufsrekorde brechen wollen.

Die "Elvis Presley Entreprises" (EPE) betreibt seit Monaten umfassende Vorbereitungen um das eingetragene Warenzeichen Elvis global neu zu vermarkten. Mit dabei ist so ungefähr jeder, der in der Unterhaltungsindustrie eine Rolle spielt: Von AOL über Walt Disney bis zu McDonald's und Nike. Die angestrebte Zielgruppe reicht dabei vom Kindergartenkind bis zum hippen Discobrummer.

Elvis recyclen

Elvis-Denkmal

Das Elvis Presley Memorial in Indianapolis

Der Grund für die Bemühungen um die jugendlichen Klientel ist einfach: Elvisfans sterben langsam aus. Die altgediente Anhängerschaft rekrutiert sich schließlich aus ehemaligen Elvistollenträgern und Petticoatbesitzerinnen. Bei den heute älteren Damen und Herren machen sich die Jahre inzwischen bemerkbar. Im Elvismuseum in Graceland stehen Sauerstoff-Notpacks bereit.

Der King soll jugendkompatibel recycled werden. Einen weltumspannenden Hype will die EPE schaffen. Hilfreich dabei erweist sich die seit jeher beliebig bespielbare Projektionsfläche des Elvis Presley-Mythos. So dient der Rocker heute wie damals in seinen Filmen als Musterbeispiel des anständigen Bürgers. Gleichzeitig kann Elvis the Pelvis aber auch als ultimatives Sexsymbol herhalten und für ein kleines bisschen Anrüchigkeit sorgen.

Hip-Hopper und Britpopper

Und lässig ist der King sowieso. "Um so cool zu sein wie Elvis, muss man sich jenseits jeden sterblichen Diskurses befinden", schreibt die New York Times. Dieses Image nutzen im Moment auch die Turnschuhfabrikanten der Firma Nike. Ihr neuer Werbespot ist ebenfalls mit der Stimme des Kings unterlegt. Das Musikvideo zum "A Little Less Conversation"-Hit bietet darüber hinaus noch blaupausenartig eine Gebrauchsanweisung für den jeweils adequaten Hüftschwung zum Song. Neben schweren Hip-Hop-Jungs und verpeilten Technojüngern, treten smarte Britpopper auf. Elvis erweist sich kompatibel für alle Jugendkulturen. Elvis erweist sich ebenso kompatibel für die breite Masse. Der Song ist seit geraumer Zeit in den deutschen Top Ten.

1.000.000.000 Schallplatten

Elvis Presley als Soldat in Deutschland

Elvis Presley als Soldat in Deutschland

Der Superstar, der bereits zu Lebzeiten rund eine Milliarden Platten verkaufte und mit seinen Konzerten mehr Zuschauer vor den Fernseher brachte als die Mondlandung, wird 2002 nochmal ganz groß rauskommen. Tausende von Veranstaltungen, endlose Fernsehdokumentationen und ausgebuchte Elvisdouble.

Nach dem Kinobesuch von "Lilo und Stitch" bleibt meine Tochter allerdings skeptisch. Den Film fand sie schon "echt super". Die Musik hingegen nicht. "Geht so", sagt sie. Und das ist ein vernichtendes Urteil.

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