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Ellenbogen

Ein Körperteil, das notwendig für die alltägliche Bewegung ist, aber auch gerne gebraucht wird, um sich direkt oder im übertragenen Sinne Platz zu verschaffen. Sogar eine ganze Gesellschaft ist nach ihm benannt.

Wir lassen diese Woche die Katze, das heißt das Stichwort, gleich aus dem Sack. Es heißt "Ellenbogen", hat mit Anatomie, ganz bestimmten menschlichen Eigenschaften und einer – wenn auch ungenauen – Maßeinheit zu tun.

Ein Knochenfortsatz als Waffe

Der Ell- oder Ellenbogen ist im eigentlichen Sinn kein Bogen. Er ist der bei gebeugtem Arm vorspringende Knochenfortsatz der Elle an dem den Unterarm mit dem Oberarm verbindenden Gelenk. Die Elle wiederum ist der an der Außenseite des Unterarms verlaufende Knochen. Was es mit den sprichwörtlich gewordenen spitzen Ellenbogen ganz konkret auf sich haben kann, lässt sich in öffentlichen Verkehrsmitteln – als da sind Busse und Bahnen – hautnah erleben.

Zum Beispiel dann, wenn jemand einen dieser Rucksäcke, in denen sich der Hausrat eines Einfamilienhauses verstauen lässt, mit einer ruckartig ausgeführten Bewegung aufsattelt, wobei die Ellbogen jenes Mitmenschen gleichzeitig und blitzschnell seitlich ausfahren. Zur Bestätigung eines Treffers in der Nähe unseres Kinns oder am Rippenbogen vernehmen wir mit ein bisschen Glück noch ein schwaches "Tschuldigung", dann entfernt sich der Rucksack, rechts und links von einem Ellenbogen flankiert.

Musik und Sport in der Anatomie

Wir sind gleich durch mit der Anatomie, brauchen aber noch zwei Sätze für den Musikantenknochen und den Tennisarm. Ersterer ist kein Knochen, sondern der Nerv namens "Ulnaris". Am Ellbogen verläuft er ziemlich ungeschützt und wenn er da getroffen wird, zum Beispiel beim Anstoßen am metallenen Türgriff, dann spüren wir so etwas wie einen Stromschlag mit anschließendem Kribbeln, dass wir die Engel singen hören. Vielleicht hat der Musikantenknochen daher seinen Namen.

Auch der Tennisarm hat mit Ellenbogen und Schmerzen zu tun. Am äußersten Punkt des betroffenen Ellbogens besteht starker Berührungsschmerz, es zieht im Arm, die Muskeln versagen den Dienst, man kann nichts mehr halten oder heben.


Ist die Elle wirklich ellenlang?

Die Elle, haben wir gesagt, ist ein Knochen. In früheren Zeiten war "Elle" allerdings auch eine Längeneinheit. So wurde beispielsweise die Länge von Stoffbahnen in Ellen gemessen; der Maßstock der Tuchhändler war die Elle. Mit gleicher Elle messen – ein redensartlicher Ausdruck, der "die Menschen unterschiedslos behandeln", "gerecht sein" bedeutet, war auch in seinem wörtlichen Sinne nur schwer zu verwirklichen.

Allein in Deutschland gab es über hundert Ellen-Maße. Die Längen schwankten zwischen 50 und 80 Zentimetern. Das heutige Adjektiv ellenlang bedeutet mit negativem Unterton, dass etwas sehr lang ist. Eine Rede zum Beispiel oder eine Liste, Verordnungen und so weiter. Nicht nur die Elle ist ein vom menschlichen Körper genommenes Maß. Neben "Fuß" sind auch "Spanne", das ist der Abstand zwischen ausgestrecktem Daumen und Mittelfinger, und selbst "Klafter", die Strecke zwischen den seitwärts gestreckten Armen eines Erwachsenen, – sagen wir – Körpermaße.

Wenn der Ellbogeneinsatz nicht nur der Ellbogenfreiheit dient

Da wir gerade beim Ausstrecken sind: Wer je in einem Ferienflieger gesessen hat, weiß, was mangelnde Ellenbogenfreiheit bedeutet: Der Ellbogen des Sitznachbarn ist stets zu spüren, und nur die Tatsache, dass es dem Mitreisenden genauso geht, verschafft etwas Trost, und man/frau fügt sich für die Dauer des Fluges in das Unvermeidliche.

Nun gibt es nicht wenige Zeitgenossen, die ihre Ellbogen ohne Rücksicht auf ihre Mitmenschen gebrauchen; die sich durchboxen und mit dieser Ellenbogentaktik nur ihr eigenes Fortkommen, ihr Ziel im Auge haben. Man nennt diese Damen und Herren auch Ellenbogenmenschen. Die schlimmsten unter ihnen sind die mit den Rasierklingen an den Ellenbogen. Man findet sie überall und in großer Zahl. Was sie mit ihrer bedenklichen Art und Weise, durchs Leben zu gehen, bewirken, fand schon im Jahre 1982 seinen Niederschlag im damaligen Wort des Jahres von der Ellenbogengesellschaft.

Auf jeden Topf der passende Deckel

Wundert es in diesem Zusammenhang, dass es auch den Begriff Ellbogenpolitik gibt? Richard Dehmel, der deutsche Dichter, hat sie folgendermaßen gekennzeichnet: "Schutzlosigkeit der Schwachen und Ellenbogenfreiheit für die Besitzenden". Man findet dieses Zitat in einem seiner Briefe aus dem Jahre 1902. Längst vorbei also.


Fragen zum Text:

Ein Nerv, der am Ellbogen ungeschützt verläuft, ist …

1. der Engelsnerv.

2. der Musikantenknochen.

3. die Stromschlagsehne.

Kein Längenmaß ist …

1. Fuß.

2. Spanne.

3. Arm.

Menschen, die besonders rücksichtslos sind, …

1. haben Rasierklingen an den Ellbogen.

2. messen nicht mit gleicher Elle.

3. haben einen Tennisarm.

Arbeitsauftrag:

"Ellbogengesellschaft" war das Wort des Jahres 1982. Informieren Sie sich über die Wörter des Jahres, die es bislang gibt. Suchen Sie sich eines heraus. Erklären in einem Kurzbericht das gesellschaftliche Umfeld für das von Ihnen gewählte Wort des Jahres.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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