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Politik

Ellen Johnson-Sirleaf - der neue Kopf Liberias

Ihre Vorfahren waren ehemalige Sklaven aus Nordamerika und Deutsche. Jetzt ist Ellen Johnson-Sirleaf die erste gewählte Präsidentin Liberias und eines afrikanischen Staates. Am Montag wurde sie vereidigt.

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Ellen Johnson-Sirleaf ist die neue Staatschefin von Liberia

Wie Margaret Thatcher wird sie "Eiserne Lady" genannt. Ellen Johnson-Sirleaf ist die "Eiserne Lady von Liberia". Doch diese Bezeichnung für die neue Präsidentin des westafrikanischen Landes ist umstritten. Die einen verstehen darunter ihren unbeugsamen Willen. Andere meinen ihren dominanten Führungsstil. Sie fürchten, dass Johnson-Sirleaf in ihrer Politik zu einsamen Entscheidungen neigen könnte.

Dennoch setzen viele Liberianer große Hoffnungen in Ellen Johnson-Sirleaf. Liberia leidet unter den Folgen des seit 15 Jahren dauernden Bürgerkrieges. Die Infrastruktur des Landes ist fast völlig zerstört, selbst in der Hauptstadt Monrovia fehlt es vielen Menschen an Strom und Wasser. Was floriert, ist Korruption. Die Liberianer hoffen vor allem auf die internationalen Kontakte der neuen Präsidentin. Sie gehört zu Westafrikas Bildungselite, genießt einen guten Ruf und hat beste Kontakte.

Erfolgreich im In- und Ausland

Die Karriere der Mutter von vier Söhnen und vielfachen Großmutter begann mit einem Studium der Finanzwissenschaften an der Harvard-Universität. Danach kehrte Johnson-Sirleaf nach Liberia zurück und arbeitete bis 1985 als Finanzministerin ihres Landes. Parallel dazu war sie Vize-Präsidentin der Citibank für Afrika in Nairobi.

Ellen Johnson-Sirleaf Präsident Liberia

Die "eiserne Lady" - Frau und Politikern

Ihre öffentliche Gegnerschaft zu Ex-Dikator Samuel Doe brachte sie in den 80er Jahren zweimal ins Gefängnis. "Ich habe immer versucht, mir treu zu bleiben, für meine Ideale zu kämpfen", sagt Johnson-Sirleaf von sich selbst. Nach der Freilassung verließ sie Liberia und war auf internationaler Ebene aktiv: bei den Vereinten Nationen, der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds und dem einflussreichen Politikinstitut International Crisis Group.

Als der Milizenchef Charles Taylor im Jahr 1989 gegen Samuel Doe putschte, erhielt er anfangs auch Unterstützung von Johnson-Sirleaf. Zwar sprach sie sich später gegen ihn aus und trat 1997 sogar gegen ihn bei den Präsidentschaftswahlen an. Aber die anfängliche Sympathie für den späteren Kriegsverbrecher nährt bis heute Misstrauen gegenüber der neuen Präsidentin.

Erste gewählte Präsidentin eines afrikanischen Staates

Liberia Ellen Johnson-Sirleaf wird Präsidentin

Ellen Johnson-Sirleaf - Hoffnung für Liberia?

Als Taylor im Jahr 2003 von der westafrikanischen Staatengemeinschaft ins Exil nach Nigeria gedrängt wurde, bemühte sich Johnson-Sirleaf wieder um die Staatsspitze in Liberia. Doch erst im Herbst 2005 konnte sie sich durchsetzen: Am 8. Novermber 2005 gewann sie gegen den ehemaligen Fußballstar George Weah die Stichwahl um die Präsidentschaft. Ihm verspricht sie nun eine "wichtige Rolle" in ihrer Regierung. Auf seine jugendlichen Anhänger, meist ehemalige Kindersoldaten, will und kann sie nicht verzichten. "Die Opposition in die Regierung zu integrieren, wird die Gefahr eines neuen Bürgerkrieges verringern", sagt sie.

Wird eine Frau an der Spitze eines afrikanischen Staates überhaupt erfolgreich sein können? "Viele afrikanische Frauen stellen schon ihre Führungsqualitäten im öffentlichen und privaten Sektor unter Beweis", sagt sie. "Irgendwann werden die Menschen hoffentlich kapieren, dass die Welt beiden Geschlechtern gemeinsam gehört".

Als Frau und Wirtschaftsexpertin steht die neue liberianische Präsidentin jetzt vor einer Herkulesaufgabe: Liberia muss wieder auf die Beine kommen. Ellen Johnson-Sirleaf wird "eisern" arbeiten müssen, um die Menschen, die sie gewählt haben, nicht zu enttäuschen.

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